Heute schon wie morgen fahren

© Fotolia/Jonatan

Was werden Autos, Busse, Bahnen und Lkws in Zukunft alles können? Aktuelle Reiseerlebnisse aus der mobilen Welt von morgen – ein Zukunftsausblick.

Der Tag beginnt, draußen ist es kalt und der Wagen fährt schon mal vor – alleine. Wohlig warm ist es bereits im Innenraum, denn der Parkplatz über Nacht lag einen guten Kilometer entfernt. Kaum vorstellbar, dass sich Autofahrer im Jahr 2015 abends in den Städten noch merken mussten, wo sie ihr Auto abgestellt hatten, um morgens wieder einsteigen zu können: In der Mobilität der Zukunft übernimmt vielleicht das Auto eigenständig die Parkplatzsuche, rechnet die Kosten ab und steuert, wenn es wieder gebraucht wird, selbsttätig zum Besitzer zurück. Bei Bedarf frisch aufgeladen, vorgeheizt und schon mit den aktuellen Nachrichten auf dem Display, um bestens informiert in den Arbeitstag zu starten. Die Regie beim Fahren übernehmen eine Vielzahl von Sensoren, Kameras und intelligente Assistenzsysteme und sorgen für eine sichere, stress- und staufreie Ankunft.

Was noch wie eine Utopie klingt, hat einen hohen Realitätsbezug. Aktuell läuft die Automatisierung auf Hochtouren – neben der Elektrifizierung und Vernetzung einer der drei großen Zukunftstrends, an denen die deutsche Autoindustrie und viele beteiligte Industriezweige arbeiten. Künftig können Fahrzeuge nahezu lautlos, emissionsfrei und ohne Fahrer über Autobahnen gleiten. Und das nicht nur in einer Kolonne, sondern mit Spurwechsel und Überholvorgängen. Bis die Fahrzeuge auch enge Stadtverkehre bewältigen, braucht es dann noch einige Optimierungen mehr. On-Board-Systeme arbeiten beim automatisierten Fahren dezent im Hintergrund und greifen im Notfall ein, um abzubremsen, auszuweichen. Vernetzt über neue Mobilitätsdienste ist dann auch der nächste freie Parkplatz mit Ladeanschluss für die Elektro-Batterie in Sekundenschnelle auffindbar und kann vom Fahrzeug autonom angesteuert werden („Pilotiertes Fahren“).

Bis es so weit ist, muss allerdings noch der rechtliche Rahmen abgesteckt werden. Zum Beispiel zur Haftungsfrage, wenn doch etwas passiert. Wer steht dann gerade – der Halter, der Fahrzeughersteller oder auch Softwareentwickler? Und was geschieht mit den unzähligen Daten, die so ein durchdigitalisiertes Auto im Industriezeitalter 4.0 produziert? Abschließende Antworten gibt es auf diese Fragen noch nicht.

Nachhaltig die steigenden Verkehrsströme bewältigen

Einig sind sich dagegen alle Experten, dass umweltfreundliche Elektrofahrzeuge und intelligent vernetzte Autos künftig dazu beitragen, die Verkehrsströme flüssiger, sicherer und sauberer zu gestalten und so die Nachhaltigkeit des Verkehrs erheblich zu verbessern – eine der größten Herausforderungen der Branche. Auch herkömmliche Fahrzeuge sind stetig verbrauchs- und emissionsärmer geworden, sodass Europas Anteil an den weltweiten Verkehrsemissionen kontinuierlich zurückgeht. Rund ein Siebtel aller CO2-Emissionen der EU entfällt auf Pkws.

