Auch das ist Deutschland: Hohe Umweltqualität und Wohlstand gehören inzwischen untrennbar zusammen.

Nachhaltig Eindruck machen: Wie innovative Technik die Umwelt schützt

Viel ist erreicht. Doch die Anforderungen an den Umwelt- und Klimaschutz bleiben hoch: Ein Essay über die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns, dessen Potenziale und Begrenzungen.

Kaum ein Unternehmen kommt ohne Nachhaltigkeitsbericht und eigene Umweltziele aus. Denn kaum etwas versetzt Verbraucher, Politiker, Medien und Industrie gleichermaßen so sehr in Aufregung wie vorhandene oder vermeintliche Defizite bei Umwelt- und Klimaschutz.

Vorschriften und Gesetze zum Thema Umweltschutz füllen inzwischen meterlange Regalwände. Und dies nicht erst, seit die internationale Staatengemeinschaft auf der ersten UN-Umweltkonferenz 1972 in Stockholm ihren Willen zur „grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Umwelt- und Naturschutzfragen“ bekundete. Der BDI hat stets gezeigt, dass er die Herausforderungen im Bereich Umweltpolitik annimmt und deren Lösung proaktiv angeht.

Dicke Luft, Gefahrstoffe und Abfall im Blick

Die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (kurz: TA Luft) ist 1964 die erste allgemeine Verwaltungsvorschrift, die bundeseinheitliche, verbindliche Anforderungen für Anlagen zum Schutz von Mensch und Umwelt vor schädlichen Umwelteinwirkungen festlegt. Aktuell steht die Novellierung der TA Luft von 2002 an. Der BDI fordert hier eine in den Einzelbestimmungen nachvollziehbar begründete und risikoorientierte Novellierung.

Ein weiterer Aufgabenbereich: Der tägliche Müll – ob aus dem Haushalt oder Industrie- und Produktionsabfälle – ist heute nicht mehr unvermeidlicher Nebeneffekt, sondern Wertstoff. Inzwischen gibt es kaum eine Stoffgruppe, deren Entsorgung nicht durch eine Verordnung geregelt ist – egal, ob Altöl, Altholz, Batterien oder Chemikalien. Der BDI steht dafür, dass marktwirtschaftliche Prinzipien (Wettbewerb) und Kosteneffizienz auf allen Ebenen der Entsorgungskette gelten. Eine (Re-)Kommunalisierung der Sekundärrohstoffwirtschaft trägt der BDI nicht mit.

Eine grundlegende EU-Verordnung ist REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals), das die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien regelt. REACH vereinfacht und harmonisiert seit 2007 das bisherige Chemikalienrecht und wirkt als EU-Verordnung unmittelbar europaweit. Der BDI fordert, die Reglementierung chemischer Stoffe anhand von Risikobetrachtungen zielorientiert umzusetzen. Eine Revision der REACH-Verordnung ist dafür nicht erforderlich und wäre auch nicht zielführend.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbs- oder Störfaktor?

Umweltschutz ist für die Industrie nicht nur die Notwendigkeit, sich an geltende Vorschriften zu halten – oder vielfach sogar besser zu sein, als das Gesetz verlangt –, sondern pragmatischer Sachzwang. Hohe Umweltqualität und Wohlstand gehören inzwischen untrennbar zusammen. Richtig ist aber auch: Umweltschutz müssen wir uns leisten können. Ökologie, Ökonomie und soziale Gesichtspunkte müssen daher in ein kohärentes Gesamtkonzept gegossen werden.

Hinzu kommt: Es verschieben sich die Ausgangsbedingungen. Arbeitswelten verändern sich, die Definition von Wohlstand verändert sich. War es früher vor allem das eigene Auto, das den erreichten Status dokumentierte, ziehen junge Berufsanfänger – zumindest in der Großstadt – heute durchaus den Car-Sharing-Dienstwagen aus der Elektrowagenflotte vor. Und: Work-Life-Balance, Fitness, Gesundheit und Reisen in die schönen Ecken der Welt stehen manchmal höher im Kurs als hochwertige materielle Güter. Statt des Bruttosozialprodukts betrachten Volkswirtschaftler daher auch etwa den Engel-Koeffizienten (Ausgaben für Lebensmittel/Einkommen) oder den Human Development Index (HDI), der auch Bildungsstandard und Lebenserwartung mit einschließt. In allen Disziplinen liegt der Industriestandort Deutschland im Weltvergleich weit vorne.

Saubere Umwelt: das höchste Gut

Als wesentliche Elemente des Lebensstandards zählen heute saubere Luft zum Atmen, trinkbares Wasser aus der Leitung, ausreichend Platz zum Leben und demokratische Verhältnisse mit Regeln und Arbeit für alle. Wenn wir heute nach Bildern von verseuchten Gewässern, Smog und verödeten Landschaften „googeln“, landen wir meist sonstwo in der Welt. Hierzulande gehören industriell verursachte Umweltprobleme der Vergangenheit an – nicht nur zum Glück, sondern auch, weil wir uns mit wachsendem Wohlstand Umweltschutz leisten konnten.

Greening auf dem Vormarsch

Auch der Industriestandort Deutschland ist längst im Wandel hin zur „Green Economy”. So steigt die Energieeffizienz industrieller Prozesse permanent weiter, immer verbunden mit dem effektivsten Einsatz von Rohstoffen und unserem Naturkapital: Boden, Wasser und Luft.

Um dies weiter zu fördern, zeichnen BDI und BMUB mit dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) herausragende Produkte und Prozesse aus, die die überragende Lösungskompetenz und Innovationskraft der deutschen Industrie unter Beweis stellen.

Industrielle Innovation

Die zentrale Erkenntnis lautet: Es braucht industrielle Innovation für eine nachhaltige Welt. Denn mit guten politischen Rahmenbedingungen und innovativer Technik aus Deutschland können die Erfolgsgeschichten des Umweltschutzes aus den vergangenen Jahrzehnten auch weltweit die Zukunft im besten Sinne der Nachhaltigkeit mitgestalten.

Ansprechpartner

  • Dr. Thomas  Holtmann

    Dr. Thomas Holtmann

    Abteilungsleiter Umwelt, Technik und Nachhaltigkeit
    BDI e.V.

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    T.Holtmann@bdi.eu


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