„Wir sollten dem ‚President-elect‘ ein Angebot der Zusammenarbeit machen“

Videointerview mit Daniel Andrich © BDI

Videointerview mit Daniel Andrich © BDI

Gegen Freihandel und für Protektionismus? Die Wahlkampfaussagen des designierten US-Präsidenten Donald Trump verunsichern die deutsche Wirtschaft. „Wir sollten dem ‚President-elect‘ ein Angebot der Zusammenarbeit machen auf Basis des sehr gut funktionierenden transatlantischen Verhältnisses“, sagt Daniel Andrich, Delegierter der Deutschen Wirtschaft (RGIT) in Washington, DC. Andrich leitet das Verbindungsbüro des BDI und des DIHK, das die deutsch-amerikanischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen vertiefen will.

Die Menschen in den USA seien vom Ausgang der Präsidentenwahl weniger „geschockt“ als in Deutschland, berichtet Andrich. Der Wille der Bevölkerung müsse akzeptiert und respektiert werden. „Jetzt werden wir sehen, was Donald Trump tatsächlich umsetzen will und möchte, und was er dann tatsächlich umsetzen kann.“

Am Puls einer bedeutsamen Wirtschaftsnation

Wichtig ist, dass die Geschäfte zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Wirtschaft aufrechterhalten und weiter vertieft werden. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ist die USA der wichtigste Exportmarkt für die deutsche Industrie“, erklärt Andrich. Im Jahr 2015 wurden Waren im Gesamtwert von 125 Milliarden US-Dollar in den US-Markt exportiert. Zudem sind rund 4.700 deutsche Unternehmen in den USA angesiedelt, die für 670.000 Arbeitsplätze in den USA verantwortlich sind. „Die transatlantischen Beziehungen sind sehr eng, sehr weit integriert und wir wollen diese weiter vorantreiben.“

Deswegen wurde das Verbindungsbüro des BDI und des DIHK vor 28 Jahren in Washington, DC, gegründet. Gegenwärtig sorgen sieben Mitarbeiter dafür, dass die Anliegen der deutschen Unternehmen in die US-amerikanische Politik transportiert und Netzwerke zu US-amerikanischen Unternehmen und Organisationen gepflegt werden. „Wir beschäftigen uns im Wesentlichen mit drei Dingen: Erstens – wir repräsentieren die deutsche Wirtschaft, zweitens – wir kommunizieren die politischen Interessen der deutschen Wirtschaft und drittens – wir monitoren und reporten über Entwicklungen im Land, die die Interessen der deutschen Wirtschaft betreffen könnten, an unsere Headquarters in Berlin.“

Herausforderungen durch die neue US-Administration

Neben handels-, finanz-, rechts- oder energiepolitischen Fragen beschäftigt das Team um Andrich zunehmend das Thema Digitalisierung, insbesondere mit Blick auf die andere Seite des Landes, auf das Silicon Valley oder die Bay Area. In den nächsten Monaten wird es jedoch vor allem darum gehen, die neue US-Regierung zu beobachten und Kontakte aufzubauen. „Jetzt ist wichtig, dass die neue Administration ein positives Signal global sendet, dass die Märkte offen bleiben“, so Andrich. „Daran werden wir als RGIT in Washington arbeiten.“