Energieeffizienz bei Gebäuden: Schlüssel zum Klimaschutz

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Die kommenden Jahre werden über den Erfolg des Großprojekts Energiewende entscheiden. Der Schlüssel dafür ist neben den erneuerbaren Energien und dem Netzausbau insbesondere die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor als dem größten Energiekonsumenten in Deutschland und in der EU: 40 Prozent des Primärenergieverbrauchs entfällt auf den Gebäudebereich.

Die beschlossene Energiewende stellt die Bundesrepublik vor eine der größten wirtschaftspolitischen Herausforderungen der Nachkriegszeit. Von ihrer erfolgreichen Umsetzung hängen maßgeblich unser Wohlstand und die soziale Gerechtigkeit in Deutschland ab. Vom Endverbraucher bis hin zu den Unternehmen sind vom Ausgang dieses Großprojekts nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen direkt betroffen. Wir unterstützen die Entscheidung für eine Energiewende in Deutschland ausdrücklich, fordern jedoch eine professionelle Umsetzung ein, um Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und soziale Sicherheit zu gewährleisten und zu fördern. Gleichzeitig bietet die Energiewende unserem Land große Chancen – auch für die deutsche Wirtschaft. Diese können jedoch nur dann konsequent genutzt werden, wenn das Gesamtprojekt Energiewende professionell gemanagt und umgesetzt wird.

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die Neuausrichtung der deutschen Energie- und Klimapolitik so schnell wie möglich anzugehen. Bereits im April 2014 wurden die im Januar vorgestellten Neuregelungen zur Förderung erneuerbarer Energien – konkret zur Novellierung des EEG – im Bundeskabinett verabschiedet. Neben der Frage der Stromerzeugung und -verteilung sehen wir aber vor allem in einem weiteren Bereich dringenden Handlungsbedarf: Dem Bereich der Energieeffizienz – insbesondere bei Gebäuden.

Dem bereits seit dem Energiekonzept im Jahr 2010 immer wieder und letztmals im schwarz-roten Koalitionsvertrag formulierten Ziel, die Steigerung der Energieeffizienz zur „zweiten Säule der Energiewende“ zu machen, sind bisher keine entscheidenden politischen Schritte gefolgt. Dabei sind die im Energiekonzept formulierten Ziele (- 80 Prozent Primärenergieverbrauch bis 2050) sehr ambitioniert und ohne eine Flankierung mit entsprechend attraktiven Rahmenbedingungen nicht erreichbar. Die Einrichtung der Energiewende-Plattformen des BMWi begrüßen wir ausdrücklich, sie sind jedoch nutzlos, wenn erneut keine politischen Maßnahmen folgen.

Es ist unverständlich, warum die Bundesregierung kein abgestimmtes und schlüssiges Gesamtkonzept zur Energieeffizienz vorlegt, welches alle relevanten Sektoren gleichermaßen berücksichtigt. Die bestehenden klima- und energiepolitischen Herausforderungen können nur mit tragfähigen Konzepten im Gebäudesektor bewältigt werden. Der Gebäudesektor als größter Emittent  bietet unbestritten sehr große Chancen, Treibhausgasemissionen zu verringern und kann damit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten. Wir fordern, dass im Zuge der derzeitigen politischen Aktivitäten der Gebäudebereich stärker in den Fokus genommen wird.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass – im Unterschied zu vielen anderen Ländern – Deutschlands Energieversorgung im Wärmemarkt auf einem breit angelegten Energiemix basiert und aus etablierten leitungsgebundenen und nicht leitungsgebundenen Wärmeversorgungsstrukturen besteht. In diesem Energiemix sind sowohl die erneuerbaren Energien als auch die konventionellen Energieträger, wie z. B. Erdgas und Heizöl, vertreten.

Energiepolitisch kommt es nunmehr darauf an, die Effizienz bei der Verwendung des gesamten Energiemixangebotes technologieoffen und energieträgerneutral zu steigern und dementsprechend auch die Anreizinstrumente auszugestalten, um auf diesem Weg den Klima- und Ressourcenschutz wirksam erhöhen zu können.

Unter Berücksichtigung dieses Sachzusammenhanges stellt die Steigerung der Energieeffizienz beim Betrieb von Gebäuden eine der zentralen Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewendebeschlüsse dar.

Die notwendigen technologischen Lösungen zur energetischen Sanierung von Wohn- wie Nichtwohngebäuden sind bereits heute, ohne Komfort- oder Produktivitätseinbuße für den Gebäudenutzer, verfügbar. Es geht nun darum, diese durch entsprechende Anreiz- und Rahmensetzung auch flächendeckend einzusetzen und die erforderliche Sanierungswelle auszulösen, damit die energetische Sanierungsquote von derzeit unter einem auf mindestens zwei Prozent ansteigt.

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