Die Zukunft aktiv gestalten

Dieter Kempf auf dem TDI'17 © Christian Kruppa

Die Welt wandelt sich rasant. Dynamik und Unsicherheit werden größer – ob durch die digitale Transformation oder durch politische Entwicklungen in den USA und Großbritannien. „Die deutsche Industrie kann Wandel“, attestierte BDI-Präsident Dieter Kempf in seiner Rede auf dem TDI'17. Einen Stillstand oder die Verwaltung des Status quo könne sich der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht leisten.

Am Tag der Deutschen Industrie 2017 (TDI'17) erinnerte der BDI-Präsident an die industrielle Revolution in Deutschland. Diese fiel in die Zeit des Endes der Napoleonischen Kriege und der Aufhebung der Kontinentalsperren: „Fallende Handelsbarrieren als Impuls zur Industrialisierung“, unterstrich Kempf. Heute halte die Industrie 4.0 Einzug in die Unternehmen. Dass die deutsche Industrie Wandel kann, zeige die positive Entwicklung der Industriebranchen – mit 7,3 Millionen Arbeitsplätzen im Inland und über 3,5 Millionen im Ausland.

„Die Fähigkeit und zugleich die Verantwortung, Wandel für und im Sinne der Gesellschaft zu gestalten, sind elementare Bestandteile des Industriestandortes Deutschland. Wir wollen diese Rolle auch in Zukunft wahrnehmen, um mit Wachstum, mit Arbeitsplätzen und durch Teilhabe zum sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen“, betonte Kempf. Dabei brauche es Sicherheit im Wandel – durch verlässliche Rahmenbedingungen in der Politik.

Offene und regelbasierte Märkte fördern

Mit Blick auf die Weltmärkte skizzierte Kempf drei wichtige Leitlinien: Die globale Wirtschaftsordnung „braucht erstens klare Regeln, sie muss zweitens grundsätzlich offen sein und drittens: Sie muss so viele wie möglich mitnehmen“.

Die deutsche Industrie müsse auch an anderen Orten der Welt für die Überzeugung einer regelbasierten und offenen Wirtschaftsordnung einstehen, so Kempf. Eine große Chance sei die deutsche G20-Präsidentschaft, die der BDI gemeinsam mit den Verbänden DIHK und BDA im Rahmen der Business 20 begleitet. „Hier zeigen wir mit unseren internationalen Partnern Wege auf, wie wir die Globalisierung – die Vernetzung der Welt – gemeinsam gestalten können.“

Den europäischen Binnenmarkt stärken

Kempf appellierte zudem an den europäischen Zusammenhalt: „Wir müssen Europa mutig weiter denken: Dazu gehören die Vollendung der Bankenunion und eine tiefere Integration in der Fiskalpolitik. Wir brauchen mehr Disziplin bei Reformen und in der Haushaltspolitik, stärkere europäische Institutionen und neue Instrumente, um die Währungsunion wetterfest zu machen.“

Um der Stimme Deutschlands in Europa und in der Welt weiter Bedeutung zu verleihen, brauche die deutsche Industrie „die entschiedene Unterstützung der Politik“. Dazu zähle unter anderem eine Steuerstrukturreform sowie der Dialog zu CO2-Reduktionsziele in der Energie- und Klimapolitik, die nur international zu einem Erfolg führen könne, so Kempf.

Digitalisierung zügig voranbringen

Ein weiteres zentrales Handlungsfeld sei die digitale Transformation. Hier forderte BDI-Präsident Kempf mehr Tempo bei der Umsetzung des digitalen Binnenmarkts, dem Ausbau digitaler Infrastrukturen oder der Ausbildung von Digitalkompetenzen. Digitaler Wandel könne jedoch nur gelingen, wenn die Menschen die Chancen höher einschätzten als die Risiken, betonte Kempf.

Dazu bedürfe es ein Höchstmaß an Sicherheit von Daten und IT-Systemen. „Davon wissen viele Unternehmer aus leidvoller eigener Erfahrung zu berichten: Unabhängig, ob Konzern oder Mittelständler – wurden bereits zwei Drittel der Unternehmen Opfer teilweise höchst komplexer Cyberangriffe: mit jährlichen Schäden von geschätzt 50 Milliarden Euro. Hier müssen Staat und Wirtschaft eine tragfähige Sicherheitsstrategie formulieren und umsetzen“, so Kempf.

Standort Deutschland zukunftsfest machen

„Für sämtliche Politikfelder gilt, dass wir uns Stillstand oder die Verwaltung des Status quo nicht leisten können. Wir müssen uns aktiv daran machen, die Zukunft zu gestalten“, appellierte Kempf an die politischen Gäste des TDI. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) waren auch die Bundesvorsitzenden der Parteien SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen als Redner vor Ort. Kempf bekräftigte: „Dort, wo die offene Gesellschaft und eine offene Wirtschaft aus den Angeln zu geraten drohen, müssen wir vereint gegensteuern. Denn diese Offenheit ist die Basis des wirtschaftlichen Erfolges, der allen zugutekommt.“