Afrikas Wirtschaftsintegration: Der Weg zum Erfolg?

Eckart von Unger (Senior Manager, BDI), Remco Vahl (Senior Expert, Europäische Kommission), Mathias Koch (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, KAS), Nana Osei-Bonsu (Vorstandsvorsitzenden des Ghanaischen Verbands der Privatwirtschaft), Matthias Wachter (Leiter der Abteilung Sicherheit und Rohstoffe, BDI) © KAS

Pascal Kerneis, Managing Director, European Services Forum © KAS

1. Matthias Wachter, Leiter der Abteilung Sicherheit und Rohstoffe im BDI, im Gespräch mit Nana Osei-Bonsu, Vorstandsvorsitzenden des Ghanaischen Verbands der Privatwirtschaft (Private Enterprise Federation of Ghana) © KAS

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In Zeiten zunehmendem Protektionismus haben 49 afrikanische Staaten einen wichtigen Schritt in Richtung Freihandel gemacht. Im letzten Jahr unterzeichneten sie das afrikanische Freihandelsabkommen. Welche Auswirkungen die Intensivierung wirtschaftlicher Integration auf den EU-Afrika Handel hat, diskutierten in Brüssel Vertreter der Europäischen Kommission und afrikanischer Unternehmen zusammen mit dem BDI und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die Supermärkte in den afrikanischen Metropolen sind voll von importierten Produkten aus der ganzen Welt, obwohl viele dieser Produkte auf dem afrikanischen Kontinent hergestellt werden. Der Grund dafür ist, dass Handel innerhalb Afrikas infolge verschiedenster und komplizierter Regeln und Zölle zeitaufwendig und teuer ist. Dementsprechend gering fällt der intra-afrikanische Handel mit 18 Prozent aus.

Die größte Freihandelszone der Welt nimmt Gestalt an

Das afrikanische Freihandelsabkommen könnte einen Handelsblock mit 1,2 Milliarden Menschen und einem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von über zwei Billionen Euro schaffen. Afrikas BIP könnte um 1 Prozent, die Gesamtbeschäftigung um 1,2 Prozent und den inner-afrikanischen Handel um 33 Prozent steigen.

Bevor das Abkommen jedoch in Kraft treten kann, muss es in mindestens 22 Ländern ratifiziert werden. Dann könnten die Zollsätze für neun von zehn Gütern wegfallen und der intra-afrikanische Handel sich um mehr als 52 Prozent erhöhen, so schätzt die UN-Wirtschaftskommission für Afrika.

Wirtschaftsintegration in Afrika: Zwischen Hoffnung und Realität

Trotz der zu erwartenden Vorteile durch die Handelsliberalisierung, gibt es Bedenken seitens einiger afrikanischer Regierungen. So hat Afrikas leistungsstärkste Volkswirtschaft Nigeria das Freihandelsabkommen bislang nicht unterzeichnet. Gewerkschaften und Unternehmen in Nigeria befürchten, dass sie der steigenden Importkonkurrenz nicht standhalten können.

Trotz Widerstand aus Nigeria wird die afrikanische Freihandelszone kommen, darin waren sich die Teilnehmer des BDI-KAS Workshops „Trade between the EU and Africa: Will Regional Integration Make Africa an Economic Success Story?“ einig. Gleichwohl wird es auf die Implementierung ankommen. “Es mangelt nicht an guten Initiativen, jedoch an deren Umsetzung”, sagte Matthias Wachter, Leiter der Abteilung Sicherheit und Rohstoffe im BDI. „Deutsche Baufirmen berichten, dass sie trotz des gemeinsamen Marktes der Ostafrikanischen Gemeinschaft ihre Produkte nicht zügig über die Grenze von Tansania und Uganda transportieren können“, so Wachter weiter.

Arbeitsplätze in den Exportsektoren Ghanas steigen

Neben der kontinentalen Freihandelszone waren die Auswirkungen der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreements, EPAs) auf den EU-Afrika Handel ein wichtiges Thema der Diskussion. Für Ghana gilt seit 2016 das vorläufige Interims-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der EU, welches Ghana freien Zugang zum EU-Markt sichert. „Die ghanaischen Ausfuhren von Schokolade, Kakaobutter, Kakaomasse und Kakaopulver sind seitdem um 450 Prozent gestiegen“, sagte Wachter. 

Laut Europäischer Kommission konnte Ghana 17.500 direkte Arbeitsstellen in den Exportsektoren Kakao, Bananen, Saft und Fischerei sichern. In Zukunft könnte die Öffnung des ghanaischen Marktes für EU-Produkte weitere Arbeitsstellen schaffen. Durch das EPA werden qualitativ hochwertige Zwischen- und Endprodukte aus der EU zu einem geringeren Preis in Ghana verfügbar, was die Wettbewerbsfähigkeit des ghanaischen Industriesektors erhöht. „Auch enthält das Ghana-EU Wirtschaftspartnerschaftsabkommen eine Klausel, um junge Industriezweige zu schützen“, betonte Remco Vahl, Senior Expert bei der Europäischen Kommission, gegenüber den Teilnehmern.

Visapolitik der EU begünstigt chinesische Konkurrenten

Um den EU-Afrika Handel zu stärken, lohnt zudem ein Blick auf die derzeitige Praxis der Visavergabe für afrikanische Geschäftsreisende nach Europa. Gegenwärtig führt diese zu erheblichen Nachteilen im internationalen Wettbewerb und verursacht Geschäftsausfälle. Für Ghana heißt das konkret: „Geschäftsleute möchten sich die Produkte vor dem Kauf ansehen. Da sie jedoch nur schwer ein Visum nach Europa erhalten, weichen sie oft auf China aus und kaufen dort ihre Produkte“, so Nana Osei-Bonsu, Vorstandsvorsitzender des Ghanaischen Verbands der Privatwirtschaft (Private Enterprise Federation of Ghana). Um dem entgegenzuwirken, fordert der BDI eine regelmäßige Überprüfung zur Vereinfachung der Visaangelegenheiten durch die Bundesregierung und die europäischen Partner.