Hier schlägt das Herz des Online-Shoppings

Der digitale Handel pulsiert in Haldensleben: Bei Hermes Fulfilment lagern Millionen von Waren, die Kunden im Internet bestellen. Mit einer einzigartigen Logistik werden hier täglich zigtausend Kaufaufträge bearbeitet und die Produkte auf den Weg gebracht.

 

Endlos scheinende Hochregalreihen, die einen staunen lassen. In den jeweils 30 Meter hohen und 80 Meter langen Gestellen stapeln sich an die 1,2 Millionen normierte Lieferantenkartons. Würden alle Pakete aneinandergereiht, ergäben sie eine Strecke von 600 Kilometern, etwa die Entfernung von Berlin nach München. Wir sind in Haldensleben, 30 Kilometer nordwestlich von Magdeburg in Sachsen-Anhalt. In einem der größten E-Commerce-Warenhäusern Europas. Sozusagen im Herzen des Online-Shoppings.

Der Handel übers Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Schätzungen zufolge soll der weltweite Umsatz im grenzüberschreitenden E-Commerce zwischen Unternehmen und Konsumenten im Jahr 2020 eine Billion US-Dollar betragen. Bereits heute werden etwa zwölf Prozent des globalen Warenhandels online abgewickelt. Kaum verwunderlich, denn Internet-Shopping erleichtert für die Kunden den Alltag – komfortables Bestellen von Produkten und Dienstleistungen ohne unnötigen Zeitverlust. Doch kaum jemand weiß, welche logistischen Superlative im Hintergrund notwendig sind, damit eine Bestellung den Verbraucher erreicht.

Eines der größten E-Commerce-Warehouses Europas

Die Hermes Fulfilment GmbH übernimmt als international agierender E-Commerce-Dienstleister im Auftrag von Online-Händlern den kompletten Service von Lagerung, Versand und Retourenbearbeitung. Jedes Jahr werden im gesamten Unternehmen rund 300 Millionen Teile bewegt. Ganz gleich, ob T-Shirts, Sportschuhe, Tablets oder Akkubohrer: Von Haldensleben aus gehen täglich Hunderttausende Artikel in alle Himmelsrichtungen, nachdem sie aus dem gigantischen Hochregallager zusammengetragen, gebündelt, sortiert und verpackt worden sind. Eine logistische Meisterleistung.

Die Otto Group nahm dieses Versandzentrum 1994 in Betrieb, um eine schnelle Auslieferung aus der Mitte Deutschlands zu gewährleisten. Seitdem wurden in Haldensleben mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert und die Anlage mit einer Nutzfläche von 26 Fußballfeldern zu einem der größten Versandzentren in Europa ausgebaut. Bis zu 40.000 Kartons gehen täglich im Wareneingang ein.

Digitale Helfer im Hochregallager

Im Hochregallager stehen die Kartons zwar in Reih und Glied, trotzdem ist die Lagerhaltung im besten Sinne chaotisch. Denn die Waren werden, elektronisch gesteuert, keinem festen Lagerplatz zugewiesen, sondern jeweils dort abgelegt, wo gerade Platz ist. Tablets liegen neben Blusen, Uhren neben Smartphones. Nur das digitale Lagerverwaltungssystem weiß, wo sich welche Ware befindet. Auf diese Weise wird der zur Verfügung stehende Platz optimal ausgenutzt. Knallgelbe Roboter, die tonnenschweren Regalbediengeräte, sausen mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde zwischen den Gassen, um die Kartons ein- und auszulagern.

Vom Hochregallager gelangen die Kartons über Förderbänder in die statische Kommissionierung. Hier schneiden sogenannte „Räumer“ mit einem Schlitzmesser ein Fenster in die vorperforierten Kartons und stellen sie in die Kommissionier-Regale, so dass die Artikel bequem per Hand zu entnehmen sind. Einkäufer tragen gemäß der Kundenaufträge die Waren zusammen, versehen sie zur Identifizierung mit einem Pick-Etikett und legen sie in Kunststoffwannen, die über das Förderband zur nächsten Station, dem Wannenpuffer, gehen.

30 Kilometer lange Förderbänder

Der Wannenpuffer ist das zentrale Verbindungsstück zwischen Kommissionierung und Versand, in dem die Wannen grob nach Versandrichtung und Verladezeitpunkt sortiert werden. Mit Hilfe von eigens für das Versandzentrum Haldensleben entwickelten automatischen sogenannten „Sortern“ werden die Artikel zu einzelnen Kundensendungen zusammengefasst und verpackt. Anhand der Rechnung überprüfen Mitarbeiter, ob die Sendung vollständig ist, und legen zudem Informationen des jeweiligen Händlers dazu. Ab geht’s in Richtung Warenausgang.

Wenn eine Sendung barcodegesteuert an einem der 96 Warenausgangstore in den bereitstehenden Lkw verladen wird, haben die Waren rund 30 Kilometer auf den Förderbändern, die sich wie Achterbahnen durch die Hallen schlängeln, zurückgelegt. Jetzt beginnt der letzte Teil ihrer Reise.

Slideshow: Das größte E-Commerce Warehouse Deutschlands

Ein Superlativ: das E-Commerce Warehouse von Hermes Fulfilment  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das E-Commerce Warehouse von Hermes Fulfilment  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das E-Commerce Warehouse von Hermes Fulfilment  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das E-Commerce Warehouse von Hermes Fulfilment  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das E-Commerce Warehouse von Hermes Fulfilment  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Die Logistik-Logik: Wie das Buch zum Leser kommt

Heute bis zum späten Nachmittag bestellt, liegt das Buch abholbereit in der Buchhandlung der Wahl – oder im eigenen Briefkasten. Wie das möglich ist? Die Geschichte einer Reise.