Europäische Kommission plant Aufholjagd bei Künstlicher Intelligenz

Roboter auf der Hannover Messe 2018 © Christian Kruppa

Die Europäische Kommission hat die Durchschlagkraft der Künstlichen Intelligenz für Europas Zukunft erkannt. Mit der Veröffentlichung des sogenannten Dritten Datenpakets und der darin enthaltenen Mitteilung zur Maximierung der Potenziale der Künstlichen Intelligenz will sie Europa im Wettstreit um die Vorherschafft dieser Schlüsseltechnologie in die Poleposition bringen.

Künstliche Intelligenz ist zukunftsweisend für Europa

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) ist Zukunftsthema für Europa im globalen Wettstreit um die Vorreiterrolle zu KI. Deutschland muss sich gemeinsam mit seinen europäischen Partnern ehrgeizige Ziele setzen, um ein Gegengewicht gegenüber KI-Großmächten wie den USA und China zu bilden. Die Volksrepublik will bis 2030 die weltweite Vorreiterrolle im Bereich Künstlicher Intelligenz einnehmen. Nach einer Studie von McKinsey aus dem Jahr 2017 haben große Technologiegiganten weltweit im Jahr 2016 etwa 20 bis 30 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von KI investiert. Die von der Europäischen Kommission Ende April 2018 vorgelegte Mitteilung zur Maximierung der Potenziale der Künstlichen Intelligenz soll nun auch Europa den Weg an die Weltspitze der KI-Entwicklungsstandorte ebnen. Die Kommission adressiert darin drei Handlungsfelder: Investitionen in Forschung und Entwicklung, sozioökonomische Aspekte, wie die Veränderung der Arbeitswelt, sowie ethische und rechtliche Fragestellungen.

Investitionen in Forschung stärken, ethische Fragen adressieren

Ziel der Kommission ist es, gemeinsame Forschungs- und Exzellenzzentren in Europa zu unterstützen und über die sogenannten 400 existierenden „Digital Innovation Hubs“ KI Anwendungen näher an kleine und mittelständische Unternehmen heranzutragen. Zudem plant die Kommissiont, bis zum Jahr 2020 insgesamt 1,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung für Künstliche Intelligenz zu investieren und über den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) private Investitionen zu stimulieren. Auch sollen weitere Mittel über den Mehrjährigen Finanzrahmen (multi-annual financial framework, MFF) nach 2020 zur Verfügung gestellt werden. Die Kommission hofft durch diese Maßnahmen, ab 2020 durch private und öffentliche Investitionen 20 Milliarden Euro zur Förderung von KI mobilisieren zu können. Damit hat sich die Kommission ehrgeizige Ziele gesetzt, um Europa in Sachen KI auf die Überholspur zu bringen. Ob sich diese Investitionen realisieren lassen, ist jedoch fraglich. Ohne erhebliche finanzielle Zusagen der EU-Mitgliedstaaten könnte der Traum, die EU zu einem Vorbild im Bereich der KI zu entwickeln, schnell platzen. „Die Staatengemeinschaft darf sich jetzt nicht in Erbsenzählerei verlieren.“, so Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.

Die Kommission plant ferner, erste ethische Leitlinien bis Ende 2018 zu entwickeln. Dafür setzt sie eine Europäische Allianz zur KI ein, bestehend aus Experten der Industrie und der Wissenschaft, sowie der Zivilgesellschaft. Dieses Organ soll zudem prüfen, ob im Hinblick auf Haftungsfragen Rechtslücken bestehen. Die Ergebnisse sollen bis Mitte 2019 in die Modernisierung der Produkthaftungslinie mit einfließen.

Zugangspflicht zu Forschungsdaten?

Die Europäische Kommission hat neben der Mitteilung zur künstlichen Intelligenz einen Vorschlag zur Erneuerung der Richtlinie für öffentliche Dienstleistungen (PSI - Public Service Information Directive) vorgelegt sowie eine Empfehlung zum Zugang wissenschaftlicher Informationen. Darin enthalten ist der Vorschlag, Forschungsdaten, die öffentlich finanziert wurden, freizugeben. Der BDI warnt vor einer Zugangspflicht zu Unternehmensdaten. Die Pflicht, Forschungsdaten zu veröffentlichen, die oft ja nur in Teilen öffentlich mitfinanziert werden, könnte Forschungsprogramme wie Horizon 2020 oder das neunte Forschungsrahmenprogramm nachhaltig gefährden.