Brexit: Risiko für Wirtschaft und Politik

© Fotolia/theaphotography

Ende März 2019 scheidet das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aus. Die Entflechtung der verwobenen Politikbereiche und Institutionen voranzutreiben ist ein enormes Wagnis. Auf EU-Seite führt Michel Barnier die Verhandlungen. Seine Aufgabe: Szenarien des Brexit analysieren – und Risiken einschätzen.

Aus Sicht der europäischen Wirtschaft ist klar: Mit dem Brexit sind weitreichende Folgen verbunden, die sich auf fast alle Sektoren erstrecken – von Verzögerungen im Gütertransport über steigende Zollkosten hin zu eingeschränkter Arbeitnehmermobilität. Die konkreten Auswirkungen des Austritts des Vereinigten Königreichs sind in vielen Bereichen noch nicht absehbar. Sie hängen stark von Faktoren wie dem Ausgang der Verhandlungen eines Abkommens über den Austritt, einem möglichen Übergangszeitraum und einer potenziellen Übereinkunft über die zukünftigen Beziehungen ab. Welches Arrangement auch immer die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU27 und dem Vereinigten Königreich regeln wird - es wird zwangsläufig weniger tief und umfangreich sein als die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union. Dementsprechend steht bereits jetzt fest: das wirtschaftliche Verhältnis wird Schaden nehmen.

Risiken durch den Brexit

Wie aber sieht die Einschätzung des Brexit aus Sicht der Politik aus? Denn Risiken variieren je nach Perspektive. Und für Politik und Wirtschaft stehen unterschiedliche Punkte im Fokus. Für Michel Barnier liegt eines der größten Risiken auf der Insel Irland. Sollte es nach dem Ausscheiden Landes aus der EU wieder eine harte Grenze zu Nordirland geben, könnte das einen gefährlichen Rückschlag in den Beziehungen der beiden Staaten bedeuten. Ein solcher könnte gerade für die Zivilbevölkerung verheerend sein, denn die Gefahr eines gewaltgeladenen Konflikts ist real. Erst vor 20 Jahren näherten sich die Nachbarregionen im Karfreitagsabkommen politisch an, nachdem der sogenannte Nordirlandkonflikt seit Beginn des Jahrhunderts angehalten und tausende Tote gefordert hatte.

Genauso wie die engen politischen Verbindungen reichen auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich weit über den britischen Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zurück. Wo die Politik den Frieden fördern konnte, sorgte die wirtschaftliche Zusammenarbeit für Wohlstand. Heute ist das Vereinigte Königreich hinter Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union und von strategischer Bedeutung im inner- und außereuropäischen Handel.

Vorbereitungen sind notwendig 

Ob ein ungeregelter Austritt des Vereinigten Königreichs noch vermieden werden kann, wird sich erst am Tag der letzten Ratifizierung der Abkommen durch das britische und Europäische Parlament zeigen. Die Wirtschaft muss angesichts dieser Unsicherheit bereits jetzt entsprechende Risiko-Analysen ausarbeiten und mit ihren Geschäftspartnern in Dialog treten. Und die Politik muss sich neben den Rahmenbedingungen für Unternehmen auch um die Lösung der politischen Konsequenzen bemühen.