Die USA in der Weltwirtschaft

Trotz aufstrebender Konkurrenten wie China sind die USA immer noch die größte Wirtschaftsmacht der Welt. 2014 betrug das Bruttoinlandsprodukt 17,3 Billionen US-Dollar. Im Warenhandel (Exporte und Importe) liegt China zwar schon seit einigen Jahren an der Spitze. Im Dienstleistungshandel sind die USA jedoch weiterhin die größte Handelsnation. Und auch bei den ausländischen Direktinvestitionen sind die USA nach wie vor führend in der Weltwirtschaft.

Die wirtschaftliche Integration der USA in die Weltwirtschaft

Gemessen an der Bedeutung des Handels für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind die USA eine vergleichsweise geschlossene Volkswirtschaft. Laut dem U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA) betrug der Anteil des Handels (Waren und Dienstleistungen) am BIP im Jahr 2014 rund 30 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland betrug die Außenhandelsquote laut dem Statistischen Bundesamt im selben Jahr rund 85 Prozent. Die vergleichsweise niedrige Bedeutung des Außenhandels ist vor allem auf die Größe des Binnenmarktes zurückzuführen: Die USA können eine Vielzahl von Industrie- wie auch Agrargütern selbst produzieren und sind dadurch weniger stark auf Importe angewiesen. Auch haben die USA eine vergleichsweise konsumfreudige Bevölkerung. Ausfuhren spielen somit eine geringere Rolle für Unternehmen. Gemessen an ihren durchschnittlichen Zollsätzen von 3,2 Prozent für Industriegüter und 5,1 Prozent für Agrargüter (Zahlen für 2014) haben die USA jedoch eine im internationalen Vergleich sehr offene Handelspolitik.

Während die USA im Jahr 2012 noch die weltweit größte Handelsnation waren, wurden sie 2013 von China überholt. Nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) aus dem Jahr 2015 lagen die USA 2014 bei den Warenexporten mit einem Anteil von 8,6 Prozent hinter China und vor Deutschland auf Rang zwei, bei den Warenimporten mit einem Anteil von 12,7 Prozent auf Platz eins. Im Dienstleistungshandel sind die USA sowohl bei den Exporten (14,1%) als auch bei Importen (9,6%) weltweit führend (bei all diesen Zahlen ist der Intra-EU-Handel mit eingerechnet). Wenn man den Intra-EU-Handel ausklammert, waren die USA 2014 der drittgrößte Warenexporteur hinter China und der EU und weiterhin der größte Warenimporteur. Im Dienstleistungshandel liegen sie jeweils hinter der EU auf Rang zwei.

Der wichtigste Absatzmarkt für Warenexporte der USA war im Jahr 2014 das Nachbarland Kanada, das wichtigste Herkunftsland für Importe war China. In die EU als Ganzes betrachtet lieferten die USA 2014 17,1 Prozent ihrer Warenexporte. 17,8 Prozent ihrer Warenimporte kamen wiederum aus EU-Ländern. Insgesamt wickelten die USA knapp ein Drittel ihres Warenhandels mit Kanada und Mexiko ab, mit denen seit 1994 ein Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement, NAFTA) besteht.

Wichtigste Handelspartner der USA 2014: Warenexporte

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis
Rang Partner Wert (Mrd. $) Anteil (%)
1 Kanada 313,5 19,2
2 Mexiko 240,7 14,7
3 China 124,7 7,6
4 Japan 68,0 4,2
5 Vereinigtes Königreich 54,5 3,3

Wichtigste Handelspartner der USA 2014: Warenimporte

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis
Rang Partner Wert (Mrd. $) Anteil (%)
1 China 467,9 19,7
2 Kanada 354,4 14,9
3 Mexiko 301,4 12,7
4 Japan 136,7 5,8
5 Deutschland 124,2 5,2

Wichtigste Handelspartner der USA 2014: Dienstleistungsexporte

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis
Rang Partner Wert (Mrd. $) Anteil (%)
1 Vereinigtes Königreich 63,6 9,0
2 Kanada 61,4 8,6
3 Japan 46,7 6,6
4 China 42,5 6,0
5 Mexiko 30,0 4,2

Wichtigste Handelspartner der USA 2014: Dienstleistungsimporte

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis
Rang Partner Wert (Mrd. $) Anteil (%)
1 Vereinigtes Königreich 49,7 10,4
2 Deutschland 32,8 6,9
3 Japan 31,2 6,5
4 Kanada 30,1 6,3
5 Indien 20,8 4,4

Der internationale Handel war im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 weltweit eingebrochen. Als Folge sank auch das seit den 1970er-Jahren hohe Defizit in der US-Leistungsbilanz. Sie setzt sich zusammen aus der Handelsbilanz (Güterexporte minus-importe), der Dienstleistungsbilanz (Dienstleistungsexporte minus -importe) sowie den Kapitaleinkommen und den Übertragungen (bei Letzterem handelt es sich beispielsweise um Überweisungen ausländischer Arbeitnehmer in ihre Heimat). Das Defizit in der Leistungsbilanz ist vor allem auf das Minus in der Handelsbilanz der USA zurückzuführen. 2007 betrug es im Warenhandel dem BEA zufolge noch 821 Milliarden US-Dollar; 2009 nur noch 510 Milliarden US-Dollar, weil die Importe stärker abnahmen als die Exporte. Nach 2009 wuchs das Defizit in der Handelsbilanz wieder an, blieb jedoch bisher hinter dem Vorkrisenniveau zurück. 2014 betrug das Handelsbilanzdefizit im Warenhandel 741 Milliarden US-Dollar, was 4,3 Prozent des BIP darstellte.

