Afrika und Europa – Chance auf einen Neubeginn?

v.l. Uschi Eid (DAS), Botschafterin Mulu Solomon Bezuneh (Äthopien), BPr. Horst Köhler, Botschafterin Mmasekgo Masire-Mwamba (Botsuana), Dieter Kempf (BDI) © BDI

v.l. Uschi Eid (DAS), Botschafterin Mulu Solomon Bezuneh (Äthopien), Bundespräsident Horst Köhler, Botschafterin Mmasekgo Masire-Mwamba (Botsuana), Dieter Kempf (BDI) © Christian Kruppa

 

BPr. Horst Köhler © BDI

Bundespräsident Horst Köhler © Christian Kruppa

Dieter Kempf © BDI

BDI-Präsident Dieter Kempf © Christian Kruppa

Panel „Wie kann eine innovative AU-EU-Partnerschaft gestaltet werden?“ © Christian Kruppa

Botschafterin Mmasekgo Masire-Mwamba (Botsuana) © BDI

Botschafterin Mmasekgo Masire-Mwamba (Botsuana) © Christian Kruppa

„Europa muss Afrika gegenüber eine völlig neue Haltung einnehmen“, betont der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler auf der gemeinsamen Veranstaltung von BDI und der Deutschen Afrika Stiftung (DAS). Afrika sei ein Kontinent mit eigenen Visionen und eigener Verantwortung. Doch wird es gelingen, aus alten Mustern auszubrechen?

Die Europäische Union (EU) hat Anfang des Jahres Schwerpunkte für eine neue EU-Afrika-Strategie vorgestellt. Ziel ist eine verstärkte Zusammenarbeit in fünf Schlüsselbereichen: grüne Wende, digitaler Wandel, nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung, Frieden und Governance, Migration und Mobilität. Beim nächsten Gipfeltreffen zwischen der Afrikanischen Union (AU) und der EU im nächsten Jahr soll die neue EU-Afrika-Strategie beschlossen werden.

Eine neue Partnerschaft – Afrika und Europa in der Findungsphase

Auch Deutschland richtet sein Augenmerk verstärkt auf Afrika und die umfassende Agenda 2063. Seit Juli 2020 hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft übernommen und Afrika in den außenpolitischen Fokus gerückt. „Alle in Europa haben verstanden: Afrika ist nicht nur ein Chancenkontinent. Afrika ist ein Kontinent, dessen Entwicklung ganz essenziell auch für Europa prägend sein wird“, unterstreicht Staatssekretär Miguel Berger.

Wichtig dabei ist, die eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen. So blieb das von vielen Seiten erwartete Worst-Case-Szenario zu Beginn der Corona-Pandemie aus. Vielmehr konnte es durch das schnelle und umsichtige Handeln der afrikanischen Regierungen verhindert werden. Bereits Mitte Februar hatten die Gesundheitsminister der AU eine gemeinsame Strategie verabredet. „Das zeigt, dass unser Blick auf Afrika oft mehr über uns aussagt als über die dortigen Realitäten. Das 21. Jahrhundert könnte das afrikanisch-europäische Jahrhundert werden“, sagt Bundespräsident Köhler.

Panafrikanische Freihandelszone als Schlüssel für Handel und Investitionen

Die nun anstehende Neugestaltung der europäisch-afrikanischen Beziehungen gewinnt durch die Auswirkungen der Corona-Krise zusätzlich an Brisanz. Durch die Corona-Pandemie wird die Wirtschaft Subsahara-Afrikas im aktuellen Jahr die erste Rezession seit einem Vierteljahrhundert erleben und voraussichtlich um zwei bis fünf Prozent schrumpfen. Für die wirtschaftliche Erholung braucht es vermehrt Investitionen und Handel zwischen Afrika und Europa. „Hier geht die AU mit der Panafrikanischen Freihandelszone mit gutem Beispiel voran. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sollte die Panafrikanische Freihandelszone ganz oben auf die Agenda setzen“, betonte BDI-Präsident Dieter Kempf.

Chancen erkennen und vorantreiben

Zusätzlich zur Wirtschaftsintegration gibt es drei essenzielle Bereiche, um das Wachstumspotenzial Afrikas zu nutzen: Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft, Industrialisierung der afrikanischen Wirtschaften sowie Leapfrogging, sagt Jakkie Cilliers, Vorstandsvorsitzender vom Institute for Security Studies (ISS) in Pretoria, Südafrika. Hier sollten die Prioritäten für die Zukunft liegen.

Weitere Schwerpunkte legt Afrika laut I. E. Mmasekgo Masire-Mwamba, Botschafterin der Republik Botsuana in Deutschland, gegenwärtig auf die Überwindung der Corona-Pandemie, den Zugang zu einem Impfstoff, den Infrastrukturausbau sowie den Klimawandel.

EU setzt auf eine stärkere Partnerschaft

Die EU-Kommissarin für Internationale Partnerschaften, Jutta Urpilainen, stellt klar: „Unsere erneuerte Partnerschaft mit Afrika ist noch dringlicher als je zuvor. Die neue EU-Afrikastrategie ist in erster Linie eine Wachstumsstrategie. Ihr Erfolg hängt von der Privatwirtschaft, Investitionen und einem offenen Dialog zwischen Geschäftsleuten und Politikern ab.“ Ein besonderer Schwerpunkt liege dabei auf der digitalen Transformation und auf dem Green Deal, der ein „Stützpfeiler für die neue EU-Afrika-Partnerschaft“ sein werde.

Der BDI bringt sich ein: Dialog zwischen Afrika und Europa gestalten

Zu der Hybridveranstaltung Ende September 2020 hatte der BDI gemeinsam mit der Deutschen Afrika Stiftung (DAS), und mit Unterstützung der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) und dem EZ-Scout-Programm eingeladen. Insbesondere die hohe Zahl der Online-Teilnehmer ist inspirierend. Über 750 Teilnehmer aus Deutschland, Europa und Afrika machen deutlich: Afrika ist von Interesse! Und um aus alten Mustern auszubrechen, müssen alle Akteure über ihre Prioritäten für die Zukunft diskutieren. Der Dialog für eine neue Partnerschaft hat begonnen.

Aufnahme des Live-Events "Afrika und EU – Chance auf einen Neubeginn?" © BDI