Mittelstand auf dem Weltmarkt: Bei der Internationalisierung setzen KMU auf TTIP und Zollerleichterungen

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Trotz der globalen Ausrichtung des deutschen Mittelstands fällt kleineren Unternehmen der Gang ins Ausland oft schwer. Viele Mittelständler setzen daher auf TTIP. Zoll- und Exportverfahren müssen unbürokratischer gestaltet werden.

Kennzeichen der Marke „deutsche Industrie“ ist ihre Internationalität. Im industriellen Mittelstand sieht das Bild gemischter aus. Die Mehrheit der großen industriellen Mittelständler ist bereits erfolgreich auf dem Weltmarkt unterwegs, doch kleine Unternehmen sind beim Gang ins Ausland zögerlich.

Was den deutschen  Mittelstand kennzeichnet ist seine enge Einbindung in Wertschöpfungsverbünde. Gemeinsam bringen kleine und große Unternehmen der Industrie Innovationen und Leistungen hervor. Ist der Kunde eines Mittelständlers global unterwegs, dann muss sich mittel- bis langfristig auch der Zulieferer international aufstellen.

Große Familienunternehmen erfolgreich international unterwegs

Eine Studie des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn im Auftrag des BDI und der Deutschen Bank zeigt: Deutschlands größte Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz, sind bereits erfolgreich auf dem Weltmarkt unterwegs. So liegt die durchschnittliche Exportquote der größten Familienunternehmen aus der Industrie 2014 bei rund 45%. Fast jedes vierte industrielle Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz beschäftigt 50 Prozent und mehr seiner Mitarbeiter im Ausland.

Der wichtigste Absatzmarkt der großen Familienunternehmen ist im Moment Frankreich. In drei Jahren werden die USA den Erwartungen nach der wichtigste Absatzmarkt sein. Nicht allein deshalb hoffen die Familienunternehmer auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen des Freihandelsabkommen TTIP. Bereits heute sind 45 Prozent der befragten Familienunternehmen auf dem US-amerikanischen Markt tätig. Von ihnen erwarten rund 74 Prozent Vereinfachungen bei der Zollabfertigung und Zolladministration durch TTIP.

Die in der Studie befragten Familienunternehmen stellen einen entscheidenden Anteil des industriellen Mittelstands. Sechs von zehn untersuchten Familienunternehmen sind in der Industrie tätig und im Durchschnitt beschäftigen sie 1.658 Mitarbeiter. Von der Struktur und ihrer Führungsstrategie unterscheiden sie sich von großen börsennotierten Unternehmen. Sie sind aber keine kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) laut der europäischen Definition (weniger als 250 Mitarbeiter und Jahresumsatz bis zu 50 Millionen Euro), da sie alle mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften.

Gang ins Ausland für KMU erleichtern

KMU im europäischen Sinne sind längst noch nicht so global aufgestellt wie die größten Familienunternehmen. Laut einer aktuellen Untersuchung des Statistischen Bundesamts ist der Internationalisierungsgrad von KMU noch gering. So weisen 2013 77 Prozent aller KMU gar keinen Außenhandel auf. Lediglich 17 Prozent des gesamten deutschen Exportvolumens entfallen 2013 auf KMU. Hier besteht nach wie vor Handlungsbedarf. Zoll- und Exportverfahren sind möglichst unbürokratisch zu gestalten. Die staatliche Exportkreditversicherung muss weiterentwickelt werden, damit kleine und mittlere Unternehmen auch in Zeiten zunehmender globaler Risiken den Gang ins Ausland wagen. Auch wenn die größeren Mittelständler bereits erfolgreich international unterwegs sind, bleibt also noch einiges zu tun.