Wie kann der hohe Fehlbetrag in der Handelsbilanz erklärt werden? Wenn die USA mehr importieren als exportieren, bedeutet dies, dass sie mehr ausgeben als sie selbst erwirtschaften. Dies ist nur möglich, weil Kapital aus anderen Ländern in die USA strömt, indem beispielsweise Ausländer ihr Geld bei US-amerikanischen Banken anlegen. Die USA finanzieren die Importe durch eine positive Kapitalbilanz.

Die USA sind ein attraktives Anlageland. 2014 waren sie das mit Abstand wichtigste Gastland für ausländische Direktinvestitionen (ADI) mit einem Anteil an den weltweiten ADI-Beständen von 22 Prozent (inward stock / passive ADI). Aber auch als Investor in anderen Ländern sind sie weltweit führend: Im selben Jahr befanden sich 25,7 Prozent der weltweiten ADI-Bestände in US-amerikanischem Besitz (outward stock / aktive ADI). Unter ADI versteht man langfristig orientierte Kapitalexporte und -importe, so beispielsweise Unternehmensfusionen, -käufe und -beteiligungen, Kapitaltransfers zur Gründung von Unternehmen im Ausland, Kredite an Tochtergesellschaften im Ausland sowie erneut angelegte Erträge von ausländischen Tochtergesellschaften. Im Gegensatz zu Portfolioinvestitionen bedingen ADI die Eigentümerschaft und unternehmerische Kontrolle durch die investierende Firma. Mit ihnen wird also ein entscheidender Einfluss auf die Unternehmenspolitik sichergestellt.

Der größte Anteil an den ADI-Beständen in den USA (inward stock / passive Direktinvestitionen) kam 2014 aus dem Vereinigten Königreich. Insgesamt waren 59,4 Prozent der ADI-Bestände in den USA im Besitz von Investoren aus der EU. Die USA halten wiederum den größten Teil ihrer ADI-Bestände (outward stock / aktive ADI) in den Niederlanden. Insgesamt 51,1 Prozent ihrer ADI-Bestände halten die USA in der EU.

Wichtigste ADI-Partner 2014: passive ADI

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis
Rang Partner Wert (Mrd. $) Anteil (%)
1 Vereintes Königreich 448,5 15,5
2 Japan 372,8 12,9
3 Niederlande 304,8 10,5
4 Kanada 261,2 9,0
5 Luxembourg 242,9 8,4

Wichtigste ADI-Partner 2014: aktive ADI

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis
Rang Partner Wert (Mrd. $) Anteil (%)
1 Niederlande 753,2 15,3
2 Vereinigtes Königreich 587,9 11,9
3 Luxembourg 465,2 9,5
4 Kanada 386,1 7,8
5 Irland 310,6 6,3

Die Handelspolitik der USA

Während der ersten Amtszeit von Präsident Obama, im März 2010, war die Nationale Exportinitiative (NEI) ins Leben gerufen worden: Kleine und mittlere Unternehmen sollten stärker unterstützt werden, und die Regierung wollte internationale Handelsregeln auf wichtigen Märkten aggressiver durchsetzen. Neben dem Engagement in den multilateralen Verhandlungen der WTO, der sogenannten Doha-Runde, sollten vor allem Handelsbeziehungen mit Asien und zentralen Handelspartnern wie Südkorea gestärkt werden. Im März 2010 nahmen die USA dann zum ersten Mal an den Verhandlungen zu einer Transpazifischen Partnerschaft (TPP) teil. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit zeigte Obama zudem auch ein verstärktes Interesse an einer Vertiefung und Ausweitung der Handels- und Investitionsbeziehungen mit der EU. Seit Mitte 2013 verhandeln die USA und die EU über TTIP.

Der Präsident hat zwar sein Ziel verfehlt, die Exporte der USA zwischen 2010 und Ende 2014 zu verdoppeln. Zwei wichtige handelspolitische Ziele hat die Obama-Administration 2015 jedoch erreicht: Ende Juni 2015 übertrug der Kongress dem Präsidenten das Handelsmandat (Trade Promotion Authority, TPA), das für den Abschluss von Handelsabkommen wie TPP und TTIP entscheidend ist. Und am 5. Oktober 2015 gaben die Verhandlungspartner der TPP den Abschluss der Verhandlungen bekannt. Das Abkommen soll in Kraft treten, sobald mindestens sechs Staaten, die mindestens 85 Prozent der Wirtschaftsleistung aller TPP-Staaten ausmachen, das Abkommen ratifiziert haben. Um diese Schwelle zu erreichen, müssen sowohl die USA als auch Japan das Abkommen ratifizieren. Die Verhandlungen über TTIP sind dagegen noch im vollen Gange. Im Februar 2016 findet die zwölfte Verhandlungsrunde statt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Verhandlungen vollständig abgeschlossen werden können, solange Obama noch im Amt ist.

