Ein Umdenken hat stattgefunden

Zapfsäulen © Fotolia/Jamrooferpix

Das Vertrauen in die deutsche Automobilbranche hat unter dem so genannten „Abgasskandal“ gelitten. Jetzt stellen sich die betroffenen Unternehmen der berechtigten Kritik mit aller Offenheit und beantworten die aufgekommenen Fragen mit maximaler Transparenz.

Eine ähnliche Offenheit würde auch der Debatte um den Diesel und das Dieselfahrverbot in deutschen Städten an sich gut tun. Denn vor dem Hintergrund des „Dieselgate“ kursieren derzeit viele gefährliche Generalisierungen. Dabei ist durch Fakten und Argumente belegbar: Der Diesel-Motor ist kein Auslaufmodell.

Im Gegenteil: Der moderne Euro-6-Diesel trägt dazu bei, CO2-Emissionen so gering wie möglich zu halten. Darüber hinaus erreicht er auch bei der Reduktion von Schadstoffen Topwerte – auch auf der Straße. In vielen Ländern Europas steht ein politisch erzwungenes Ende des Dieselmotors zur Debatte. Das jedoch ist nicht nur aus industriepolitischen, sondern insbesondere auch aus klimatischen Gesichtspunkten kontraproduktiv.

Schnellschüsse sind kontraproduktiv

Zwar ist nicht daran zu rütteln, dass sich ein Unternehmen klare Verfehlungen geleistet hat. Allerdings sollte man gerade im ersten Gefühl der (berechtigten) Empörung darauf achten, die Steuer- oder Regulierungsschraube nicht zu überdrehen. Die momentan diskutierten Fahrverbote schießen über das Ziel hinaus. Die Bundesregierung tut gut daran, besonnen zu agieren und – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – auf Schnellschüsse zu verzichten.

Sollten wir also einfach so tun als wäre nichts gewesen? Auf keinen Fall! Der Abgasskandal und seine Folgen haben die Automobilbranche aufgerüttelt. Hersteller und Zulieferer sind sich mehr denn je bewusst, dass es vor allem an ihnen liegt, was für ein Bild künftig von der Industrie gezeichnet wird. Es gilt verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen: und zwar durch eine transparente Kommunikation und die Prüfung interner Prozesse und Compliance-Systeme.

Mehr als zwei Jahre nach dem Auftreten der Affäre lässt sich zumindest ein positives Zwischenfazit ziehen: Die Konsequenzen aus dem „Abgasskandal“ haben gezeigt, dass sich die Unternehmenskultur der betroffenen Firmen auch in Krisenzeiten durch eine bemerkenswerte Offenheit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Diskussion auszeichnet.

Reaktion auf die verständliche Verärgerung

Mehr denn je ist klar: Das Vertrauen der Kunden ist ein hohes Gut. Es ist mehr als verständlich, dass Abweichungen zwischen offiziellen Werten und Ergebnissen in der Praxis für Verärgerung und Irritationen gesorgt haben. Aus gutem Grund haben unsere Unternehmen im Zuge der Aufklärung alles dafür getan, diesen Missstand zu beheben, realistischere Angaben zu Schadstoff- und CO2-Emissionen ihrer Modelle angeboten und viele Autos durch kostenlose Software-Updates nachgebessert.

Dass im vergangenen Jahr zumindest innerhalb der EU neue Labortests eingeführt wurden und nun auch realitätsnahe Messungen auf der Straße durchgeführt werden, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das schafft mehr Klarheit, Transparenz und Sicherheit für die Kunden.

Es sind Signale, die verdeutlichen: Die Automobilindustrie weiß um ihre Verantwortung. Sie trägt dazu bei, nicht zuletzt im Sinne ihrer Kunden die richtigen Schlüsse aus der vergangenen Krise zu ziehen. Bei der Bewältigung hilft allerdings auch eine politische und gesellschaftliche Debatte, die weder die gesamte Branche und ihre Beschäftigten noch den Diesel unter einen Generalverdacht stellt. Dieses Dossier möchte einen Beitrag leisten, die Diskussion um die Rolle der Dieseltechnologie für Mobilität und Transport heute und morgen zu versachlichen.