Für nachhaltige Beschäftigung in offenen und dynamischen Arbeitsmärkten

© Gerhard Braun

Im Dezember 2016 hat Deutschland offiziell die Präsidentschaft der G20 übernommen, begleitet vom G20-Wirtschaftsdialog, der Business 20 (B20). Diese wird gemeinsam von BDA, BDI und DIHK präsidiert und unterstützt die G20 durch konkrete Handlungsempfehlungen, konsolidierte Interessenvertretung und Expertise. Zudem fördert die B20 den Dialog auf internationaler Ebene mit Politik und Zivilgesellschaft.

Die B20 wird über verschiedene Task Forces organisiert, darunter auch eine zum Thema „Beschäftigung und Bildung“, in der sich Wirtschaftsvertreter mit arbeits- und sozialpolitischen Fragen befassen. Die Task Force gibt proaktiv Empfehlungen an die G20, insbesondere zu den drei Themenschwerpunkten Beschäftigungsförderung durch offene, inklusive und dynamische Arbeitsmärkte, die Nutzung des Potentials technischen Fortschritts durch Bildung, und die Förderung von Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten durch die Schaffung von gleichen Ausgangsbedingungen für alle Firmen und die Förderung fairen Wettbewerbs.

Die Task Force sucht Lösungen für aktuelle internationale Herausforderungen wie zum Beispiel die hohe Jugendarbeitslosigkeit oder Hindernisse, die Frauen von einem Eintritt oder Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt abhalten. Offene und dynamische Arbeitsmärkte sind jedoch auch für weitere gefährdete Gruppen wie zum Beispiel Migranten vorteilhaft. Dabei geht es jedoch bei der Öffnung der Arbeitsmärkte nicht nur um geographische Grenzen: auch der Wechsel von informeller in formelle Beschäftigung soll erleichtert und angestrebt werden. Vor allem in wirtschaftlich weniger stark entwickelten Staaten ist informelle Anstellung ein großes gesellschaftliches Problem, jedoch für viele die einzige Möglichkeit, überhaupt ein Einkommen zu erwerben. Insbesondere Jugendliche sind von Schwierigkeiten, in der „formellen“ Arbeitswelt Fuß zu fassen, stark betroffen. In Ländern, in denen die duale Ausbildung stark im Bildungssystem verankert ist, ist die Jugendarbeitslosigkeit sehr viel geringer. Deshalb ist es wichtig, auch in anderen Staaten Formen der dualen Ausbildung einzuführen, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Eintritt in die Arbeitswelt zu erleichtern.

Neben der hohen Arbeitslosigkeit wird in Expertenkreisen auch die digitale Transformation heftig diskutiert. Man ist sich einig, dass diese die Arbeitswelt in Zukunft stark verändern wird. Jedoch kann man die enorme technische Innovation sowohl als Chance für wirtschaftliche Entwicklung, als auch als Bedrohung für wenig qualifizierte Arbeitsplätze interpretieren. Die Task Force setzt sich mit diesem Thema auseinander und sucht insbesondere im Bildungsbereich nach Lösungen, wie mit den kommenden Veränderungen umzugehen ist. Die duale Ausbildung, auf den jeweiligen nationalen Kontext angepasst, verspricht dabei am meisten Erfolg. Sie bietet die Möglichkeit, Menschen effizient mit den von Firmen benötigten Fähigkeiten auszustatten und dabei mit technischen Veränderungen mitzuhalten. Damit ein solches System optimal funktionieren kann, müssen Regierungen mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, um auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmte Ausbildungswege zu schaffen.

Der G20 Präsidentschaft Schwerpunkt zu Nachhaltigkeit in Lieferketten ist für die Task Force von zentraler Bedeutung. Dabei soll fairer Wettbewerb gefördert und gleiche Ausgangsbedingungen für global tätige Firmen geschaffen werden. Nicht nur die Firmen, die in globale Lieferketten eingebunden sind, sollen für sichere und gesunde Arbeitsplätze sorgen, sondern alle Unternehmen in Herstellungsländern. Dazu muss von den Regierungen ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, in dem Unternehmen die Menschenrechte respektieren müssen.

In all diesen Bereichen spielen die Zusammenarbeit mit Regierungen und auch der Sozialpartner eine große Rolle. Dies erreicht die B20 durch ihren Dialog sowohl mit den Regierungsvertretern in der G20, als auch mit den Gewerkschaftsvertretern in der Labour 20 (L20).

Gerhard Braun ist Vizepräsident der BDA und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Beschäftigung und Bildung“ der B20.