BDI-Hauptgeschäftsführer Kerber: Wer verstanden werden will, muss verständlich sein

Markus Kerber © Christian Kruppa

Markus Kerber © Christian Kruppa

Wer die Politik überzeugen will, darf den Wähler nicht vergessen. Denn vor allem dem Wähler ist die Politik Rechenschaft schuldig. Im Bewusstsein über die Chancen des digitalen Wandels wendet sich der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) in Zukunft noch stärker all jenen zu, denen eine freiheitliche Grundordnung und markwirtschaftliche Prinzipien am Herzen liegen.

Denn der Spitzenverband der deutschen Industrie und der industrienahen Dienstleister Deutschlands repräsentiert nicht nur die politischen Interessen von über 100.000 Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten, er versteht sich auch als Interessenvertreter für alle Menschen, die dem Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft folgen. Die neue Wirtschaftserklärer-Strategie des Markus Kerber.

BDI: Herr Kerber, Sie haben einmal gesagt, der BDI wäre im Grunde nur eine Nichtregierungsorganisation und somit „im gleichen Camp wie Greenpeace“. Retten Sie Arbeitsplätze statt Wale?

Markus Kerber: Wenn, dann indirekt. Denn Arbeitsplätze retten, beziehungsweise sichern, können bekanntlich nur die Unternehmen selbst. Dazu müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen, und die kommen von der Politik. Also war und ist es unsere Aufgabe, dort für die nötige Aufmerksamkeit zu sorgen. Immerhin sprechen wir als Spitzenverband für 37 Branchenverbände der Industrie und industrienaher Dienstleister. Das sind 100.000 Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten. Um alle Arbeitsfelder abzudecken, wurden diverse Fachbteilungen geschaffen. Dort kümmert man sich um Steuern und Finanzpolitik, Recht und Versicherung, Energie- und Klimapolitik, Innovation und Gesundheitswirtschaft, Mobilität und Logistik und vieles andere.

Das klingt nach einem schwer manövrierbaren Tanker.

Ein Tanker mit großer Fachkompetenz. Aber in der Tat, der mediale Wandel wandelt auch den BDI. Wir müssen schneller werden, und wir werden schneller. Für uns ist das mehr Chance als Risiko. Denn durch unsere inhaltliche Tiefe in allen wirtschaftspolitischen Gebieten können wir auf neue Fragen schnell und fundiert Antworten finden und geben. Wir wollen dieses Wissen in Zukunft stärker in die Gesellschaft tragen.

Und wie wollen Sie das konkret schaffen?

Wir müssen stärker zum Wirtschaftserklärer werden. Und zwar für alle politisch interessierten Menschen in Deutschland. Die Herausforderung dabei: Die bisweilen komplexen Zusammenhänge so aufzuarbeiten, dass sie auch für den Nicht-Experten verständlich werden. Dafür haben wir unsere Website komplett umgearbeitet. Das fängt bei der Gestaltung an: Die ist nicht nur State of the Art, sondern auch übersichtlicher und damit verständlicher geworden – die Gestaltung als Spiegelbild der Inhalte sozusagen. Denn auch die Inhalte haben wir in großen Teilen überarbeitet immer mit dem Ziel, Verständlichkeit und Interesse zu erhöhen. So haben wir uns zum Beispiel neuen Formaten geöffnet wie Reportagen, Grafiken oder Videos und all das verständlich und optisch ansprechend gestaltet. Sie finden auf unserer Website nun eine breite Mischung der Inhaltsvermittlung. Wichtig ist aber auch: Wir wollen nicht simplifizieren, wo das Thema ein komplexes ist. Es gibt auch auf der neuen Website Themen, für die sich vor allem Spezialisten interessieren. Das ist gut und richtig und wichtig. 

Und woran werden Sie den Erfolg der erweiterten Strategie messen?

Erfolgreich waren und sind wir, wenn sich in Gesetzen und Vorschriften    niederschlägt, dass die Industrie nicht als Gegner betrachtet wird, sondern als Partner. Von daher bleibt das Ziel weiterhin das gleiche: Wir wollen die Politik von den Vorteilen der Marktwirtschaft im Allgemeinen und der Bedeutung der Industrie für den Wohlstand in Deutschland immer wieder neu überzeugen. Nur der Weg dorthin wird in Zukunft ein breiterer. Wir wollen ein glaubwürdiger Interessenvertreter all jener Menschen sein, die dem Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft folgen.