Gastbeitrag HTW: Gefährlicher deutscher Leistungsbilanzüberschuss

Sebastian Dullien © Sebastian Dullien

Prof. Dr. Sebastian Dullien ist Professor für International Economics an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations.

Deutschland hat 2015 einen Leistungsbilanzüberschuss von 248 Milliarden Euro verbucht – so viel wie sonst nur China. Dieser Überschuss ist eine klare Belastung für die Weltwirtschaft und deutet zugleich auf massive makroökonomische Ungleichgewichte im Inland hin. Deutschland hat 2015 einen Leistungsbilanzüberschuss von 248 Milliarden Euro verbucht – so viel wie sonst nur China. Dieser Überschuss ist eine klare Belastung für die Weltwirtschaft und deutet zugleich auf massive makroökonomische Ungleichgewichte im Inland hin.

Ein Überschuss in der Leistungsbilanz bedeutet, dass Deutschland mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als importiert. Damit erhöht sich die Vermögensposition gegenüber dem Ausland. Das funktioniert nur, wenn sich das Ausland (also ausländische Haushalte, Firmen oder Regierungen) bei uns in gleicher Höhe verschuldet beziehungsweise uns Vermögenstitel überschreibt. Eine gewisse Auslandsverschuldung, etwa für Investitionen, ist kein Problem. Tatsächlich aber ist bei vielen Partnern die Auslandsverschuldung bereits groß und wächst weiter. Es drohen Schuldenkrisen.

Verschuldungskrisen im Ausland haben am Ende auch negative Folgen für Deutschland: Teile des verliehenen Kapitals gehen verloren – wie 2008/9 die Investitionen deutscher Banken im US-Subprime-Hypothekenmarkt. Dieser Verlust an Kapital ist umso tragischer, als dass in Deutschland ein Investitionsstau besteht – und viele Investitionen, etwa in Infrastruktur, durchaus positive Renditen tragen würden. Das Kapital könnte besser im Inland verwendet werden.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Deutschlands Exporte sind nicht das Problem. Sie zeugen vielmehr von der wettbewerbsfähigen deutschen Produktpalette und dem Erfolg moderner internationaler Arbeitsteilung. Eine Volkswirtschaft, die auf Dauer viel exportiert, muss aber auch entsprechend importieren – aus Eigeninteresse und für die globale Stabilität.