Elektrizität

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Elektromobilität – die Zukunft ist jetzt

Die Elektromobilität ist ein Baustein für ein nachhaltiges und ressourcenschonendes Mobilitätssystem – und bietet enorme Chancen für den Standort Deutschland.

Der Markthochlauf von Elektrofahrzeugen hat in Deutschland deutlich an Fahrt aufgenommen auch dank der Elektromobilitätsoffensive der deutschen Industrie. Damit leisten die Branchen zugleich einen wichtigen Beitrag, dass innovative Produkte, Dienstleistungen und Lösungen für Elektromobilität weltweit verfügbar sind.

Allein im vergangenen Jahr 2020 wurden fast 400.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland neu zugelassen, davon 194.163 rein batterie-elektrische Pkw (BEV) und 200.469 Plug-in-Hybrid-Pkw (PHEV). Damit hat sich die Anzahl von neuzugelassenen BEV im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht, bei PHEV sogar vervierfacht. Der positive Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort: Im ersten Halbjahr 2021 wurden rund 200.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Der Markthochlauf stützt sich aktuell auf die umfangreichen Fördermaßnahmen und Anreize der Politik. Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 hat Deutschland mit wenigen Monaten Verspätung im Juli 2021 erreicht.

Damit schließt Deutschland zu den internationalen Leitmärkten für Elektromobilität auf. Elektrofahrzeuge deutscher Hersteller sind in Deutschland und Europa stark nachgefragt: Zwei Drittel der Neuzulassungen des Jahres 2020 sind Fahrzeuge von deutschen Herstellern. In Europa kommt aktuell nahezu jedes zweite neu zugelassene Elektroauto von deutschen Konzernmarken. In Norwegen – mit einem Gesamtanteil von 70 Prozent Elektrofahrzeugen am Gesamtmarkt – sind deutsche Hersteller E-Auto-Marktführer mit einem Anteil von 50 Prozent an allen Neuzulassungen von E-Fahrzeugen.

Innovative Fahrzeug- und Antriebstechnologien

Damit weisen Elektrofahrzeuge, batterie-elektrische und brennstoffzellen-elektrische, den Weg in eine nachhaltigere Mobilität. Am Markt durchgesetzt haben sich aktuell zwei Antriebsformen für batterie-elektrische Fahrzeuge. Gemeinsames Merkmal ist, dass die Batterien der Fahrzeuge direkt über das Stromnetz wieder aufgeladen werden können. Bei einem rein batteriebetriebenen Fahrzeug (BEV) kommt die Energie für den Antrieb ausschließlich aus der Batterie. Plug-in-Hybride, kombinieren einen verbrennungs- und einen elektromotorischen Antrieb, wobei die Batterie dennoch extern aufgeladen werden kann. Daneben zählen grundsätzlich auch Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) zu den Elektrofahrzeugen, nutzen aber keine Batterie als Energiespeicher, sondern tanken Wasserstoff. FCEV wandeln direkt an Bord die chemische Energie von Wasserstoff in elektrische Energie um. Während batterie-elektrische Fahrzeuge als Großserienfahrzeuge am Markt verfügbar sind, gibt es bei FCEV aktuell keine entsprechende Modellvielfalt für Kunden.

Modellvielfalt – Symbol für einen Politikwandel

In keinem anderen Land steht den Kunden eine solche segmentübergreifende Fahrzeugvielfalt für E-Autos zur Auswahl: Die deutschen Hersteller zählen heute mit über 70 Elektrofahrzeugmodellen international zu den Leitanbietern. Bis Ende 2023 werden die deutschen Hersteller ihre Palette auf 150 Modelle ausbauen. Keine andere Automobilnation weist eine vergleichbare Vielfalt über alle Fahrzeugsegmente hinweg auf. Jedes dritte Patent weltweit im Bereich Elektromobilität stammt aus Deutschland. Für den weiteren Hochlauf der E-Mobilität plant allein die deutsche Automobilindustrie Investitionen in Höhe von rund 150 Milliarden Euro bis 2025.

Ladeinfrastruktur – Grundvoraussetzung für Erfolg von Elektromobilität

Auch der Aufbau von Ladeinfrastruktur nimmt weiter an Fahrt auf. Insgesamt stehen aktuell bundesweit rund 46.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung, davon rund 39.400 Normalladepunkte und circa 6.700 Schnellladepunkte. Dennoch: Der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur erweist sich für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität als zentrale Herausforderung und muss deutlich an Tempo zulegen. Dafür gilt es, den Masterplan Ladeinfrastruktur rasch umzusetzen und die Förderung für öffentlich zugängliche und private Ladepunkte zu verstetigen, bis eine Wirtschaftlichkeit des Ladeinfrastrukturaufbaus erreicht wird. Dabei sollten weitere Schwerpunkte auf Schnellladeinfrastruktur, innerstädtische Lade-Hubs sowie Ladenetze für Nutzfahrzeuge liegen.

Neue Regeln für die Wertschöpfung

Für Deutschland bedeutet Elektromobilität die Herausforderung, seine Spitzenposition als Industrie-, Wissenschafts- und Technologiestandort zu sichern und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Chancen ergeben sich in den Industriesegmenten, die Know-how über die künftigen Schlüsseltechnologien, wie zum Beispiel Batterieentwicklung, Fahrzeugbau oder innovative Werkstofftechnologien im Unternehmen verankern. So tragen zum Beispiel Verbundwerkstoffe im Leichtbau zur Gewichtsreduzierung – sei es bei der Fahrzeugkarosserie, Felgen oder im Interieur. Dies wiederum kommt der Reichweitenverlängerung bei Elektrofahrzeugen zugute.

Die sich daraus ergebenden Wertschöpfungsketten zeichnen sich heute wie künftig durch die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Industriebranchen aus: von Automobil, Stahl, Metalle, Chemie und Energie über Elektronik und Elektrotechnik bis hin zu Informations- und Kommunikationstechnologie, Textil und Glas. Darüber hinaus liefert die Elektromobilität wichtige Impulse für weitere Branchen. Batteriebetriebene Fahrzeuge benötigen eine eigene Ladeinfrastruktur, für Brennstoffzellenfahrzeuge müssen Wasserstofftankstellen bereitstehen. Hinzu kommen neue digitale Serviceangebote rund um die Elektromobilität.

Für den Industriestandort Deutschland gilt es in einem technologieoffenen Ansatz, bestehende Wertschöpfungsketten zu stärken, zu erweitern sowie Arbeitsplätze zu sichern. Dafür haben die Mitglieder des Industriekreises Elektromobilität – ein Zusammenschluss relevanter Branchen für die Wertschöpfungskette Elektromobilität in Deutschland – gemeinsame „Empfehlungen der Wirtschaft zur Elektromobilität an den 20. Deutschen Bundestag: Fit for green mobility – mit den richtigen strategischen Maßnahmen!“ erarbeitet.