Familienunternehmen – wer sie sind und was sie ausmacht

Im Familienunternehmen ist der Chef auch der Eigentümer. © Fotolia/industrieblick

Als Arbeitgeber und traditionsbewusste Innovatoren prägen Familienunternehmen die deutsche Wirtschaft und die deutsche Industrie.

Es sind Unternehmen in Hand von einzelnen oder mehreren Familien. Die Wissenschaft unterscheidet bei der Definition zwischen familienkontrollierten und familiengeführten Unternehmen. Beide Kategorien beschreiben Familienunternehmen. In familienkontrollierten Unternehmen halten bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 Prozent der Anteile eines Unternehmens. In familiengeführten Unternehmen gehören diese natürlichen Personen darüber hinaus der Geschäftsführung an. Diese nüchterne Betrachtung macht vor allem auf zwei Aspekte aufmerksam:

  1. Die Eigentümerstruktur ist von zentraler Bedeutung, und
  2. die Geschäftsführung ist häufig durch den Inhaber geprägt.

Diese Besonderheiten führen zu einer Reihe von Charakteristika, die sehr typisch sind.

Viele Familienunternehmen in der Industrie werden bereits in zweiter oder dritter Generation geführt. Das, was von Vätern, Großvätern und Ur-Großvätern über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte aufgebaut wurde, gilt es für die Gesellschafter zu halten und auszubauen. Daraus ergibt sich ein zentraler Unterschied zu Publikumsgesellschaften: Langfristige Stabilität steht für Familienunternehmer vor kurzfristiger Rendite. Eine weitere Besonderheit von Familienunternehmen ist die Einheit von Risiko und Haftung. Sie zwingt den Unternehmer stets mit Umsicht zu handeln. Familienunternehmer müssen für ihre Entscheidungen gerade stehen. Nachhaltigkeit steht daher für Familienunternehmer vor kurzer Gewinnmaximierung. Befinden sich Eigentum und Leitung in einer Hand, können Entscheidungen aber auch flexibel getroffen werden.

Bedeutung ausgewählter Aspekte der Unternehmensführung aus Sicht der größten Familienunternehmen


Der Familienunternehmer hat also stets die nächste Generation im Blick, nicht den Quartalsabschluss. Entscheidend ist, wie das Unternehmen am besten an den familieninternen Nachfolger übertragen werden kann, das bestimmt Handeln und Strategie.

Das Bestreben der Sicherung des Unternehmensbestands auf lange Sicht ist ein zentrales Kennzeichen von Familienunternehmen und macht sie erfolgreich. So erwirtschaften allein die rund 4.500 größten Familienunternehmen in Deutschland mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz ein Fünftel der Gesamtumsätze aller deutschen Unternehmen und beschäftigen ein Sechstel aller Beschäftigten.

Volkswirtschaftliche Bedeutung der größten Familienunternehmen 2012