Zehn Eckpunkte für stabile transatlantische Wirtschaftsbeziehungen

Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stehen für Arbeitsplätze, Wachstum und Investitionen auf beiden Seiten des Atlantiks und bilden ein festes Fundament für die Weltwirtschaft. Für deutsche Unternehmen sind die USA der wichtigste Exportmarkt. Allerdings führen EU-kritische Äußerungen von Präsident Trump zu Verunsicherung.

Mögliche Chancen für die Wirtschaft

Die konkreten Auswirkungen des Regierungswechsels in den USA auf die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen sind derzeit noch unklar. Von einem wirtschaftlichen Aufschwung, getrieben durch Investitionen in die Infrastruktur, Steuersenkungen und Bürokratieabbau könnten auch deutsche Unternehmen in den USA profitieren. Schon wenige Tage nach dem Amtsantritt überschritt der Dow-Jones-Index erstmalig die Marke von 20.000 Punkten. Wenn sich die Aufwärtsbewegung des US-Dollars fortsetzt, begünstigt dies Exporte aus dem Euro-Raum und damit auch aus Deutschland in die USA. Investitionen und Exporte deutscher Unternehmen in die USA könnten durch die Politik Trumps somit sogar gestärkt werden.

Protektionismus und Merkantilismus gefährden Konjunktur

Zugleich besteht ein hohes Risiko, falls sich protektionistische Tendenzen durchsetzen sollten. Gerade für deutsche Unternehmen, die die USA vor allem als Exportmarkt nutzen und keine eigene Wertschöpfung im Land haben, sind Donald Trumps Pläne mit großen Risiken verbunden. Auch handelspolitische Maßnahmen der USA, die sich gegen Mexiko oder China richten, würden deutschen Unternehmen schaden. Denn sie sind in besonderer Weise in die globalen Wertschöpfungsketten eingebunden. So gehen beispielsweise rund 65 Prozent der Exporte deutscher Firmen in Mexiko in die USA. Über die Hälfte des Handels zwischen den USA und Mexiko ist so genannter „Intra-Industry-Trade“, also Handel zwischen Unternehmen innerhalb einer Industrie. Zölle auf Zwischenprodukte belasten die Unternehmen und verteuern letztlich auch die Endprodukte.
Zusätzliche Unsicherheit ergibt sich auch aus möglichen Veränderungen in der US-amerikanischen Europapolitik: Präsident Trump unterstützt den Brexit und glaubt, dass weitere Mitgliedstaaten die EU verlassen werden. Die angestrebte Bilateralisierung der US-Außen- und Handelspolitik zielt nicht auf eine enge Zusammenarbeit der USA mit der EU, sondern eher auf Bündnisse auf Ebene der Mitgliedstaaten. Das Bekenntnis der USA zur NATO muss sich ebenfalls neu erweisen, auch wenn nach Vize-Präsident Pence und Verteidigungsminister Mattis mittlerweile auch Präsident Trump die NATO unterstützt hat. Für die EU stellt die neue US-Administration somit eine Herausforderung dar. Sie muss künftig vermutlich mehr Verantwortung in der Gestaltung der globalen Ordnung übernehmen.

Um Orientierung für stabile transatlantische Wirtschaftsbeziehungen zu geben, hat der BDI zehn Eckpunkte definiert: Demnach hat das Engagement der USA in internationalen Institutionen und Foren wie der Welthandelsorganisation (WTO), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der G7 und G20 eine große Bedeutung für eine verlässliche globale Regelsetzung. Darüber hinaus sollte der Marktzugang deutscher Unternehmen in den USA voll erhalten bleiben. Auch die Mobilität von Arbeitnehmern ist für international vernetzte Unternehmen von hoher Bedeutung. Zudem sollten die Verhandlungen über eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) auf der Agenda gehalten werden, auch wenn die Zukunft des Abkommens derzeit ungewiss ist. Der BDI wird sich weiterhin für dieses Projekt einsetzen.

USA und EU: Wichtige Akteure der Weltwirtschaft

Gemeinsamer Anteil von USA und EU an den weltweiten Größen in Prozent

Quelle: UNCTAD (eingesehen am 11.11.2016); *BIP in US-Dollar zu laufenden Preisen und laufenden Wechselkursen **ohne Intra-EU-Handel