Die G7: Weltwirtschaftsgipfel und Wertegemeinschaft

Die G7 fördert die enge Zusammenarbeit zwischen den führenden Industrieländern. Sie ist nicht nur ein Zusammenschluss wichtiger Wirtschaftsnationen. Die G7-Staaten teilen auch gemeinsame Interessen und Werte. So bleibt die G7 auch in Zukunft ein wichtiges Format, um die Globalisierung gerecht und effektiv mitzugestalten.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann eine neue Phase der Globalisierung, die sich unter anderem in rasant steigenden Handels- und Finanz-strömen manifestierte. Gerade für die junge Bundesrepublik Deutschland war dies einer der zentralen Bausteine für das deutsche Wirtschaftswunder in den 1950er und 1960er Jahren. Gleichzeitig bedeutete die zunehmende Globalisierung jedoch auch, dass das Wohlergehen eines Landes nicht allein national gesteuert werden konnte. Die Abhängigkeit von der Weltwirtschaft nahm stetig zu.

Besonders deutlich zeigte sich dies Anfang der 1970er Jahre. 1973 brach das Bretton Woods System fester Wechselkurse zusammen, das über fast drei Jahrzehnte lang eines der zentralen Fundamente für globale Finanzstabilität und den wachsenden internationalen Handel gebildet hatte. Im gleichen Jahr führte die erste Ölkrise zu einer globalen Wirtschaftsdepression.

Anfänge der Global Governance

Um diese Herausforderungen zu meistern, trafen sich auf Initiative von Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing 1975 erstmals die Staats- und Regierungschefs der sechs bedeutendsten Industrienationen zu einem Weltwirtschaftsgipfel. 1976 wurde das Format um Kanada zur Gruppe der 7 (G7) erweitert. Seitdem findet mindestens einmal jährlich ein Gipfeltreffen unter rotierender Präsidentschaft statt.

Die Abstimmung in der G7 konnte erfolgreich zur Krisenbewältigung in den 1970er Jahren beitragen. Auch in den folgenden Jahrzehnten trug die G7 substantiell zur Weiterentwicklung des globalen Finanzsystems bei und koordinierte effektiv die nationale Wirtschaftspolitik ihrer Mitglieder. Beispiele sind etwa das Louvre-Abkommen von 1987, durch das globale Ungleichgewichte abgebaut wurden, und die Gründung des „Financial Stability Forum“ 1999 (seit 2009 „Financial Stability Board“), das eine einheitliche Finanzmarktregulierung fördert.

1998 wurde die G7 durch die Aufnahme Russlands zur G8 erweitert. Aufgrund der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim ist die Mitgliedschaft Russlands jedoch seit 2014 suspendiert.

Die G7-Staaten und ihr Anteil an der Weltbevölkerung, der Weltwirtschaft und dem Welthandel

Quelle: Weltbank 2014, BIP: Bruttoinlandsprodukt / EU hat Beobachterstatus seit 1981. EU-Zahlen inklusive Deutschland, Frankreich, Italien und Vereinigtes Königreich. Summe der Exportanteile von Mitgliedsstaaten (intra- und extra-EU-Handel).
BIP (nominal) in % Export in % Bevölkerung in %
Deutschland 4,95 7,92 1,11
Frankreich 3,63 3,33 0,91
Italien 2,75 2,80 0,84
Japan 5,91 3,85 1,75
Kanada 2,29 2,85 0,49
USA 22,37 8,39 4,39
UK 3,78 2,44 0,89
EU* 23,7 32,10 7,00
G7-Staaten (ohne EU) 45,69 31,58 10,39

Funktionsweise

Die G7 trifft keine bindenden Entscheidungen. Sie ist ein informelles Forum, in dem nationale Politik und gemeinsame Aktionen koordiniert werden. Da die G7 keine internationale Organisation ist und über keinen eigenen Verwaltungsapparat verfügt, wird die Agenda maßgeblich durch die im jeweiligen Jahr zuständige Präsidentschaft bestimmt. 2016 hat Japan turnusgemäß die Präsidentschaft der G7 inne. Das Gipfeltreffen findet am 26. und 27. Mai in Ise-Shima statt. Neben dem G7-Gipfel finden mehrmals jährlich Treffen der G7-Fachminister statt. Die diesjährige japanische Präsidentschaft organisiert Treffen der Außen-, Bildungs-, Energie-, Finanz-, Gesundheits-, Informationstechnologie-, Landwirtschafts-, Transport-, Umwelt- und Wissenschaftsminister. Auch dies verdeutlicht die Fülle an Themen, die in der G7 abgestimmt werden.

Die G7 behandelt nämlich inzwischen praktisch alle wichtigen globalen Fragestellungen. So trafen die G7-Mitglieder 2016 nicht nur Beschlüsse zu finanz- und wirtschaftspolitischen Themen, sondern auch zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungspolitik, Gesundheitspolitik, Ressourceneffizienz, Internet Governance sowie des Klimawandels. 

G7-Vorsitz:

  • 2016 Japan
  • 2017 Italien
  • 2018 Kanada
  • 2019 Frankreich
  • 2020 Vereinigte Staaten

Zukunft der G7

Durch den wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellen- und Entwicklungsländer hat sich seit den 1990er Jahren das Mächtegewicht in der Weltwirtschaft wesentlich verschoben. Dem wurde durch die Gründung der G20 Rechnung getragen, der neben den G7-Staaten auch die bedeutendsten Schwellenländer und andere Industrieländer angehören. Die G7 bietet jedoch entscheidende Vorteile, die sie weiterhin zu einem wichtigen Forum der Global Governance machen.

Während die G7-Volkswirtschaften zwar an wirtschaftlichem Gewicht in der Welt verloren haben, repräsentieren sie immer noch gut die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts und ein Drittel des Welthandels. Die G7 ist dementsprechend weiterhin bedeutend in der politischen Rahmensetzung für die Weltwirtschaft.

Die G7 ist zudem eine Wertegemeinschaft, die für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschrechte und Marktwirtschaft eintritt. Die enge Zusammenarbeit zwischen gleichgesinnten Staaten ist essentiell, da-mit gemeinsame Interessen und Werte weiterhin wirkungsvoll in der Global Governance vertreten werden können.

Die G7 öffnet sich zunehmend durch Zusammenarbeit mit internationalen Institutionen und anderen Länder sowie einem kontinuierlichen Dialog mit der Zivilgesellschaft. So werden die Interessen der wichtigsten Global Governance-Akteure miteinbezogen und Partnerschaften für ein möglichst effektives Handeln geschlossen.

Weiterführende Links

Abschlusserklärung G7-Gipfel, Mai 2016

G7-Dokumente 2016

Abschlussbericht der deutschen G7-Präsidentschaft, Dezember 2015