Ulrich Grillo – Plädoyer für eine Wirtschaft mit Haltung (2013 – 2016)

Ulrich Grillo © Christian Kruppa

Ulrich Grillo © Christian Kruppa

Ulrich Grillo machte sich in seiner vierjährigen Präsidentschaft für eine aktive Rolle der Wirtschaft in gesellschaftspolitischen Debatten stark. Akzeptanz und Vertrauen bei den Menschen seien ganz entscheidend für den Erfolg unternehmerischen Handelns. Er sah die ideenreiche und kreative Industrie als Teil der offenen Gesellschaft.

Die Jahre der Präsidentschaft Ulrich Grillos waren geprägt von tiefgreifenden politischen Ereignissen. Infolge der Finanzkrise hatte auch die deutsche Wirtschaft an Vertrauen eingebüßt. Zugleich musste sich die deutsche Industrie mit den Folgen der Griechenlandkrise und dem dadurch vertieften Diskurs um die Zukunft Europas auseinandersetzen. Auch globale Entwicklungen, wie die Annexion der Krim durch Russland oder die sich verstärkende Migration nach Europa, erforderten Antworten.

Angesichts dieser Herausforderungen setzte sich Ulrich Grillo nachdrücklich für eine aktive Rolle der Wirtschaft in gesellschaftspolitischen Debatten ein. Grillo war es auch wichtig, welches Bild die Bevölkerung von Unternehmen hat – als Arbeitgeber, als Geschäftspartner oder auch als größter Steuerzahler der Heimatregion. Hiervon sei abhängig, ob der Beitrag anerkannt werde, den die Wirtschaft zum Allgemeinwohl leiste.

Bereits bei seiner ersten Rede als BDI-Präsident auf einem Tag der Deutschen Industrie im Jahr 2013 rief Ulrich Grillo die Unternehmen auf: „Wir müssen den Menschen wieder deutlicher machen, dass die Industrie das tragende Fundament unserer Gesellschaft ist und dass wir uns dieser Verantwortung stellen.“ (Zitat aus der Rede zum Tag der Deutschen Industrie, 11. Juni 2013)

Akzeptanz und Vertrauen der gesamten Gesellschaft seien es, die ganz entscheidend auch für den Erfolg unternehmerischen Handelns sind. Schließlich sei davon zugleich die notwendige Offenheit gegenüber neuen Technologien und innovativen Ideen – den Grundlagen der digitalen Transformation – abhängig. Hier stehe Deutschland in einem fordernden internationalen Wettbewerb.

Im Lichte dieses Anspruchs an ein verantwortliches unternehmerisches Handeln definierte Ulrich Grillo den Leitgedanken seiner Präsidentschaft – die „Wirtschaft mit Haltung“. In diesem Sinne appellierte er an alle gesellschaftlichen Kräfte, sich auch gegen wachsende Widerstände für den Fortbestand unserer offenen Gesellschaft einzusetzen. Spätestens mit dem aufkommenden Rückzug ins Nationale innerhalb Europas und zunehmender protektionistischer Tendenzen im globalen Handel wies Grillo deutlich darauf hin, dass unsere offene Gesellschaft auf den offenen Austausch von Waren und Dienstleistungen dringend angewiesen ist – weshalb auch der Freihandel für uns so wichtig sei.

„Wir dürfen keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass wir für die westlichen Werte von Freiheit, Humanismus und Rechtsstaatlichkeit einstehen, wann immer diese Werte bedroht werden – sei es von religiösen Fanatikern oder von populistischen Abenteurern. Wir – die deutsche Industrie – wollen eine offene Gesellschaft: innovativ, ideenreich, inspirierend und integrierend. Eine solche Wirtschaft, eine solche Industrie, hat Deutschland.“ (Zitat aus der Rede zum Tag der Deutschen Industrie, 6. Oktober 2016)