Die deutsche B20-Präsidentschaft

B20-Konferenz in Berlin © Christian Kruppa

B20-Konferenz in Berlin © Christian Kruppa

Wenn es die Gruppe der 20 (die G20) noch nicht geben würde, müsste sie heute erfunden werden. Denn weder können Staaten heute im Alleingang die großen Chancen der Weltwirtschaft nutzen, noch die großen Herausforderungen meistern. Nationale Alleingänge sind zum Scheitern verurteilt. Die G20 ist ein wichtiger Impulsgeber und Agendasetzer. Sie hilft, die Regeln für die Weltwirtschaft weiterzuentwickeln. Die Business 20 (B20) unterstützt sie dabei mit Expertise und konkreten Lösungsvorschlägen.

Die Weltwirtschaft steht vor enormen Chancen wie Herausforderungen. Die 4. Industrielle Revolution, die Digitalisierung, verändert wie wir produzieren, arbeiten und miteinander Handel betreiben. Smart factories, smart cities, smart transportation, smart homes – die Digitalisierung birgt enormes Potential für Innovation, Effizienzgewinne und Arbeitsplätze. Sie kann der schwächelnden Weltwirtschaft einen neuen Wachstumsimpuls geben. Sie kann den Welthandel beleben, nicht nur, indem immer mehr Produkte digital gehandelt werden. Digitalisierung erleichtert den Handel, indem Lieferketten effizienter gestaltet werden können und die Grenzabwicklung von Waren erleichtert wird.

Ein Krisenmix bestimmt die Weltwirtschaft

Gleichzeitig stehen die G20-Staaten einem noch nie dagewesenen Krisenmix gegenüber. Die Weltwirtschaft erholt sich zwar weiter – wenn auch sehr langsam – von der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 bis 2010. Die Finanzmärkte sind deutlich krisenfester gewesen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) kam jüngst jedoch zu dem Schluss, dass die Risiken wieder steigen: Die Kreditbedingungen sind erschwert und die Kapitalflüsse schwanken. Die Schwellenländer, die Lokomotiven der Weltwirtschaft, schwächeln. Die politischen Risiken nehmen zu. Geopolitische Krisen und gewaltsame Konflikte dämpfen die Investitionsfreudigkeit von Unternehmen. Viele Länder haben mit enormen Infrastrukturdefiziten zu kämpfen. Rohstoffpreise sind volatil und schaffen Unsicherheiten an den Märkten. Das Referendum in Großbritannien fügt der Weltwirtschaft neue Unsicherheiten hinzu. In vielen Ländern sind populistische Bewegungen auf dem Vormarsch. In immer mehr Ländern wächst der Widerstand gegen die Globalisierung.

Globale Zusammenarbeit notwendig

Im nationalen Alleingang werden Staaten weder die großen Chancen in der Weltwirtschaft nutzen, noch die großen Herausforderungen meistern können. Viele Themen benötigen eine intensive globale Zusammenarbeit. Dazu zählen etwa die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, das zukünftige WTO-Arbeitsprogramm, Migration, Digitalisierung, Ressourceneffizienz, die Investitionslücke oder die Bekämpfung von Korruption. Umso wichtiger sind die internationalen Institutionen der Weltwirtschaft. An ihrer Speerspitze steht die G20. Die G20 ist zwar keine internationale Organisation wie der IWF und die Welthandelsorganisation (WTO), in denen sich die Mitglieder auf völkerrechtlich bindende und durchsetzbare Beschlüsse einigen. Die G20 ist jedoch wichtiger Impulsgeber und Agendasetzer. Der G20-Prozess ist der Eckpfeiler der globalen Ordnungspolitik.

B20 und G20 eng verbunden

Unterstützt wird sie in ihrer Arbeit durch die B20. Ihre Aufgabe ist es, die G20 durch konkrete Handlungsempfehlungen, konsolidierte Interessenvertretung und Expertise zu unterstützen. Darüber hinaus fördert die B20 den Dialog von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft auf internationaler Ebene. In der B20 erarbeiten Wirtschaftsvertreter aus der G20 gemeinsame Empfehlungen und spezifische Handlungsvorschläge, welche die Bandbreite der G20-Agenda abdecken. Zudem finden B20-Veranstaltungen sowie ein Austausch mit Regierungen und anderen Stakeholdern des G20-Prozesses statt. Wie die G20-Präsidentschaft ist auch die B20-Präsidentschaft ein ganzjähriges Projekt.

BDI, BDA und DIHK führen die deutsche B20-Präsidentschaft durch

Nach einer erfolgreichen chinesischen Präsidentschaft hat jetzt Deutschland die Führung der B20 inne. Die Bundesregierung hat die führenden deutschen Wirtschaftsverbände, den BDI, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie den Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), gebeten, den offiziellen G20-Wirtschaftsdialog anlässlich der deutschen G20-Präsidentschaft durchzuführen. Vorsitzender der B20 ist Jürgen Heraeus.

Zu den Top-Themen der deutschen B20-Präsidentschaft gehören neben den klassischen B20-Themen wie Handel und Investitionen sowie Finanzmärkte auch die Digitalisierung, der Klimawandel und Ressourceneffizienz sowie Korruptionsbekämpfung. Um die richtigen Maßnahmen zu identifizieren und voranzutreiben, kann die Politik auf Input der Wirtschaft setzen.