Der Trump-Erfolg – ein Erklärungsversuch

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Der Republikaner Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er gewann die Wahl überraschend deutlich mit 306 zu 232 Wahlmännerstimmen. Für viele war Trumps Sieg eine Überraschung. Für seinen Erfolg gibt es verschiedene Erklärungsansätze.

„Anti-Establishment“: Trump bedient das verlorene Vertrauen ins politische System

Die US-Amerikaner sind politikverdrossen und wünschen sich grundlegende Veränderungen. Insbesondere mit der Arbeit des Kongresses sind viele unzufrieden. Mitte November 2016, zum Zeitpunkt der Wahlen, hatte der Kongress eine Zustimmungsrate von lediglich 19 Prozent. In den Kongresswahlen im Herbst 2010 hatten die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobert. Seitdem herrschte im Zweiparteiensystem der USA eine politische Blockade. In der jüngeren Geschichte des Landes war der 112. Kongress mit 284 Gesetzen der unproduktivste, dicht gefolgt vom 113. Kongress. Die Bevölkerung ist das politische Gerangel leid. Die Unzufriedenheit machte sich Trump zunutze, indem er die „politische Elite“ angriff und sich als Außenseiter, als Macher und Geschäftsmann, darstellte. Die „Elite“ kritisierte er insbesondere dafür, dass die USA in den vergangenen Jahren durch ihre Entscheidungen weniger sicher und weniger wohlhabend geworden seien. Clinton wurde als ehemalige First Lady, Senatorin und Außenministerin ganz besonders als Teil der politischen Elite wahrgenommen.

„America First“: Mit Abschottung zu einem besseren Amerika

Viele Bürger in den USA stimmen der Einschätzung Trumps zu, dass sich das Land auf dem falschen Weg befindet. 47 Prozent aller Wähler meinten in einer Befragung des Pew Research Centers vom August 2016, die Lebensverhältnisse in den USA für Menschen wie sie seien heute schlechter als noch vor 50 Jahren. Unter den Trump-Anhängern glaubten dies sogar 81 Prozent. Der US-Wirtschaft geht es zwar insgesamt gut. Das BIP wuchs 2015 mit 2,6 Prozent langsam, aber stetig. Für 2016 wird ein Gesamtwachstum von etwa 1,6 Prozent erwartet. Die Arbeitslosigkeit ist inzwischen auf unter fünf Prozent gesunken. Allerdings haben nicht alle gleichermaßen von der Erholung seit der Krise profitiert. Die realen Löhne in den USA sind seit Jahren kaum gestiegen. Viele Bürger aus der Mittelschicht finden, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in den letzten Jahren nicht verbessert habe. 47 Prozent aller Wähler glaubten zudem, Freihandelsabkommen hätten dem Land insgesamt geschadet. Unter Trump-Anhängern meinten dies sogar 68 Prozent. Trump versprach im Wahlkampf, sich auf das eigene Land zu konzentrieren – „make Amerika great again“ und „Americanism, not globalism, will be our credo“. Freihandelsabkommen und die Aufnahme Chinas in die WTO hätten den USA nicht genutzt. Gleichzeitig hätten illegale Einwanderer, beispielsweise aus Mexiko, das Land unsicher gemacht. Wie auch in anderen Ländern gibt es in den USA immer mehr Menschen, die offen für diese isolationistische Rhetorik sind. Sie glauben, dass sie nicht ausreichend von der Globalisierung profitieren, und sehen die terroristischen Anschläge in Europa in den vergangenen Monaten als Beweis dafür, dass offene Grenzen gefährlich sind.

Fact or Fiction?

Der Wirtschaftspessimismus vieler Trump-Unterstützer lässt sich auf Grundlage der verfügbaren Statistiken nur teilweise erklären. Zu ihrer Wahrnehmung trägt auch bei, dass die konservativen Medien – und Trump selbst – immer wieder unterstrichen haben, wie schlecht es der Wirtschaft gehe. Wie Faktenchecks belegen, spielten Tatsachen im Wahlkampf von Donald Trump eine untergeordnete Rolle. Viele Wähler haben die zahlreichen Falschaussagen nicht davon abgehalten, für Trump zu stimmen. Dies mag auch an der Art der Mediennutzung liegen. Immer mehr Amerikaner folgen nur noch bestimmten Medien – entweder den konservativen wie Fox News oder Breitbart, oder den liberalen Medien wie CNN, MSNBC oder der New York Times. Dadurch kommen sie weniger in Berührung mit unterschiedlichen Meinungen und Gegendarstellungen.

Das geringere zweier Übel? Hillary Clinton blieb unbeliebt

Clinton ist als ehemalige First Lady, US-Senatorin und Außenministerin Teil des politischen Establishments des Landes. Hinzu kommt, dass sie als Person unbeliebt blieb. Sie gilt als kalt und berechnend sowie unehrlich. In einer Umfrage des Pew Research Center, die zwischen dem 7. Juni und 5. Juli durchgeführt worden war, bezeichneten sie nur 13 Prozent der Befragten als „ehrlich“. Trump schnitt zwar mit 19 Prozent, die ihn als „ehrlich“ bewerteten, kaum besser ab, doch schien dies Clinton wenig zu helfen. Zwei Ereignisse aus ihrer Zeit als US-Außenministerin wurden Clinton besonders angelastet: ihr Umgang mit dienstlichen E-Mails und der Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi. Die E-Mail-Affäre belastete Clinton im Wahlkampf bis zuletzt.

Einzigartige Rhetorik: Trumps Slogans bleiben haften

Trumps Wahlkampfprogramm war zwar an vielen Stellen vage und oberflächlich, dafür aber einfach und verständlich. Mit seinen Slogans und den simplen, direkten Aussagen bedient er den Mainstream-Geschmack. Seine Angriffe gegen Clinton („crooked Hillary“) oder auch gegen seine parteiinternen Rivalen im Vorwahlkampf waren häufig unter der Gürtellinie, aber sorgten für Aufmerksamkeit. Indem er immer wieder die gleichen Aussagen wiederholte – beispielsweise, dass die USA eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen werden –, blieben sie im Gedächtnis der Zuhörer.

Gemeinsam stark: Besser Trump als eine gespaltene republikanische Partei

Die Republikaner kämpfen seit einiger Zeit mit einer parteiinternen Spaltung zwischen den ultrakonservativen – der Tea-Party-Bewegung – und den moderateren Parteimitgliedern. Der Wunsch, die Partei bei diesen Wahlen wieder zu einen und das Weiße Haus zurückzuerobern, ließ viele kritische Stimmen innerhalb der Partei verstummen. Dies erklärt, warum Trumps größte Konkurrenten – zuletzt Marco Rubio, Ted Cruz und John Kasich – verhältnismäßig früh aus dem Rennen um die Präsidentschaftsnominierung zurücktraten. Dagegen hatte Hillary Clinton noch deutlich länger – bis Ende Juni – mit ihrem Rivalen Bernie Sanders zu kämpfen.

Ausblick

Der Wahlkampf hat die US-amerikanische Gesellschaft noch weiter gespalten. Trump gab sich in seiner Siegesrede versöhnlich. Er kündigte an, ein Präsident für alle Amerikaner sein zu wollen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Trump sein Versprechen einlösen wird. Die Einigung der Gesellschaft wird auf jeden Fall eine schwere Aufgabe sein.