Wo die Musik der Zukunft spielt

Was das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen entwickelt, ist in aller Ohren: In der Geburtsstätte des mp3-Formats befindet sich das Studio „Mozart“, Deutschlands größtes Schalllabor seiner Art. Hier werden innovative Audioverfahren erprobt.

 

Es wirkt ein bisschen wie in einem Science-Fiction-Film: Die Wände sind schallisoliert, von der Decke hängen mächtige, kreisrunde Metallgestänge, an denen Dutzende von Lautsprechern montiert sind. Der Boden des 79 Quadratmeter großen Studios ist mit allerlei Markierungen gepflastert, die festlegen, wo während eines Hörtests die Probanden Platz nehmen. Ringsum stehen weitere Lautsprecherboxen und elektronisches Equipment Spalier.

Das Schalllabor „Mozart“ ist der technische Herzmuskel im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS). Im Institut werden Audioverfahren entwickelt, die für Millionen von Musikfreunden in aller Welt längst unentbehrlich geworden sind. Vor dreißig Jahren wurde hier das mp3-Format maßgeblich mit vorbereitet – ein digitales Verfahren, das Tausende von Musiktiteln auf Hosentaschenformat komprimiert. Mit ihm hören wir unsere Lieblingssongs auf Smartphones, digitalen Musikabspielgeräten oder auf dem Laptop.

Innovationen „made in Germany“

Das mp3-Format ist nur ein Beispiel des deutschen Erfindergeists in der Vergangenheit. Auch heute wird in Deutschland vielfältig geforscht und entwickelt. Die Innovationsstärke deutscher Forschungsinstitute und Unternehmen tragen zu Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit des Landes bei.

Das Fraunhofer IIS zeigt, warum die deutsche Innovationsbasis weiter verbreitert werden sollte, um in Schlüsseltechnologien und auf Leitmärkten die Spitzenpositionen zu behaupten. Im Zusammenspiel aller Akteure in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik können aus Ideen weltmarktfähige Innovationen werden.

Pionierarbeit bei Entwicklung und Vermarktung

Die Beteiligung an der Entwicklung von mp3 und der AAC-Audiocodier-Familie hat das Fraunhofer IIS international bekannt gemacht. Am Beispiel mp3 wird deutlich, dass das Institut die innovativen Technologien nicht nur entwickelt, sondern auch Pionierarbeit bei der Vermarktung leistet.

Die Vision der Instituts-Tüftler lautete: Musikliebhaber sollten ihre gesamte Sammlung auf mobilen Abspielgeräten speichern können. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre wurde das Fraunhofer-Team für solche Ideen noch belächelt. Dennoch schafften es die Forscher, mp3 zu einem Welterfolg zu machen und der Musikindustrie neue Geschäftsfelder zu eröffnen.

Heute werden die Technologien des Fraunhofer IIS in mehr als zehn Milliarden Geräten genutzt. So verwenden Smartphones, Tablets und PCs sowie Online-Streaming-Anwendungen die Audiotechnologien aus Erlangen ebenso wie TV-Systeme und Digitalradiosysteme auf der ganzen Welt. Aber auch in der Telekommunikation, von der Mobiltelefonie bis zu Voice-over-IP, kommen speziell entwickelte Audiocodier-Verfahren des IIS zum Einsatz.

Fortschritt durch Hörtests

In seinen Abmessungen, akustischen Eigenschaften und in der technischen Ausstattung ist das Schalllabor „Mozart“ ein weltweit einzigartiger Raum. Als eine der wenigen Lokalitäten dieser Art erfüllt das Labor die hohen technischen Standards der ITU-R Recommendation zur Durchführung von vergleichenden Hörtests bei der Entwicklung von Audiocodier-Verfahren und Signalverarbeitungstechnologien.

Mit Hilfe von mehr als 50 Lautsprechern können alle möglichen Akustikformate getestet werden – von Mono- bis zu 3D-Klang. Dazu engagiert das Institut immer wieder Testhörer, die in standardisierten und anonymisierten Verfahren verschiedene Sätze oder kurze Auszüge aus Musikstücken erlauschen. Für jedes Signal müssen die Probanden die Audioqualität auf einer Skala von 1 bis 5 bewerten.

Auf diese Weise wird eine neue Technologie weiter verbessert, ehe sie in der Praxis zum Einsatz kommt.

Slideshow: Das größte Schalllabor seiner Art in Deutschland

Ein Superlativ: das Schalllabor „Mozart“ im Fraunhofer IIS  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das Schalllabor „Mozart“ im Fraunhofer IIS  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das Schalllabor „Mozart“ im Fraunhofer IIS  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das Schalllabor „Mozart“ im Fraunhofer IIS  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

Ein Superlativ: das Schalllabor „Mozart“ im Fraunhofer IIS  © Projekt „Superlative – Made in Germany“

#Wahl17: Empfehlungen | Forschung und Innovation

Der weltweite Innovationswettbewerb verschärft sich rasant. Die deutsche Innovationsbasis muss verbreitert werden, um bei Schlüsseltechnologien und auf Leitmärkten weiterhin erfolgreich zu sein.