#CEBIT18: Künstliche Intelligenz und Cybersecurity

Die Cebit ist eine besondere Gelegenheit, um die Digitalisierung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Ihre Veränderungsprozesse finden auf unterschiedlichen Ebenen statt und greifen komplex ineinander. Die Auswirkungen dieser technologischen Entwicklungen sind weitreichend: „Es stellen sich in allen Bereichen zahlreiche Fragen, die für Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik gleichermaßen relevant sind“, hebt BDI-Präsident Dieter Kempf hervor.

Manche Trends der Digitalisierung haben beunruhigende Konsequenzen: Missbrauch und Manipulation im Cyber-Raum nehmen zu. Durch Spionage, Sabotage und Diebstahl entsteht der deutschen Wirtschaft im Jahr ein Schaden von rund 55 Milliarden Euro. Weltweit summiert sich dies Schätzungen zufolge auf bis zu eine Billion Dollar. Aber nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft ist immer stärker betroffen. In den USA wurde erst kürzlich bekannt, dass die US-Behörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA) verschiedene Modelle von Herzschrittmachern, die anfällig für Cyberattacken sind, zurückgerufen hat. Es wird geschätzt, dass 465.000 Patienten Schrittmacher eingebaut wurden, die jetzt mit neuer Firmware bespielt werden müssen.

Hautkrebsdiagnose durch KI im Gesundheitssektor

Andere Innovationen wie Künstliche Intelligenz (KI) bieten enorm positives Potenzial. Für Wirtschaft ist beispielsweise eine um 20 Prozent verbesserte Anlagennutzung möglich, wenn durch KI Wartungsarbeiten vorausschauend durchgeführt werden („predictive maintenance“). Auch eine um 20 Prozent höhere Produktivität bei einzelnen Arbeitsschritten durch die gezielte Zusammenarbeit von Robotern und Mitarbeitern ist machbar. Für die Gesundheitsversorgung eröffnen sich ebenso neue Möglichkeiten, indem Kommunikation und Transparenz im Gesundheitssektor vereinfacht und so die Rolle des selbstbestimmten Bürgers gestärkt werden. Ein Beispiel kommt von der Universität Heidelberg: Künstliche Intelligenz war bei der Hautkrebs-Diagnose erfolgreicher als der Großteil von 58 Hautärzten aus 17 Ländern. Es wurden weniger Hautkrebs-Fälle übersehen und unnötige Operationen durch falsche Positivdiagnosen vermieden.

Digitalisierung im Dialog diskutieren und gestalten

Es gibt eine Vielzahl offener Fragen, die gemeinsam mit Politik und Wissenschaft beantwortet werden müssen – zum Beispiel: Welcher Raum soll Algorithmen bei Entscheidungen gegeben werden, die Gesundheit, Bildung, Karriere oder die finanzielle Situation betreffen? Wer ist für algorithmisch gestützte Entscheidungen verantwortlich?

So wichtig solche Fragen sind – die ganz konkreten Maßnahmen dürfen darüber nicht in den Hintergrund geraten. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft formuliert BDI-Präsident Kempf die klare Botschaft an die Politik: „In vier Jahren darf es nicht heißen: Die Regierung war stets bemüht.“ Beim Thema Cybersicherheit ist eine stärkere internationale Zusammenarbeit geboten. Denn die Exportnation Deutschland ist auf weltweit anerkannte Standards und Regeln angewiesen. Und auch für Innovationen bei KI besteht Handlungsbedarf. Benötigt wird mehr Wagniskapital, um junge Technologien wie Blockchain und Deep Learning zu fördern. Das Niveau privater Investitionen in KI liegt in Europa bei 2,4 Milliarden Euro – in Nordamerika ist es fünf bis sechs Mal höher. Die Bundesregierung muss entsprechende Investitionen attraktiver machen und wirtschaftsnahe Förderprogramme aufsetzen.