Ohne Schwung – Die Weltwirtschaft driftet seitwärts

Die Weltwirtschaft driftet seitwärts. Rund drei Prozent reales Wachstum sind in diesem Jahr wahrscheinlich. Das entspricht lediglich dem Vorjahrestempo. Lateinamerika und die GUS-Staaten durchlaufen regionale Rezessionen, und Afrika südlich der Sahara weist eine schwache Entwicklung auf.

Die Industrieproduktion, der Welthandel und die weltweiten ausländischen Direktinvestitionen dürften sich dieses Jahr nur sehr leicht erhöhen. Die Industrieproduktion wird sich wohl in diesem Jahr kaum vom schwachen Pfad (2015: 1,9 Prozent) erholen und schwacher wachsen als die Wirtschaftsleistung. Eventuell kann der Welthandel mengenmäßig wenigstens um drei Prozent wachsen. Ausländische Direktinvestitionen waren 2015 übernahmegetrieben. Für einen echten Trendwechsel hin zu realen Investitionen in neue Kapazitäten spricht wenig.

Die Finanzrisiken in der Weltwirtschaft sind in den letzten beiden Jahren erheblich angestiegen. Vor allem überschuldete Unternehmen in Schwellenländern bedrohen die weltweite Finanzstabilität. Die dramatische Ausweitung und anhaltende Stimulierung der Kreditvergabe in China in den letzten Jahren birgt erhebliche mittelfristige Finanzrisiken und gefährdet die Erfolgsaussichten des Strukturwandels der chinesischen Volkswirtschaft.

In der Wirtschaftspolitik sind stärkere Akzente bei Strukturreformen, Impulse in der Finanzpolitik und geldpolitisches Kurshalten gefragt. China, Japan und die Eurostaaten müssen bei Strukturreformen nachlegen, die USA sind wohl 2016 politisch blockiert. Impulse aus der Liberalisierung von Handel und Investitionen sind in Asien und transatlantisch ebenfalls vordringlich.