Welche Investitionen sind nachhaltig? Diese Frage bewegt die EU gerade beim Thema Energie © Pexels/ Pok Rie

EU-Taxonomie: Nachhaltige Finanzierung der Klimatransformation

Nachhaltige Finanzierung spielt für die EU eine Schlüsselrolle, um das notwendige Kapital zur Umsetzung des Green Deal und der internationalen Klimapolitik zu mobilisieren. Die EU plant, Investitionen in neue, moderne Gaskraftwerke ebenso als nachhaltig einzustufen. Ein guter Schritt: damit die Energieversorgung sicher bleibt, sind wir bis zum Ziel der Klimaneutralität auf Brückentechnologien wie Gas angewiesen.

Was steckt hinter der EU-Taxonomie?

Die EU-Taxonomie ist eine Klassifizierung, die Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen leiten soll. Immer mehr Anleger und Fonds achten darauf, dass ihr Geld in nachhaltige Investitionen fließt. Es spielt deshalb eine große Rolle, welche Investionen als nachhaltig gelten. Die Taxonomie definiert eine Wirtschaftsaktivität dann als ökologisch nachhaltig, wenn sie einen positiven Beitrag zu einem der sechs Umweltziele leistet (Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung sowie Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme), keines der anderen Ziele erheblich beeinträchtigt und soziale Mindeststandards einhält. Die dazugehörige EU-Verordnung ist am 12. Juli 2020 in Kraft getreten.

Warum sind Investitionen in moderne Erdgas-Kraftwerke nachhaltig?

Nur mit einer gesicherten Stromversorgung und Gas als Brückentechnologie ist ein früherer Kohleausstieg vor 2038 möglich. Deutschland hat politisch beschlossen, die Nutzung der Kernkraft zu beenden. Andere Länder – auch innerhalb der EU – gehen eigene Wege. Die größere Dynamik findet weltweit im Bereich der erneuerbaren Energien statt. Die drei jetzt abgeschalteten deutschen Kernkraftwerke erbringen rechnerisch so viel Leistung wie rund 1000 Windkrafträder. Im vergangenen Jahr wurden aber nur rund 450 neu gebaut. Für Deutschland bedeutet der zeitgleiche Ausstieg aus Nuklear und Kohle, dass Gas als Brückenlösung weiterhin eine entscheidende Rolle spielt.

Laut unserer Studie Klimapfade 2.0 muss die Gaskraftwerkleistung in Deutschland bis 2030 sogar um 43 Gigawatt steigen, um die Klimaziele zu erreichen. Das wären rund 140 neue Wasserstoff-taugliche Gaskraftwerke der 300-MW-Klasse. Bei Bauzeiten von mehreren Jahren kann das nur gelingen, wenn jetzt sofort mit der Planung begonnen wird. Händeringend werden deshalb Investoren gesucht, die bereit sind, in solche Anlagen zu investieren. Die Einbeziehung von Erdgas in die EU-Taxonomie erleichtert die Finanzierung dieser Investitionen. Perspektivisch können diese Kraftwerke dann klimaneutral betrieben werden.

Für eine sichere Energieversorgung muss der Ausbau der erneuerbaren Energie gekoppelt sein mit einem massiven Aufbau von Gaskraftwerken, die dann zur Treibhausgasneutralität auf grünen Wasserstoff aus Erneuerbaren umgestellt werden. Die neuen Vorgaben der EU unterstützen den Zubau allerdings noch nicht, dafür sind die Anforderungen zu unrealistisch. „Dazu zählt die Bedingung, dass in Kraftwerken ab 2026 mindestens 30 Prozent CO2-freie Brennstoffe, also etwa grüner Wasserstoff, eingesetzt werden müssen“, kritisiert Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer. Fraglich ist, ob zu diesem Zeitpunkt überhaupt klimaneutraler Wasserstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Zudem scheint unwahrscheinlich, dass bis 2026 bereits die erforderliche Pipeline-Infrastruktur für den Wasserstoff-Transport zu den Kraftwerksstandorten vorhanden ist. 

Warum die Zeit drängt

Die Regierung muss bereits in diesem Jahr entscheiden, wie modene Gaskraftwerke zum Geschäftsmodell werden, damit sie tatsächlich schnell entstehen. Wie lohnt sich ein Kraftwerk, das vor allem dann läuft, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Es ist die allererste politische Pflicht, diese Frage zu klären.

Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Es bleiben jetzt nur noch acht Jahre zur Erreichung der 2030-Ziele. Die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren halbieren zu wollen, klingt ehrgeizig, reicht aber bei Weitem nicht aus. Wir müssen über Monate reden, nicht über Jahre. Nur so gelingt der Umbau zum klimaneutralen Industrieland.