Warum sind G20 und B20 so wichtig für kleine und mittlere Unternehmen?

Volker Treier © DIHK

Über 99 Prozent der deutschen Unternehmen gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Sie kämpfen besonders mit zunehmenden internationalen Handelsbarrieren, verfügen aber über geringe Kapazitäten, diese zu überwinden. Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag sieht in der B20-Präsidentschaft eine herausragende Chance, auf weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen für KMU hinzuwirken.

Warum ist die G20, die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, und deren Wirtschaftsdialog B20 wichtig für KMU? Die große Mehrheit der Unternehmen rund um den Globus sind kleine und mittlere Betriebe – der Kiosk an der Ecke, die Beratungsfirma oder der Spezialmaschinenbauer. Viele davon sind international aktiv und in Lieferketten eingebunden. Sie kaufen oder verkaufen über Grenzen hinweg. Und selbst, wenn das Geschäft regional ausgerichtet ist, hat die Internationalisierung Einfluss auf die Unternehmen – etwa durch Konkurrenz, durch Importe oder im Online-Handel. Gleichzeitig stehen KMU – insbesondere in Deutschland – für den „Ehrbaren Kaufmann“. Die Betriebe engagieren sich in der Region, frei nach dem Motto: „all business is local”.

B20 ist eine Chance, die über den Alltag eines Verbandes hinausgeht

B20 ist der offizielle Wirtschaftsdialog der G20 und repräsentiert die Wirtschaft der G20 Länder. Diese Aufgabe geht wesentlich über die übliche den Alltag eines Wirtschaftsverbandes eines einzelnen Landes hinaus. B20 ist eine Gemeinschaftsaufgabe der verfassten Wirtschaft des Ausrichterlandes. Es ist in jedem Fall eine herausragende Chance, welche sich nur alle 20 Jahre bietet: Die G20 muss davon überzeugt werden, gleiche Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen, insbesondere KMU, zu schaffen und ihre Belange auf die globale Ebene zu heben.

Bedeutung und Probleme kleiner Unternehmen ernst nehmen 

Hierzu zählen die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen. Mit zunehmenden internationalen Handelsbarrieren (NTBs) haben vor allem auch die mittelständischen Betriebe zu kämpfen. Diese Unternehmensgruppe verfügt in der Regel über limitierte Kapazitäten, um Handelsbarrieren zu überwinden. Laut Welthandelsorganisation entstehen allein in den G20 Ländern jeden Monat etwa 20 neue Handelshemmnisse. Der Erfahrung der IHKs zufolge stellen etwa neue lokale Zertifizierungsanforderungen eine der größten Hürden im internationalen Geschäft dar. Wir haben die große Chance, die G20-Staaten auf die Auswirkungen dieser NTBs besonders für KMU hinzuweisen – und „better regulation“ einzufordern.

Gleichzeitig kann B20 die große Bedeutung der mittelständischen Wirtschaft für die Entwicklung der Wirtschaft in den jeweiligen Ländern herausstellen. Letztlich sind für die Betriebe das regulatorische Umfeld, die Standortbedingungen von herausragender Relevanz. Auf der anderen Seite sind diese Unternehmen für Wertschöpfung, Innovationskraft und Schaffung von Arbeitsplätzen für die jeweiligen Volkswirtschaften von enormer Bedeutung. Und man darf nicht vergessen: „große Multinationals haben auch mal klein angefangen“.

Forderungen der Wirtschaft bei G20 anbringen

Nun sind in der Gruppe der G20 die 20 bedeutendsten Industrie- und Schwellenländer zusammengeschlossen, um gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Die in der G20 direkt oder indirekt vertretenen Staaten erwirtschaften zwei Drittel der Weltbevölkerung, rund 90 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und bestreiten 80 Prozent des Welthandels. Wenn wir es schaffen, dort gezielt die Verbesserung der Rahmenbedingungen für KMU zu adressieren, verschaffen wir den Unternehmen größtmögliches Gehör auf internationaler Ebene.

Im Wesentlichen sollten drei Themen unter der deutschen Präsidentschaft im Rahmen von B20 adressiert werden. Priorität hat der Abbau von Handelshemmnissen. Harmonisierung und Vereinfachung von Regulierungen wären ein denkbarer Ansatz. Zum anderen bietet die Digitalisierung enormes Potential auch für KMU, beispielsweise für die betriebliche Prozessoptimierung oder den erleichterten grenzüberschreitenden Handel. Der Zugang zu digitalen Plattformen und Netzwerken muss dazu merklich befördert und beschleunigt werden. Letztlich muss der noch immer schwierige Zugang zu Finanzierungsangeboten, insbesondere in aufstrebenden Märkten, maßgeblich erleichtert werden. Wir sind zuversichtlich, dass die B20 hier passende Vorschläge liefern wird.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK) ist die Dachorganisation der 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland und koordiniert das weltweite Netzwerk der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs), Delegationen und Repräsentanzen in über 90 Ländern. Als stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Außenwirtschaftschef des DIHK trägt Volker Treier Verantwortung für die Bereiche Außenwirtschaftspolitik und -recht, Internationale Märkte, AHK-Netz und Europapolitik.