Ein Wirtschaftsriese auf Augenhöhe

Starker Partner für Handel: Chinas Wirtschaft stärkt auch die deutsche Industrie

Die Volksrepublik China ist für viele deutsche Unternehmen zu einem der wichtigsten Absatzmärkte geworden. Umgekehrt hat China in Deutschland seinen größten europäischen Handelspartner gefunden. Eine kurze Geschichte der Superlative.

Die Dimensionen sind gigantisch. China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA. Der chinesische Außenhandel hat sich in den letzten zwölf Jahren mehr als verzehnfacht. Die Weltbank rechnet das Land mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (BIP) von rund 7.500 Euro (2015) inzwischen zu den Ländern mit einem Einkommensniveau im oberen Mittelfeld. Die Wirtschaftsstruktur der Volksrepublik änderte sich seit Beginn der Wirtschaftsreformen vor über 30 Jahren rasant: Von einem System, das 1980 noch fast 70 Prozent der Arbeitsplätze im Agrarsektor akkumulierte, hängt mittlerweile die globale ökonomische Entwicklung ebenso ab wie von Wirtschaftsnationen wie Deutschland oder den USA.

Deutschlands schnelle Erholung von der Finanz- und Wirtschaftskrise ist nicht zuletzt der hohen Nachfrage aus China zu verdanken. Auch wenn das Land nicht mehr mit Wachstumsraten von 10,4 Prozent (2010) aufwarten kann, sind die 6,7 Prozent BIP-Wachstum (2016) aus Sicht westlicher Industriestaaten enorm. Somit bietet China deutschen Unternehmen nach wie vor beste Chancen, mit innovativen und hochwertigen Produkten und Dienstleistungen Fuß zu fassen. Besonders die im 13. Fünfjahresprogramm (2016-2020) festgelegten Ziele, wie nachhaltigeres Wachstum, Förderung von Umweltschutz, Bildung und Forschung sowie des Binnenkonsums, eröffnen weiteres Kooperationspotenzial.

Über 150 Milliarden Euro Umsatz

Im Jahr 2016 wurde China mit einem bilateralen Handelsvolumen von 169,9 Milliarden Euro erstmals zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands – noch vor Frankreich und den USA. Mit chinesischen Importen in Höhe von knapp 93,8 Milliarden Euro ist Deutschland für die junge Marktwirtschaft der wichtigste Handelspartner in Europa.

Ein Blick auf die Importe zeigt, dass über ein Drittel der Erzeugnisse dem Bereich der Datenverarbeitung sowie entsprechender elektronischer und optischer Produkte zuzuordnen sind. Rund zehn Prozent der Waren sind Bekleidung. In gleicher Größenordnung fallen Elektroartikel an. Zudem exportiert China Rohstoffe – inklusive Seltener Erden – in großem Umfang. Mehr als 90 Prozent des Weltbedarfs stammen aus der Volksrepublik.

Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig. Dem stehen etwa 5.000 deutsche Unternehmen in China gegenüber. Die deutschen Direktinvestitionen belaufen sich auf über 35 Milliarden Euro (2016), wohingegen China rund 11 Milliarden Euro hierzulande investiert hat.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Der BDI setzt sich für eine deutsch-chinesische Partnerschaft auf Augenhöhe ein. Gemeinsam mit der Bundesregierung bemüht sich der BDI, das wirtschaftliche Umfeld für deutsche Unternehmen in China zu verbessern. Neben dem Abbau von Marktzugangsbeschränkungen ist der effektive Schutz geistigen Eigentums ein zentrales Anliegen. Freiwilligkeit bei Technologietransfer und fairer Wettbewerb sind Ziele, für die der BDI sowohl in China als auch in der EU und auf Drittmärkten eintritt.

Vor allem in den Provinzen Chinas existieren bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand oft hohe Hürden für ausländische Unternehmen. Zusammen mit einer rigiden Wechselkurspolitik stellt auch die digitale Kommunikation mit den Mutterhäusern für deutsche Unternehmen eine Herausforderung dar. Eine Harmonisierung daten- und verbindungstechnischer Standards ist aus der Sicht deutscher Unternehmen erstrebenswert.

Weiterer Schwerpunkt der BDI-Arbeit – in der Regel gemeinsam mit weiteren Trägern im Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA) – ist die Unterstützung deutscher Unternehmen bei Projekten in China. Der Schwerpunkt liegt hier auf Angeboten der deutschen Industrie für nachhaltige Produktion, Umwelttechnologien und Energieeffizienz an chinesische Partner. Durch die Beteiligung des BDI über den APA an der Organisation hochrangiger begleitender Wirtschaftsdelegationen bei China-Reisen von Regierungsvertretern fließen für die deutsche Wirtschaft zentrale Themen in wirtschaftspolitische Gespräche ein.