Die TPA ist keine Voraussetzung für die Verhandlung von Handelsabkommen, aber sie erleichtert den Prozess deutlich und ist grundlegend für den Ratifizierungsprozess. Auf dem Gebiet der Außenpolitik ist der Präsident zwar verfassungsrechtlich mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet: „Er hat das Recht, auf Anraten und mit Zustimmung des Senats Verträge zu schließen, vorausgesetzt, dass zwei Drittel der anwesenden Senatoren zustimmen“ (Artikel II, Abschnitt 2 der Verfassung). Der Präsident ist befugt, auch ohne die Ermächtigung des Kongresses mit anderen Staaten den Abschluss von bilateralen, regionalen oder multilateralen Handelsverträgen zu verhandeln und zu unterzeichnen. Grundsätzlich obliegt die Regelung des Außenhandels aber nach Artikel I, Abschnitt 8 der Verfassung eindeutig dem Kongress: „Der Kongress hat das Recht: Steuern, Zölle, Abgaben und Akzisen aufzuerlegen und einzuziehen [und] den Handel mit fremden Ländern, zwischen den Einzelstaaten und mit den Indianerstämmen zu regeln.“ Die Administration wiederum bestimmt nach Beratungen mit zahlreichen Gremien die handelspolitische Agenda und führt die internationalen Verhandlungen durch. Verhandlungsführer ist der mit Kabinetts- und Botschafterrang ausgestattete US-Handelsbeauftragte (USTR). Derzeitiger USTR ist Michael Froman.

Der Kongress kann aber mit der TPA Teile seiner Handelskompetenz an den Präsidenten delegieren. Der Präsident braucht TPA zwar nicht, um über Handelsabkommen zu verhandeln. Für den erfolgreichen Abschluss solcher Verhandlungen ist das Mandat jedoch unabkömmlich. Mit der Übertragung der TPA gibt der Kongress die handelspolitischen Zügel nicht vollständig aus der Hand. So ist der Präsident an Notifizierungs- und Konsultationspflichten gebunden. Auch gibt der Bipartisan Congressional Trade Priorities and Accountability Act of 2015, mit dem die TPA dem Präsidenten übertragen wurde, eine Reihe grundlegender und spezifischer Verhandlungsziele vor. Der Kongress ist wiederum verpflichtet, über einen entsprechenden Gesetzesentwurf über ein verhandeltes Abkommen überhaupt abzustimmen – dies wäre er ohne TPA nicht. Gesetzeszusätze sind nicht möglich und es gelten strenge Fristen für den Ratifizierungsprozess.

Die TPA ist bis 2021 gültig, wenn das Mandat nicht bis Mitte 2018 von einer der beiden Kammern des Kongresses ausgesetzt wird („extension disapproval“).

Derzeit sind 14 Freihandelsabkommen der USA mit 20 Ländern in Kraft.

Freihandelsabkommen der USA

Quelle: U.S. Census Bureau
FTA / Partnerländer Handelsvolumen (nur Waren) zwischen den USA und ihren FTA-Partnern (Exporte + Importe) (Mio. $), 2014 Anteil am gesamten Handelsvolumen der USA in %
In Kraft
1 Australien 37253,4 0,94
2 Bahrain 2025,2 0,05
3 CAFTA-DR 59502,5 1,50
Costa Rica 16464 0,41
El Salvador 5700,1 0,14
Guatemala 10180,4 0,26
Honduras 10603,9 0,27
Nicaragua 4112,2 0,10
Dominicanische Republik 12441,8 0,31
4 Chile 25990,2 0,65
5 Israel 38045,2 0,96
6 Jordanien 3450,9 0,09
7 Columbien 38406,3 0,97
8 KORUS (Südkorea) 113989,7 2,87
9 Marokko 3094,3 0,08
10 NAFTA 1194541,6 30,10
Kanada 660218,8 16,64
Mexiko 534322,8 13,47
11 Oman 2992 0,08
12 Panama 10898,2 0,27
13 Peru 16130,3 0,41
14 Singapur 46663,4 1,18
Noch nicht unterzeichnet bzw. derzeit in Verhandlung
15 TPP 1610039,1 40,57
Australien 37253,4 0,94
Brunei 581 0,01
Chile 25990,2 0,65
Japan 200831,1 5,06
Kanada 660218,8 16,64
Malaysia 43488,8 1,10
Mexiko 534322,8 13,47
Neuseeland 8236,4 0,21
Peru 16130,3 0,41
Singapur 46663,4 0,92
Vietnam 36322,9 0,92
16 TTIP (EU-28) 694343,2 17,50