EPA: Ghanaische Industrie befürwortet wichtiges Handelsabkommen

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Bei dem Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsgipfel in Nairobi, Kenia, waren die Economic Partnership Agreements (EPAs) zwischen der Europäischen Union (EU) und den Ländern Afrikas ein wichtiges Thema. James Asare-Adjei (Association of Ghana Industries, AGI) erklärt im Interview, warum die ghanaische Industrie das EPA in Westafrika unterstützt.

In Kenia und in der Ostafrikanischen Gemeinschaft (East African Community EAC) ist eine intensive Debatte über das EPA im Gange. Kenia und Ruanda haben das Abkommen bereits unterschrieben. Uganda sieht das EPA ebenfalls positiv, setzt sich jedoch dafür ein, dass die EAC als Block das Abkommen unterschreibt. Tansania auf der anderen Seite hat Bedenken geäußert und Burundi lehnt das EPA wegen der EU-Sanktionen ab.

In Westafrika stellt sich die Situation anders dar: 13 der 16 westafrikanischen Staaten haben das EPA bereits unterschrieben. Einige Länder, wie zum Beispiel die Elfenbeinküste und Ghana, waren nicht bereit so lange zu warten und haben in der Zwischenzeit Übergangsabkommen ratifiziert. Diese sichern ihnen, falls nötig, eine Rückfalloption für einen zollfreien Zugang zur EU. In Ghana wird das EPA unter anderem vom Verband der Ghanaischen Industrien (Association of Ghana Industries AGI) unter seinem Präsidenten James Asare-Adjei befürwortet. Der BDI trifft James Asare-Adjei zum Interview.

Warum hat AGI dem EPA zugestimmt?

Das EPA ist ein wichtiges Handelsabkommen, das eine große Debatte unter Unternehmen, gesellschaftlichen Gruppen und Denkfabriken in Ghana ausgelöst hat. Das Ghanaische Ministerium für Handel und Industrie hat eine wichtige Rolle bei der Frage gespielt, warum Ghana das EPA unterschreiben und ratifizieren sollte. Das Ministerium hat eine Strategie für Begleitmaßnahmen (EPA Accompanying Measures Strategy) verfasst, um etwaige negative Auswirkungen zu mildern und die vom EPA gebotenen Chancen zu maximieren. Darüber hinaus wurde die Strategie in beratenden Workshops einer Überprüfung unterzogen, um die Anliegen der Privatwirtschaft voll einzubeziehen. Ich versichere Ihnen, dass es ein langer Prozess war, der letztlich zur Zustimmung zum EPA geführt hat.

Zurzeit ist die EU der größte Abnehmer für Ausfuhren (46 Prozent) aus Ghana. Studien haben ergeben, dass das EPA die Rentabilität um 77 Prozent bei Unternehmen in Teilsektoren der verarbeitenden Industrie, im Wesentlichen durch niedrigere Eingangspreise, erhöhen wird. Das entspricht dem Hauptschwerpunkt des EPA, Zollsenkungen bei Vorprodukten und Zwischenerzeugnissen einzuführen, was wiederum Hersteller vor Ort begünstigt. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Strukturwandel von einer import- zu einer export-orientierten Wirtschaft sowohl eine robuste Wirtschaft als auch eine stabile Währung und sehr gute Aussichten für die Schaffung von Arbeitsplätzen gewährleisten wird. Aus diesem Grunde eröffnet ein Abkommen wie das EPA neue Exportmöglichkeiten und stellt sicher, dass diese Agenda erfüllt wird.

Wie kann das EPA die nachhaltige Entwicklung Ghanas unterstützen?

Es ist vor allem der weiterhin zollfreie Zugang zum EU Markt, von dem viele der wichtigsten Sektoren von Ghanas nationaler Exportstrategie profitieren. Zu diesen Sektoren gehören verarbeitete Kakaoprodukte, pflanzliche Produkte, Obst und Fisch. Einige der ghanaischen Exporteure sind fast ausschließlich auf den EU-Markt angewiesen. Ihre Produkte wären von zusätzlichen Zöllen betroffen, hätte Ghana das EPA nicht ratifiziert. Tunfischerzeugnisse wären sonst mit ca. 12 Prozent bis 24 Prozent höheren Steuer- und Zollabgaben und verarbeitete Kakaoerzeugnisse mit ca. 6 Prozent belegt. Insgesamt kämen geschätzte Zusatzkosten von 50 Millionen US-Dollar auf Exporteure zu.

BDI: Wie werden die EPAs der Economic Community of West African States (ECOWAS) zugutekommen?

Die EPAs beinhalten Schutzklauseln, die es Ländern gestatten, das Abkommen einer Überprüfung zu unterziehen, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass es ihre Wirtschaft, bestimmte Industriezweige oder Handelsbereiche negativ beeinflusst. Mit diesen Schutzklauseln tritt man auch den Befürchtungen entgegen, dass die Abkommen für immer bindend sind.
Es ist sehr gut, dass die EPAs Unterstützung für den Einsatz von handelspolitischen Schutzmaßnahmen bieten. Das gewährt den westafrikanischen Staaten genug Flexibilität, um vorübergehenden Schutz für sensible Wirtschaftsbereiche sicherzustellen, ohne das EPA zu beeinträchtigen. Ich bin der Meinung, der globale Handel unterliegt einem schnellen Wandel. Um dabei nicht außen vor zu blieben ist für Westafrika wichtig, sich dementsprechend auszurichten. AGI ist ein starkter Befürworter das regionalen EPA. Das regionale Abkommen garantiert sämtliche Vorteile für den Zugang zum EU-Markt. Für Ghana ist die EU weiterhin ein strategisch wichtiger Partner.