B7-Gipfel in Québec City: Agenda für inklusives Wachstum

B7-Pressekonferenz: Pierre Gattaz, MEDEF, Dieter Kempf, BDI, Sadayuki Sakakibara, Keidanren © BDI

Während sich die kanadische Regierung auf die Ausrichtung des G7-Gipfels im Juni 2018 vorbereitet, fand Anfang April 2018 in Québec City der Gipfel der Business 7 (B7) statt. Die B7-Empfehlungen konzentrierten sich auf inklusives Wachstum, Ressourceneffizienz und kleine und mittlere Unternehmen. Die B7 kamen überein, dass offene und regelbasierte Märkte sowie faire Wettbewerbsbedingungen unerlässlich für inklusives Wachstum sind und forderten die B7 nachdrücklich dazu auf, ein starkes Signal gegen alle Formen des Protektionismus zu setzen.

Die B7 setzt sich aus den führenden Wirtschaftsverbänden der G7-Staaten, einschließlich des BDI, zusammen. Der B7-Gipfel markierte das Ende eines mehrmonatigen Prozesses, um wichtige Empfehlungen für die G7-Staats- und Regierungschefs im Vorfeld ihres Gipfels mit dem Ziel zu entwickeln, Wirtschaftswachstum, Nachhaltigkeit und gemeinsamen Wohlstand zu fördern.

Über 80 Teilnehmer nahmen am B7-Gipfel in Québec City teil, der unter dem Vorsitz von Perrin Beatty, Präsident der Canadian Chamber of Commerce, stattfand. Unter den Teilnehmern waren Prof. Dieter Kempf, BDI-Präsident und Vorsitzender der Global Business Coalition, Tom J. Donohue, Präsident und CEO der US-Handelskammer, sowie zahlreiche Vertreter international tätiger Unternehmen.

Die zweitägige Konferenz ermöglichte einen intensiven Austausch zwischen der B7 und dem Vorsitzenden der G7, der kanadischen Regierung. Nach der Eröffnung durch den kanadischen Premierminister Justin Trudeau diskutierte die B7 mit Bill Morneau, dem kanadischen Finanzminister, Stephen Poloz, Gouverneur der Zentralbank Kanadas, und dem kanadischen Minister für internationalen Handel, Francois-Philippe Champagne, die globalen wirtschaftlichen Herausforderungen.

Die B7 unterbreitete der G7 Empfehlungen zu den nachfolgenden Themen.

Inklusives Wachstum vorantreiben

Inklusives Wachstum wird von der OECD als Wirtschaftswachstum definiert, „das allen Bevölkerungsgruppen Chancen eröffnet und die Dividenden von steigendem Wohlstand, sowohl in monetärer als auch in nicht-monetärer Hinsicht, über die gesamte Gesellschaft hinweg verteilt“. Während und nach der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise (2007-2010) war das Weltwirtschaftswachstum schwach, und die Ungleichheit ist weltweit gestiegen. Übermäßige Ungleichheit wirkt sich nicht nur negativ auf Wirtschaftswachstum aus, sondern befördert zudem Populismus, Nationalismus und Protektionismus.

Aus deutscher Sicht ist die Idee inklusiven Wachstums nichts Neues, denn Deutschland verfolgt seit Jahrzehnten die Soziale Marktwirtschaft. Die Einkommensungleichheit (gemessen am so genannten Gini-Koeffizienten des verfügbaren Haushaltseinkommens, OECD-Daten für 2015) ist in Deutschland entsprechend gering. Mit einem Wert von 0,29 liegt sie deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 0,32 und dem US-Wert von 0,39 (in diesem System entspricht ein Wert von 0 der vollständigen Einkommensgleichheit und 1 bedeutet, dass eine Person alles verdienen würde). Inklusives Wachstum bezieht sich jedoch nicht auf die Einkommensverteilung allein. Zugang zu Bildung und guten Arbeitsplätzen sind weitere Aspekte inklusiven Wachstums.

Verbesserung der Ressourceneffizienz

Im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verpflichten sich die Länder bis 2030 zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung und effizienten Nutzung natürlicher Ressourcen. Von den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) beziehen sich zwölf auf die nachhaltige Nutzung globaler Ressourcen. Seit dem Jahr 2000 ist die primäre Materialintensität der Weltwirtschaft leicht gestiegen. Dies bedeutet, dass die Geschwindigkeit, mit der die Weltwirtschaft natürliche Ressourcen nutzt, schneller zunimmt, als wirtschaftliche Vorteile erzielt werden. Wenn sich der derzeitige Trend fortsetzt, wird erwartet, dass sich die globale Förderung von Ressourcen bis 2050 ungefähr verdoppelt. Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum werden zu einer höheren Nachfrage nach natürlichen Ressourcen führen, die Preissteigerungen, Preisschwankungen und möglicherweise auch Konflikten nach sich ziehen kann. Um ein ressourceneffizientes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, müssen wir die Anstrengungen zur Verbesserung der Ressourceneffizienz dringend intensivieren. Ohne Frage spielen Unternehmen dabei eine Schlüsselrolle.

Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)

KMU werden oft als das Rückgrat einer Volkswirtschaft bezeichnet. Tatsächlich sind in vielen Volkswirtschaften zwei Drittel der Arbeitnehmer in KMU beschäftigt. In allen G7-Ländern spielen sie eine wichtige Rolle für die Wirtschaft. Oftmals sind KMU neu gegründete Unternehmen. Der Start eines Unternehmens ist schwierig genug, es ist jedoch noch schwieriger, ein erfolgreiches Unternehmen auszubauen und zu internationalisieren. Gerade angesichts des rasanten technologischen Wandels und der Globalisierung ist öffentliche Unterstützung für diesen Prozess oft unabkömmlich.

Der internationale Handel und die aktuellen protektionistischen Tendenzen spielten eine Schlüsselrolle in allen Diskussionen des B7-Gipfels. Die B7 stimmten darin überein, dass offene und regelbasierte Märkte sowie faire Wettbewerbsbedingungen unerlässlich für inklusives Wachstum sind. Nationalismus und Protektionismus schaden den Ärmsten am meisten. Die B7 forderten die G7 nachdrücklich auf, auf ihrem bevorstehenden Gipfeltreffen im Juni ein starkes Signal gegen alle Formen des Protektionismus zu setzen.-