Der Europäische Binnenmarkt – Schwergewicht im globalen Wettbewerb

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Mit 500 Millionen Verbrauchern und 21 Millionen Unternehmen ist der Europäische Binnenmarkt der größte gemeinsame Markt weltweit – ein echtes Schwergewicht im globalen Wettbewerb. Doch noch immer stoßen Unternehmen und Verbraucher an nationale Grenzen.

Der Europäische Binnenmarkt ist das Kernelement der Europäischen Integration. Seit 1992 hat die Öffnung nationaler Grenzen Europa 2 Prozent mehr Wirtschaftskraft und 3 Millionen neue Arbeitsplätze beschert. Wir erleben täglich die Vorteile des gemeinsamen europäischen Marktes. Als Verbraucherinnen und Verbraucher wählen wir aus einer breiten Produktpalette, zahlen beim Kauf französischer, italienischer oder spanischer Produkte keine Zölle und können uns sicher sein, dass ausländische Produkte hohen europäischen Standards genügen. Für die deutsche Industrie ist der Binnenmarkt zum Heimatmarkt geworden. 58 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen weiterhin nach Europa. In gut ausgebauten europäischen Produktionsnetzwerken entstehen global erfolgreiche Produkte.

Bürokratische Hindernisse kommen uns teuer zu stehen

Das Potenzial des Binnenmarkts ist noch lange nicht ausgeschöpft. Kennen Sie das? Sie wollen einen Online-Einkauf über eine ausländische Website tätigen – ohne Erfolg. Auch Unternehmen stoßen bei grenzüberschreitenden Geschäften auf eine Vielzahl bürokratischer und regulatorischer Hindernisse. Rund 15.000 zusätzliche technische Vorschriften auf nationaler Ebene erschweren noch immer den Ein- und Verkauf von Waren über europäische Binnengrenzen hinweg. Um den Binnenmarkt für Dienstleistungen steht es besonders schlecht: Obwohl Dienstleistungen 70 Prozent des BIP in Europa ausmachen, werden nur 20 Prozent grenzüberschreitend erbracht. Das schadet auch der Industrie. Denn durch das Zusammenwirken von Industrie und Dienstleistungen entstehen neue anspruchsvolle und kundenorientierte Produkte, die von den aufholenden Schwellenländern nur schwer kopierbar sind. Die Fragmentierung des EU-Binnenmarkts kostet Europa jährlich mindestens 615 Milliarden Euro.

Die Vollendung des Europäischen Binnenmarktes: zentrale Forderung der deutschen Industrie

Der Binnenmarkt ist das Fundament für eine wettbewerbsfähige europäische Industrie – das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Die Bedeutung der Industrie reicht weit über ihren Anteil von 15 Prozent am EU BIP hinaus. Industrieunternehmen tragen erheblich zu Wachstum, Internationalisierung, Beschäftigung und Innovation in Europa bei. 15 Prozent mehr Produktivität als im Dienstleistungssektor, 57 Prozent der Gesamtexporte, 65,3 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung und 52 Millionen direkt bzw. indirekt Beschäftigte gehen auf das Konto der europäischen Industrie. Trotz ihrer großen Bedeutung ist die Industrie in Europa in den letzten Jahren spürbar unter Druck geraten – nicht zuletzt aufgrund sich verschlechternder politischer Rahmenbedingungen. Während der EU-Anteil an der weltweiten industriellen Bruttowertschöpfung zwischen 2000 und 2012 um 5 Prozent zurückging, legte der Anteil asiatischer Schwellenländern um 18 Prozent zu. Im gleichen Zeitraum gingen in Europa 6 Millionen Jobs in der Industrie verloren.

Deshalb setzt sich die deutsche Industrie für einen voll funktionsfähigen Binnenmarkt mit einer starken industriellen Basis ein. Unsere Prioritäten reichen von der Schaffung eines Energiebinnenmarktes und eines vollständig vernetzten digitalen Binnenmarktes über Investitionen in den europäischen Infrastrukturausbau und dem freien Zugang zu Drittmärkten bis zu einer konsistenten EU-Gesetzgebung.