Drei Fragen an Hans-Toni Junius

Hans-Toni Junius führt das Familienunternehmen C.D. Wälzholz in sechster Generation © C.D. Wälzholz

Der Vorsitzende des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses nimmt Stellung zur neuen Erbschaftsteuer.

Nach vielen mühsamen Monaten und in einem besonderen politischen Kraftakt gibt es neue Regeln zur Erbschaftsteuer. Wie sehen Sie die aktuelle Lage?

Insgesamt geht es dem industriellen Mittelstand mit seinen Familienunternehmen in Deutschland wirtschaftlich ordentlich. Allerdings schwächen sich viele konjunkturelle Treiber ab. Dazu kommen politische Entscheidungen in Deutschland und in Europa, die den kurz- und mittelfristigen Ausblick eintrüben.

Zwei Jahre lang hat die Politik großzügig sozial- und arbeitsmarktpolitische Geschenke verteilt. Darauf, wie das alles erwirtschaftet werden soll, hat sie nicht geachtet. In dieses Bild passt sich die reformierte Erbschaftsteuer fugenlos ein. Zugegeben, der Impuls, das alte Recht zu ändern, kam aus Karlsruhe. Aber ich frage mich angesichts der politischen Umsetzung schon, ob hier jemand die standorttreuen, langfristig ausgerichteten und krisenbewährten Familienunternehmen zum Auslaufmodell machen will.

Unverändert meine ich, dass wir für eine aussichtsreiche Zukunft gestandene mittelständische Unternehmen – in Kombination mit Impulsen aus „Start-ups“ – dringend benötigen. Denn gerade „Grown-ups“ sichern krisenfeste Arbeitsplätze, indem sie nachhaltig langfristige Strategien verfolgen und am Standort fest verwurzelt sind. 

Wie bewerten Sie als Unternehmer die neuen erbschaftsteuerlichen Regeln?

In gesunden mittelständisch familiengeführten Industrieunternehmen arbeitet das Geld im Betrieb und liegt nicht auf dem Konto der Familie. Wir wollen beim Generationenwechsel nicht Maschinen, Patente oder Flächen versilbern müssen, sondern wirtschaftliche Substanz erhalten. Gerade diese Nachhaltigkeit unterscheidet uns vom kurzfristigen, kennzahlgetriebenen Vorgehen anderer Unternehmenstypen.

Die neuen Regeln erhöhen für Unternehmenserben finanzielle und bürokratische Hürden, sie zehren die Grundlagen wirtschaftlich nachhaltiger Familienunternehmen in Deutschland weiter auf. Ich fürchte, die Politik fälscht die Flanke aus Karlsruhe zu einem mittelstandspolitischen Eigentor ab.

Und jetzt, wie geht es bei Ihnen weiter?

Als Familie werden wir prüfen, was die neuen Regeln für das Unternehmen und uns konkret bedeuten. Aber klar ist für mich persönlich auch: ich will das Unternehmen stark und gesund an die nächste Generation übergeben. Dafür investieren wir in neue Fertigungsprozesse und kombinieren diese mit digitalen Lösungen. Wir richten uns weiter auf hochwertige und innovative Produkte sowie globale Märkte aus. In den kommenden Jahren wollen wir über 100 Millionen Euro investieren, auch außerhalb von Deutschland. Da leben wir getreu dem Motto „Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“.

Die nächste Generation hat weniger Wahl: hart erarbeitete Mittel werden eher an den Staat für die Erbschaft- oder Schenkungsteuer fließen statt in leistungsfähige Anlagen und moderne Arbeitsplätze. Wenn über Generationen ein finanziell gut ausgestatteter Betrieb geschaffen wurde, wird dieses gebundene Vermögen durch herabgesetzte Freigrenzen künftig höher besteuert. Wer im Erbfall Belastungen verringern möchte, kann Anteile am Unternehmen stückeln und in der Familie streuen. Kurzfristig mag das finanziell helfen, aber es erschwert die strategische Aufgabe, das Unternehmen langfristig erfolgreich zu führen.