Digitaler Handel: Chancen nutzen durch moderne Handelspolitik

Die neue EU-Handelsstrategie legt einen besonderen Fokus auf den digitalen Handel. Dies trägt der zunehmenden Digitalisierung des Welthandels Rechnung, die auch für die deutsche Industrie große Chancen bietet.

Grenzüberschreitender E-Commerce verringert Transaktionskosten, erleichtert die Teilnahme an globalen Wertschöpfungsketten, verbessert Marktzugang und -reichweite und bringt deutliche Effizienzgewinne. So ermöglicht er Unternehmen, wettbewerbsfähiger zu exportieren sowie die Produktivität zu steigern. Schätzungen zufolge soll der grenzüberschreitende Business-to-Consumer E-Commerce im Jahr 2020 bereits eine Billion US-Dollar betragen – der grenzüberschreitende E-Commerce zwischen Unternehmen ist sogar noch bedeutender.

Der grenzüberschreitende Datentransfer ist eine Voraussetzung für E-Commerce und ebenso grundlegend, um die globalen Wertschöpfungsketten effizient zu steuern. So trägt der internationale Datentransfer (2,8 Billionen US-Dollar) Schätzungen von McKinsey zufolge mehr zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei als der Außenhandel mit Waren (2,7 Billionen US-Dollar). Und der Handel mit IKT-Gütern ist nicht nur für den Export wichtig, sondern bildet ebenso einen unverzichtbaren Produktionsinput vieler Industriegüter.

Wachstumsmarkt digitaler Handel wird immer internationaler

Grenzüberschreitender E-Commerce in Mrd. US-Dollar und Anteil des grenzüberschreitenden Handels in Prozent

Die drei Komponenten des digitalen Handels – Handel mit IKT-Produkten, internationaler E-Commerce sowie grenzüberschreitender Datentransfer – finden jedoch im internationalen Handelsregime, vom Informationstechnologie-Abkommen II  (ITA II) der WTO und der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) abgesehen, nur ungenügend Beachtung. Oftmals wird bestehendes internationales Handelsrecht im digitalen Handel uneinheitlich angewendet. Dies führt zu Planungsunsicherheit und öffnet Tor und Tür für digitalen Protektionismus. Damit die Chancen des digitalen Handels ergriffen werden können, muss die EU in Freihandelsverhandlungen ambitionierte Regelungen für den digitalisierten Handel des 21. Jahrhunderts anstreben.