Compliance wird zum Erfolgsfaktor

Compliance-Richtlinien sorgen für ausbalancierten Wettbewerb. © argentum/pixabay

Vor 15 Jahren noch fast völlig unbekannt, haben Compliance-Systeme inzwischen in sehr vielen deutschen Unternehmen Einzug gehalten. Dabei sind die eingesetzten Instrumente ebenso vielfältig und individuell wie die Betriebe selbst. Doch noch ist viel zu tun: Die Unternehmen müssen die Qualität ihrer Compliance-Systeme überwachen und die Politik muss die rechtlichen Rahmenbedingungen optimieren. Nur so kann ein faires Wirtschaftssystem entstehen, von dem letztlich die gesamte Gesellschaft profitiert.

Grob übersetzt bedeutet „Compliance“ nichts anderes als „Regeln befolgen“. Inzwischen hat sich der Begriff in der Wirtschaft wie in Amtsstuben gleichermaßen durchgesetzt. Gemeint ist dabei häufig vor allem der Teil betrieblicher Kontrollmechanismen, der Korruption und Wirtschaftsspionage verhindern soll. Doch ein umfassendes und richtig eingesetztes Compliance-System kann viel mehr – und wird von immer mehr Unternehmen sogar als Wettbewerbsvorteil empfunden.

„Compliance“ hat eine lange Geschichte

Ursprünglich kommt der Begriff „Compliance“ aus der Medizin und bezeichnet dort die Bereitschaft des Patienten, zu tun, was die Ärzte anweisen. In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts setzte er sich dann auch im amerikanischen Bankensektor durch, wo Regeln Einzug hielten, die Geldwäsche, Insidergeschäfte und Bestechung eindämmen sollten. Spätestens mit der Einführung des „Sarbanes-Oxley Act“ 2002 in Amerika wurde der Begriff auch unter deutschen Managern zum Inbegriff für gesetzestreues und ethisch unangreifbares Wirtschaften. Das Gesetz sollte die Transparenz und Regeltreue börsennotierter Aktiengesellschaften verbessern. Das mehr als 60 Seiten umfassende Regelwerk gilt auch für deutsche Firmen, die in Amerika vertreten sind oder deren Wertpapiere dort gehandelt werden. So hielt der Begriff „Compliance“ Einzug in deutschen Unternehmen.

Compliance-Systeme werden zum Wettbewerbsvorteil

Heute haben längst auch Unternehmen, die nicht als Aktiengesellschaft firmieren, entsprechende Kodizes eingeführt. Die sollen nicht nur sicherstellen, dass geltende Gesetze in allen Unternehmensbereichen eingehalten werden, sie regeln auch firmeninterne Verhaltensregeln oder können die Bereiche Nachhaltigkeit oder Umweltschutz umfassen.

Doch während die Einführung von Compliance-Regeln vielerorts auf dem Vormarsch ist, haben etliche, vor allem kleinere Unternehmen Schwierigkeiten mit der Umsetzung. Die Zahl geltender Gesetze und Regeln ist je nach Branche kaum zu überblicken. Sie in ein einheitliches Compliance-System einzubinden, ist kompliziert; die Einhaltung zu überwachen und Prozesse für den Fall von Verstößen zu etablieren, eine echte Herausforderung. Doch es ist eine, der sich die Unternehmen stellen werden, denn gute Compliance-Systeme werden zunehmend zu einem Wettbewerbsvorteil. Vor allem im internationalen Geschäftsverkehr kann ein möglicher Geschäftsabschluss davon abhängen, ob das deutsche Partnerunternehmen überzeugende Compliance-Systeme etabliert hat.

Auch wenn Compliance-Systeme nicht immer direkt die Umsätze steigern, zahlen sie sich oft auch finanziell aus, denn nicht nur die tatsächlichen Verluste etwa durch Korruption, Kartellrechts- oder Datenschutzverstöße sind enorm. Auch die indirekten Folgekosten für die Aufarbeitung von Verstößen, für mögliche Prozesse und die Rückgewinnung von Vertrauen und Reputation kosten viel Geld. So viel, dass es sich lohnt, in präventive Maßnahmen zu investieren.

Dass Compliance-Systeme zunehmend wichtiger werden, hängt aber auch damit zusammen, dass Medien und Gesellschaft inzwischen sehr viel aufmerksamer beobachten, wie Unternehmen wirtschaften – und Konsumenten tatsächlich Konsequenzen ziehen, wenn Firmen in Skandale verwickelt sind. Noch vor 14 Jahren berichteten in einer Studie zur Wirtschaftskriminalität nur 10 Prozent der befragten Unternehmen von spürbaren Reputationsverlusten, nachdem sie in Wirtschaftsdelikte verwickelt waren. In der Folgestudie 2011 waren es schon über 40 Prozent. Und 2013 gaben etliche Firmenlenker an, dass der drohende Reputationsverlust sowie die Beeinträchtigung der Beziehungen zu Geschäftspartnern mit ausschlaggebend waren für die Einführung von Compliance-Systemen.

Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam für gute Rahmenbedingungen sorgen

Doch gute Systeme aufzubauen und ihre Einhaltung und Kontrolle zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu machen, ist eine komplexe Aufgabe. Unterstützung durch Experten und die Vernetzung mit den Verantwortlichen anderer Unternehmen kann hilfreich sein. Deshalb bietet der BDI seinen Mitgliedern einen regelmäßigen Compliance-Arbeitskreis an und unterstützt ausdrücklich die „Alliance for Integrity“, die auf internationaler Ebene Verantwortliche aus Politik und Unternehmen vernetzt und Standards zu etablieren versucht.

Neben den Wirtschaftsakteuren ist aber auch die Politik gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen für ein faires Wirtschaftssystem zu setzen, von dem alle profitieren können. Ein eigenes Unternehmensstrafrecht, wie es der nordrhein-westfälische Justizminister im November 2013 vorgestellt hat, ist dazu allerdings nicht geeignet. Nicht nur, dass es angesichts der bestehenden Gesetze und Regeln unnötig ist; es ist in der vorliegenden Fassung auch unpraktikabel und birgt für Unternehmen kaum abzuschätzende Risiken.

Unternehmen ebenso wie ihre Mitarbeiter brauchen vor allem Rechtssicherheit. Unbestimmte Formulierungen und unklare Tatbestandsmerkmale müssen vermieden werden. Dies hatte der BDI auch in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf für ein Korruptionsbekämpfungsgesetz gefordert und auf erhebliche Schwächen in der Formulierung hingewiesen. Der nunmehr verabschiedete Gesetzeswortlaut ist aus Gründen der Rechtssicherheit zu begrüßen. Insbesondere erscheint die neu eingefügte Genehmigungsmöglichkeit seitens des Unternehmens im Hinblick auf den Schutzzweck sinnvoll und erforderlich.