China und Deutschland: Kooperation durch Koordination

Peking-Büroleiterin Hanna Müller unterhält gute Kontakte mit Vertretern der chinesischen Industrie und Politik © Du Yusen

Asien ist der größte Abnehmer deutscher Exporte. Daher wird es zunehmend wichtiger, die wirtschaftspolitischen Entwicklungen in der Region genau zu beobachten und zu verstehen. Dieses Verständnis sollte die Basis sein für eine koordinierte Strategie zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Ländern Asiens. Im Falle von China scheint dies besonders wichtig.

Damit die deutsche Industrie ihr volles Potential in China entfalten kann, müssen sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eng austauschen – und zwar zunehmend auch auf europäischer Ebene. Das hat etwa die aktuelle Debatte um Chinas Marktwirtschaftsstatus gezeigt. Indem eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmen gehört und zu einer kohärenten Strategie zusammengeführt wurde, konnte ein Lösungsvorschlag gefunden werden, die vom größten Teil der Industrie in den Mitgliedsstaaten unterstützt wird.

China seinerseits tritt in wirtschaftspolitischen Fragen, auch aufgrund des politischen Systems, bereits extrem geschlossen auf. Deutschland sollte die chinesische Herangehensweise zwar nicht kopieren – die Unabhängigkeit verschiedener gesellschaftlicher Institutionen und einzelner Akteure ist ja gerade eine Stärke unseres liberalen Systems – aber wir sollten uns unbedingt deutlich besser miteinander abstimmen. Es geht letztendlich darum, Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen frühzeitig zu erkennen, um dann im Schulterschluss mit der Regierung wirksam die Interessen der deutschen Industrie vertreten zu können.

Basierend auf dieser Koordination kann die Kooperation mit China gedeihen. China ist bereits einer der bedeutendsten Handelspartner für Deutschland. In 2015 betrug das deutsch-chinesische Handelsvolumen 163 Milliarden Euro, was etwa 30 Prozent des gesamten Handels zwischen der EU und China entspricht. Längst geht die Kooperation jedoch über Handel und Investitionen von Deutschland nach China hinaus. Auch die Innovationspartnerschaft mit China wird für die deutsche Industrie immer wichtiger. Kooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung, etwa beim Thema Industrie 4.0, werden zukünftig zunehmen.

Wird Deutschlands Abhängigkeit von China mittelfristig wachsen?

Trotz vieler Erfolgsgeschichten ist die Abhängigkeit der deutschen Industrie von China geringer als man auf den ersten Blick glauben könnte. Die Zusammenarbeit bietet nach wie vor viel ungenutztes Potential. Allerdings war der Optimismus deutscher Unternehmen in China schon einmal größer als derzeit. Wer im Ausland investiert, ist auf gute Rahmenbedingungen angewiesen. Auch wenn China ein gigantischer Markt ist, reicht das nicht mehr aus als Investitionsanreiz. Rechtssicherheit, ein berechenbares regulatorisches Umfeld, ein schnelles und unzensiertes Internet sowie der Schutz geistiger Eigentumsrechte tragen zum Beispiel positiv zu einem solchen Umfeld bei.