Erfolgsgeschichte Europa

„Für die Vertiefung der EU sprechen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Gründe. Der Gedanke eines einigen Europas war niemals nur ein materielles Projekt. Es ist vor allem ein ideelles, ein Völker verbindendes Projekt.

Das immer stärker zusammenwachsende Europa hat uns spürbar wirtschaftliche Prosperität gebracht. Wichtiger noch sind der schon fast 70 Jahre dauernde Frieden und die Freiheit, die uns Europa gebracht hat. Diese Werte sind vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in der Ukraine wieder stärker in den Vordergrund gerückt – und das ist gut. Wir Europäer lösen Konflikte durch Verhandlungen und Konsens. In Europa darf nicht das Recht des Stärkeren gelten. Diese Maßgabe gilt auf unserem ganzen Kontinent – auch östlich der EU-Grenze.

Mitunter sind Verhandlungen und Konsens ein mühsames Geschäft – zumal unser institutioneller Rahmen noch lange nicht perfekt ist. Daran müssen wir Europäer arbeiten. Vorrangig ist es Aufgabe der Politik, aber die Wirtschaft begleitet diesen laufenden Prozess konstruktiv. Wir im BDI sind deshalb sehr aktiv in Dauerkontakt mit Partnerverbänden anderer EU-Staaten, zuletzt zum Beispiel mit unseren französischen Freunden von Medef, unseren italienischen von Confindustria und unseren britischen von CBI. Gerade in der stark vernetzten Industrie ist klar: Ein Rückzug in nationale Wagenburgen wäre das genaue Gegenteil von dem, was wir in Europa brauchen. Dieser Rückzug würde kein einziges Problem besser lösen. Die europäische Solidarität würde zerbrechen – ausgerechnet in einer Zeit, in der Europa handlungsfähig sein muss, um als „Global Player“ überhaupt noch ernst genommen zu werden.

Der Europäische Binnenmarkt, in dem wir mit unseren Unternehmen überwiegend arbeiten, schafft jedes Jahr rund 600 Milliarden Euro zusätzlichen Wohlstand in der EU. Der Handel, der Tag für Tag über nationale Grenzen hinweg, aber innerhalb der EU passiert, ist doppelt so groß, wie er ohne Binnenmarkt wäre. Insgesamt stieg der Wohlstand seit Start des Binnenmarkts von 22 Jahren um fast 900 Milliarden Euro – etwa 6000 Euro pro Familie. In dieser Zeit hat der Wettbewerb für höhere Qualität gesorgt und viele Preise gesenkt: Verbindungskosten von Mobiltelefonen wurden um rund 70 Prozent billiger, Flugtickets um ungefähr 40 Prozent.

Ich bin überzeugt: Europa ist auf gutem Weg, um die großen Herausforderungen der Finanz- und Staatsschuldenkrise zu meistern. Reformen für mehr Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit haben dazu entscheidend beigetragen.“

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Executive Letter des BDI-Präsidenten vom 20. April 2014.