Das Industrieland Deutschland braucht Rohstoffe – auch aus dem Ausland

Kupfer Tagebau Chile, Chuquicamata © Fotolia/Carol Meneses

Rohstoffe sind das Fundament der industriellen Produktion in Deutschland. Sie werden entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt und sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: In einem Smartphone sind zum Beispiel über 60 verschiedene Rohstoffe verbaut. Aber wie wird der große Rohstoffbedarf gedeckt? Zum Großteil ist das durch heimische Rohstoffvorkommen möglich. Metallische Rohstoffe, die vor allem für High-Tech-Produkte gebraucht werden, müssen jedoch importiert werden. Für den Industriestandort Deutschland ist die sichere Versorgung mit Importrohstoffen also von größter Bedeutung.

Rohstoffe sind die Basis der gesamten Wertschöpfungskette, die wir hier in Deutschland abdecken: Von der Grundstoff- und Chemieindustrie über den Maschinenbau, den Automobilbau und die Informations- und Kommunikationstechnologie, bis hin zu Hochtechnologieanwendungen. Rohstoffe sind also auch integraler Bestandteil der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Laut EU-Kommission sind in Europa entlang der gesamten Wertschöpfungskette über elf Millionen Arbeitsplätze vom sicheren Bezug von Rohstoffen abhängig. Damit sind Rohstoffe in hohem Maße für die Sicherung unsers Wohlstandes verantwortlich.

Importabhängigkeit trotz Rohstoffreichtum

Deutschland ist ein rohstoffreiches Land: Kiese und Sande für die Bauindustrie oder Kali und Salze für die Chemie- oder Agrarindustrie sind in Deutschland in großem Umfang verfügbar. Die Förderung heimischer Rohstoffe ist ein wichtiges Standbein für den Industriestandort Deutschland.

Viele Rohstoffe, die von deutschen Unternehmen jeden Tag benötigt werden, müssen jedoch auf den Weltmärkten eingekauft werden. Als High-Tech-Standort ist die deutsche Industrie ist vor allem bei metallischen Rohstoffen zu 100 Prozent auf den Import angewiesen.

Vor allem die Rohstoffe für Zukunftstechnologien werden aus dem Ausland bezogen. Das Leichtmetall Lithium beispielsweise, das in Batterien verbaut wird, ist ein fundamentales Puzzlestück für die Elektromobilität. Die Vorkommen und die Förderung von Lithium in Deutschland sind marginal. Ein weiteres Beispiel sind die sogenannten Seltenen Erden, die unter anderem für Generatoren von Windkraftanlagen benötigt werden. Auch Seltene Erden werden nur im minimalen Maßstab in Deutschland gewonnen.

Problematisch ist im Fall der Importrohstoffe, dass es bei der Bergwerksförderung zu einer starken Länderkonzentration kommt. 2016 wurden 85 % der weltweiten Förderung von Lithium von Chile, Australien und Argentinien erbracht. Bei Seltenen Erden ist die Länderkonzentration noch problematischer. 2016 kamen über 95 % der weltweiten Produktion aus China.

Die Verantwortung für die Rohstoffversorgung liegt in erster Line bei den Unternehmen

Die Sicherung der Rohstoffversorgung ist in erster Linie Sache der Unternehmen selbst. Sie müssen sich strategisch ausrichten und bestehende Handlungsspielräume ausnutzen, um die Versorgung mit Rohstoffen zu sichern. Dafür sind belastbare Informationen zu Angebots- und Preisentwicklungen von größter Bedeutung. Der BDI ist deshalb in engem Austausch mit der Deutschen Rohstoffagentur (DERA), um den bestmöglichen Informationsfluss sicherzustellen.

Das Instrument der Rohstoffpartnerschaft ist ein weiteres Element, dass Unternehmen bei der nachhaltigen Sicherung ihres Rohstoffbedarfs unterstützt. Mit dem Instrument sollen zudem rohstoffreiche Länder dabei unterstützt werden, ihren Rohstoffsektor weiter zu entwickeln. Dadurch werden sie langfristig zu verlässlichen Partnern für die deutsche Industrie.

Politik muss Handels- und Wettbewerbsverzerrungen adressieren

Rohstoffreiche Länder greifen verstärkt auf handelspolitische Werkzeuge zurück, die den Wettbewerb auf internationalen Rohstoffmärkten verzerren oder einschränken. Die Maßnahmen reichen von hohen Exportzöllen über diskriminierende Lizenzsysteme bis hin zu Steuerrückerstattungen.

Deutschen Unternehmen wird durch handels- und wettbewerbsverzerrende Maßnahmen der Zugang zu dringend benötigten Rohstoffen erschwert. Die Wirtschaft allein kann gegen diese Maßnahmen nicht vorgehen. Hier muss die Politik handeln indem sie auf die Einhaltung international vereinbarter Regeln besteht und Sanktionen bei Verstößen durchsetzt.

Somit ist die Sicherung der Rohstoffversorgung ein Gemeinschaftsprojekt, das nur im Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik gelingen kann. Der enge Austausch zwischen Politik- und Wirtschaftsvertretern ist dabei besonders wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland sicherzustellen.