Deutschland und Brasilien – Eine neue Phase der Kooperation

BDI-Präsident Dieter Kempf bei den Deutsch-Brasilianischen-Wirtschaftstagen © Christian Kruppa

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Schifftour auf dem Rhein mit der MS RheinEnergie © Christian Kruppa

Pressekonferenz DBWT 2018 © Christian Kruppa

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„Wir wollen unsere Zusammenarbeit ausbauen und ihr eine neue Qualität geben ‒ auf bilateraler und auf internationaler Ebene“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf zur Eröffnung der 36. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage in Köln. Er warnte vor zunehmendem Protektionismus und dem Trend zu autoritären und populistischen Regierungen weltweit.

Kempf appellierte an die brasilianischen Partner, gemeinsam und selbstbewusst für Zusammenarbeit und offene Märkte einzutreten. Fast zwei Jahrzehnte nach Beginn der Verhandlungen müssten die EU und der Mercosur nun auch die Kraft aufbringen, ein bilaterales Freihandelsabkommen abzuschließen. In einer globalisierten Welt müsse noch enger zusammengearbeitet werden, um diese bestmöglich zu gestalten, so Kempf.

Im Vorfeld der im Oktober in Brasilien anstehenden Wahlen stand insbesondere die künftige Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt der Diskussion. Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit der Fortsetzung einer stabilitätsorientierten und auf Reformen ausgerichteten Wirtschaftspolitik. Hierzu gehören z. B. die Reformen des Steuerrechts und des Rentensystems. Andreas Renschler, Vorsitzender des Lateinamerika-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (LADW) und Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, verwies auf das strategische Potential des Landes mit über 200 Millionen Einwohnern. Vor allem die junge Bevölkerung wolle einen Wertewandel und nehme die Korruptionsbekämpfung sehr ernst. In den bilateralen Beziehungen sei der Abschluss eines Doppelbesteuerungsabkommens überfällig; die angestrebte OECD Mitgliedschaft Brasiliens eröffne hier neue Chancen.

Großen Chancen der digitalen Transformation

Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Bereichen Agribusiness, Digitalisierung, Gesundheitswirtschaft, nachhaltige Städtekonzepte, Energie und Infrastruktur wurden in verschiedenen Foren eingehend erörtert. Ein eigenes Forum und über 100 Matchmaking-Gespräche dienten insbesondere der Mittelstandskooperation. Stefan Mair, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, unterstrich die großen Chancen der digitalen Transformation vor allem für die Industrie und die Agrarwirtschaft in Brasilien. Hier bestehe ein großes Potenzial für die bilaterale Zusammenarbeit. Deutschland gehöre bei IT-Endkunden und eingebetteten Systemen weltweit zu den Marktführern. Bei der Einführung von digitalen Prozessen und Technologien müssten jedoch die Firmen, insbesondere der Mittelstand, unterstützt und Fachkräfte entsprechend ausgebildet werden. Die Zusammenarbeit von BDI und CNI zum Thema digitale Transformation soll daher intensiviert und die bereits bestehende „Task Force Industrie 4.0“ auf eine neue Basis gestellt werden.

In der Gemischte Wirtschaftskommission, unter der deutschen Leitung von Andreas Renschler und dem Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Thomas Bareiß, stand insbesondere der Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Infrastruktur und Digitalisierung im Mittelpunkt. Die beiden Regierungen wollen auch auf politischer Ebene einen bilateralen Digitaldialog starten. Der Austausch zum Thema Doppelbesteuerungsabkommen soll wiederbelebt werden.

Über 500 Vertreter aus Wirtschaft und Politik beider Länder waren im Juni 2018 nach Köln gekommen, um über den Ausbau der Wirtschaftskooperation zu sprechen. Die vom BDI und seinem brasilianischen Partnerverband CNI organisierte Konferenz wurde von der Stadt Köln und der Koelnmesse unterstützt. Die nächsten Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage werden im September 2019 in Natal im Bundesstaat Rio Grande do Norte stattfinden.