Energieforschung, Technologieentwicklung und Innovation – zentral für Klimaschutz und den Erfolg der Energiewende

Montagearbeiten im Plasmagefäß der Fusionsanlage „ASDEX Upgrade" des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik – die Kernfusion ist nur ein Forschungsfeld für Energiegewinnung der Zukunft. ©IPP

Konsistente politische Ziele, verlässliche Rahmenbedingungen und verstärkte Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung (F&E) sind Grundvoraussetzungen für eine langfristig gestärkte Industrie in Zeiten der Energiewende. F&E, Innovationen und technologische Entwicklungen bilden den unverzichtbaren Unterbau für die Erfüllung der politischen Ziele in Deutschland und der EU sowie auch für den Umbau der Energiewirtschaft weltweit.

Dies gilt derzeit vor allem mit Bezug auf den Stromsektor, wo sich ein revolutionärer Wandel von einem zentralen, auf fossile Großkraftwerke gestützten Versorgungssystem hin zu einem dezentraleren, intelligenteren, fluktuierenden und weitestgehend erneuerbaren Modell vollzieht. Veränderungen im Stromsystem können perspektivisch durch Sektorkoppelung zu Strukturbrüchen bei Anwendungen in den Bereichen Wärme, Mobilität oder Industrie führen. In einem solch ambitionierten, in dieser Größenordnung weltweit einmaligen Umbauprojekt, liegen jedoch auch inhärente Risiken für die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit, die den Erfolg der Energiewende als auch den Standort Deutschland strukturell gefährden können. F&E-Erfolge sind ein wichtiger Schlüssel dafür, dass der derzeitige Transformationsprozess gelingt und die deutsche Industrie gestärkt aus dieser Phase hervorgeht.

Forcierte Innovationsanstrengungen sind auch die Grundvoraussetzung für einen Ausbau der Position deutscher Technologieanbieter im Weltmarkt. Da weltweit die Chancen einer zunehmend klima- und umweltfreundlicheren Energieversorgung auch unabhängig von den Beschlüssen des Pariser Klimagipfels im Dezember 2015 in den Fokus rücken, können verstärkte Marktchancen für die deutsche Industrie die Folge sein. Sie wäre aufgrund geleisteter Innovationsanstrengungen in der Lage einen möglichen Startvorteil durch den Heimatmarkt Energiewende im globalen Maßstab zu nutzen. 

Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung gleichsam bedeutend für eine gelungene Energiewende

F&E hat das Potential zur Risikoverminderung beizutragen und somit den Erfolg einer gesellschaftsverträglichen Energiewende zu ermöglichen. Dabei bedarf es zum einen einer intensiven Grundlagenforschung bei verschieden Energietechnologien, die dazu führt, dass evolutionäre Fortschritte durch Entwicklungssprünge und revolutionäre Innovationen ersetzt werden. Zum anderen ist auch eine verstärkte, anwendungsorientierte Forschung notwendig, um letztendlich aus vielversprechenden Laborlösungen auch Produkte zu schaffen, die am Markt bestehen können.

Technologieoffenheit reduziert inhärente Risiken der Energiewende

Schlussendlich ist es der Anspruch von F&E Neuland zu betreten. Mit dem Fokus auf steigender Energieeffizienz und Kostensenkung sollte der F&E-Prozess technologieoffen betrieben werden. Mit einer zu frühzeitigen politischen Festlegung auf einzelne Technologien geht auch die Option auf alternative und möglicherweise kostengünstigere Entwicklungspfade in der Zukunft verloren. Aus einer technologieoffenen F&E-Politik ergeben sich zudem wichtige Spillover-Effekte, die zu Innovationen außerhalb des ursprünglichen Forschungsfeldes führen können.

Enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und öffentlicher Hand notwendig

Ein größtmöglicher Erfolg ist jedoch nur durch die Kooperation von öffentlicher Hand und Industrie zu erreichen. Deutschland verfügt in diesem Zusammenhang über innovative Cluster von Forschungsinstitutionen, Zentren, Universitäten und Unternehmen, die im Verbund permanent an neuen Lösungen arbeiten. Es ist dabei von großer Bedeutung für die Industrie, dass der Staat sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene die Unternehmen mit zielgerichteten und strategischen Forschungsprogrammen unterstützt und so zu einem internationalen „level playing field“ beiträgt. Nur so können hiesige Technologieanbieter in einem sich intensivierenden globalen Wettbewerb um diese Zukunftsmärkte bestehen. Wie auch in anderen Hochtechnologiebereichen ist zudem eine hervorragend ausgebildete Fachkräftebasis in den MINT-Fächern Grundvoraussetzung für den globalen Erfolg.