Der Nachhaltigkeit auf der Spur

Die mexikanischen Unternehmer Nathan Shabot und Fátima Montiel Chávez im Video-Interview (in Englisch) © BDI

Was ist eigentlich soziale Marktwirtschaft? Und wie sieht nachhaltiges Unternehmertum in Deutschland aus? Diesen und weiteren Fragen gingen junge Unternehmer aus Mexiko auf einer Studienmission durch Deutschland nach.

Die im Sommer 2017 stattgefundene Studienreise ist eine Maßnahme des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Projekts „Innovationspartnerschaft Mexiko/Pazifische Allianz“, das der BDI gemeinsam mit dem Bund Katholischer Unternehmer und dem Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie durchführt. Bereits zum dritten Mal kamen Gewinner des mexikanischen Nachhaltigkeitspreises „Reconocimiento Lorenzo Servitje“ nach Deutschland. Der Nachhaltigkeitspreis wird von den mexikanischen Partnerverbänden COPARMEX und USEM jährlich ausgelobt und vergeben. Geplant ist, die Idee auch in die anderen drei Länder der Pazifischen Allianz – Kolumbien, Chile und Peru – zu exportieren.

Mexikaner reagieren auf Trumpsche Außenpolitik

Zum Auftakt der Reise unter Leitung des Generalsekretärs von COPARMEX, Miguel Gallardo, besuchten 16 junge Unternehmer und Stakeholder der mexikanischen Wirtschaft – darunter vier Preisträger – sowie ein kolumbianischer Wirtschaftsvertreter den Tag der Deutschen Industrie. Nathan Shabot, Gewinner und Vorsitzender eines Zulieferunternehmens der Bauindustrie, sowie Fátima Montiel Chávez, Gründerin eines Internetdienstleistungsunternehmens, waren vom Auftritt der Bundeskanzlerin besonders beeindruckt. Im Interview äußerten sie sich über die Folgen der US-Wahl für Mexiko und zeigten, wie die mexikanische Antwort auf diese neuen Herausforderungen aussehen kann. „Als Unternehmer freuen wir uns auf neue Möglichkeiten, auf neue starke Beziehungen mit anderen Ländern“, so Shabot. Deutschland sei dabei der wichtigste Partner in der Europäischen Union.

Wie sieht unternehmerische Verantwortung aus

Auf ihrer Reise durch die Republik mit Stationen in Berlin, Leipzig, München und Stuttgart traf die Delegation u. a. auf Vertreter von Wissenschaftsorganisationen und Wirtschaftsinitiativen. Dazu gehörten econsense – das Forum für Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft, das Wittenbergzentrum für globale Ethik, die Handelshochschule Leipzig, die katholische Universität Eichstätt, das Fraunhofer Institut IAO sowie die Steinbeis Universität in Stuttgart. Bei den Treffen ging es vor allem darum, wie unternehmerische Verantwortung in den mittelständischen Unternehmen Deutschlands gelebt und umgesetzt wird. Zudem beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Politik der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und wie diese die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Mexiko stärken könnte. Hierbei spielten Sozial- und Umweltstandards sowie die Entwicklung eines ethischen Leitbildes in Unternehmen eine wichtige Rolle.

Unternehmenskultur im deutschen Mittelstand erleben

Die Mexikaner trafen auch auf deutsche Mittelständler und Familienunternehmen wie z. B. die HIPP OHG, die Bauer AG und die Knorr-Bremse AG in Bayern und das Unternehmen FESTO in Stuttgart. Die Besuche zeigten, wie technologische Innovation und nachhaltiges Wirtschaften erfolgreich miteinander verzahnt werden können und wie sie sich auch gegenseitig bedingen. Die Mexikaner stellten schnell fest: Nachhaltiges Unternehmertum ist das Fundament des deutschen Mittelstands und wird von allen Mitarbeitern gelebt – vom Pförtner bis zum Geschäftsführer. Dazu gehören: angemessene Löhne und Sozialstandards, duale Bildung, Mitbestimmung, Lebensqualität im ländlichen Raums sowie Industrie-Hochschul-Kooperationen. In keinem anderen Land hätten die Teilnehmer eine derart ausgeprägte Kooperationskultur wie in Deutschland erfahren.

Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Mexiko stärken

Im Abschlussworkshop präsentierten die jungen Unternehmer, welche Anregungen sie aus Deutschland in die Heimat mitnehmen. An erster Stelle wollen sie für nachhaltiges Unternehmertum in Mexiko werben, das allen zugutekommt und auch für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens maßgeblich ist. Sie möchten sich auch für mehr Transparenz und Rechtsstaat und gegen Korruption im Land engagieren. Dafür wollen sie das Alumni-Netzwerk der ehemaligen Preisträger nutzen, sich regelmäßig treffen und Veranstaltungen und Workshops organisieren. Auch vom kolumbianischen Teilnehmer kamen positive Signale. Er möchte sich zuhause für den Nachhaltigkeitspreis stark machen und mit ANDI, dem kolumbianischen Partnerverband des BDI, ein ähnliches Projekt auf die Beine stellen.

Für Luis de la Peña, Vizepräsident des mexikanischen Unternehmerverbands USEM und Teilnehmer der Delegation, sind Mexiko und Deutschland eng miteinander verbunden – über gemeinsame Werte, kulturelle Prägung sowie das wirtschaftspolitische Leitbild des Freihandels. Sein Wunsch wäre, dass die Länder gemeinsam noch stärker die Spielregeln in der globalisierten Weltwirtschaft gestalten und zum Schutze unseres Planeten Einfluss nehmen. Mit der Studienreise sei ein erfolgreicher Schritt in diese Richtung unternommen worden.