BDA und BDI dringen auf evidenzbasiertes Öffnungsszenario und Planungshorizont

Anlässlich des Bund-Länder-Treffens äußern sich die Präsidenten von BDA und BDI, Rainer Dulger und Siegfried Russwurm, in einem gemeinsamen Appell: Deutschland steht vor entscheidenden Wochen – für ein evidenzbasiertes Öffnungsszenario und Planungshorizont.

Berlin, 10. Februar 2021. Die Corona-Pandemie stellt Gesellschaft und Wirtschaft vor enorme und schwierige Herausforderungen. Einige Branchen sind seit Wochen oder gar seit Monaten im kompletten Lockdown. Viele Unternehmen befinden sich mittlerweile nicht nur in einer existentiellen Notlage – ihnen fehlt auch der erforderliche Planungshorizont. Ein Licht am Ende des Tunnels ist nicht zu erkennen. Die Lage ist ernst.

Wir plädieren deshalb eindringlich für ein Öffnungskonzept, mit dem das wirtschaftliche Leben schrittweise und regional differenziert, gleichzeitig entlang eines bundesweit einheitlichen und evidenzbasierten gesundheitspolitischen Rahmens geöffnet wird. Dazu gehört ein systematisches, wissenschaftliches Monitoring zur Wirksamkeit einzelner Eindämmungsmaßnahmen. Es ist jetzt entscheidend, Hygiene-, Test- und Impfstrategien bundesweit zu optimieren, besser miteinander zu verzahnen und einheitliche Kriterien für das erforderliche Vorgehen festzulegen. Das ist die Grundvoraussetzung für eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft.

Es geht darum, verantwortungsvoll und nachhaltig Absatzmöglichkeiten zu eröffnen und Lieferketten wie Wertschöpfungsketten zu sichern. Unsere Wirtschaft ist in besonderer Weise eng mit grenzüberschreitenden Lieferketten und Mitarbeiterstrukturen verflochten. Es muss gelingen, die Pandemieeindämmung europaweit erfolgreich voranzutreiben. Sonst bleibt jeder nationale Erfolg nicht von Dauer und wirft die Unternehmen und ihre Belegschaften zurück. Die Bundesregierung und die Europäische Kommission sind gut beraten, intensiver die Koordination der Eindämmungsmaßnahmen voranzutreiben und den Binnenmarkt so offen wie nur möglich zu halten.

Die deutsche Wirtschaft steht an der Seite der Politik, wenn es darum geht, die Gesundheit der Bevölkerung in dieser Pandemie zu schützen. Die Unternehmen beweisen auf vielfältige und eindrucksvolle Weise, dass der Arbeitsplatz in Coronazeiten ein vergleichbar sicherer Ort ist: Mit Pandemieplänen, vielfältigen Homeoffice- und Datenschutzregelungen sowie tariflichen Vereinbarungen haben wir gemeinsam mit unseren Beschäftigten viel erreicht. Die deutsche Wirtschaft hat in den zurückliegenden Monaten Möglichkeiten für Homeoffice und mobiles Arbeiten geschaffen, wie sie unser Land bisher nicht kannte.
Uns ist bewusst, dass die Mutation des Virus eine striktere Herangehensweise erfordert. Aber es ist nun zielführend, ein klares und evidenzbasiertes Öffnungsszenario aufzuzeigen, statt einschränkende Maßnahmen im Mehr-Wochen-Rhythmus ohne mittelfristige Perspektive fortzuführen.

Für uns steht außer Frage, dass die Bekämpfung der Pandemie und der Umgang mit ihren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Effekten nur gemeinsam gelingen kann. Die deutsche Wirtschaft steht zum Dialog bereit. Wir erwarten von der Politik, die im Januar versprochene Mittelfriststrategie für ein Öffnungsszenario vorzulegen.