Aber Klimaschutz ist immer eine globale Herausforderung. Die Industrie arbeitet deshalb tatkräftig an nachhaltigen Mobilitätsangeboten, die das Potenzial haben, auch weltweit erfolgreich zu sein. Denn abnehmen wird die Fahrzeugdichte in Zukunft nicht. Das Bundesverkehrsministerium geht davon aus, dass sich der Pkw-Bestand allein in Deutschland bis zum Jahr 2025 um mindestens zehn Prozent erhöhen wird. Für den Güterverkehr prognostiziert das Ministerium sogar ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem heutigen Stand. Für die EU sieht es ähnlich aus. Beim Güterverkehr wird sogar mit einer Zunahme von bis zu 80 Prozent 2030 gerechnet. Global wird sich der Pkw-Bestand bis 2030 nahezu verdoppeln.

Damit diese weltweiten Trends nicht zu einem massiven Anstieg des Energieverbrauchs im Verkehrssektor führen und die anwachsenden „Megacities“ nicht im Dauerstau kollabieren, sind Elektroautos mehr als eine neue Antriebstechnologie, um CO2- und Feinstaubemissionen zu verringern. Elektromobilität mit Strom aus regenerativen Quellen ist eine Schlüsseltechnologie sowohl für den Klimaschutz als auch für die führenden Industrie- und Technologiestandorte. Deshalb hat die Bundesregierung auch das Ziel ausgegeben, eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen. Bis 2030 sollen es sechs Millionen Fahrzeuge sein – idealerweise ergänzt um die Funktionen und Dienste einer vernetzten Mobilität, die das Fahren nochmals sauberer und sicherer machen. Aus Sicht des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) könnten zu diesem Zeitpunkt auch schon Fahrassistenzsysteme im Einsatz sein, die vollautomatisierte Fahr- und Parkfunktionen in der Stadt ermöglichen.

Mehr Mobilität, mehr Möglichkeiten

Ein Auto, das keine Emissionen mehr produziert, ist in jedem Fall eine zentrale Aufgabe. Derzeit konzentrieren sich die Hersteller vor allem auf drei Varianten: rein batteriebetriebene Fahrzeuge („BEV“), Plug-in-Hybride („PHEV“) sowie Range Extended Electric Vehicle („REEV“), die einen Reichweitenverstärker unter der Haube haben. Alle Technologien sind in der Entwicklung der Fahrzeuge weit fortgeschritten und sorgten für einen rasanten Anstieg der Zulassungszahlen mit einem Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf aktuell 40.000 BEV, PHEV und REEV zur Jahresmitte 2015 in Deutschland.

Dieser Trend ist eindeutig. Ergänzt werden diese Antriebstechnologien um neue Formen der Mobilität. Dank fortschreitender Digitalisierung können Nutzer verschiedene Verkehrsmittel bequem nebeneinander einsetzen und sinnvoll planen und buchen. Eine solche „intermodale Mobilität“ ist in deutschen Großstädten zunehmend zu beobachten. Zum Beispiel auf der Geschäftsreise: In die benachbarte Metropole geht’s zunächst per Bahn, für die Weiterfahrt zum Termin wartet je nach Entfernung und Wetter ein Leihrad oder ein Elektro-Carsharing-Fahrzeug am Bahnhof. Auswahl und Freischaltung des passenden Leih-Angebots erfolgt über eine Smartphone-App noch während der Zugfahrt.

Hält diese Entwicklung an, werden künftig vielleicht nicht mehr einzelne Verkehrsmittel nachgefragt, sondern Mobilitätsangebote, die individuell kombinierbar und ökologisch, flexibel und effizient sind. Das Smartphone wird dabei zum Informations- und Reiseterminal: Apps kombinieren Carsharing-Autos mit der Flug- oder Bahnverbindung, filtern die Ergebnisse nach Schnelligkeit oder Umweltfreundlichkeit oder suchen für das Elektromobil die nächste Ladesäule entlang des Fahrtweges inklusive der Abrechnung des getankten Stroms.

Oder anders formuliert: Die nächste automobile Revolution, die mit Carl Benz im Jahre 1886 buchstäblich ins Rollen kam, steht erst noch bevor. Heute stehen wir an der Schwelle zum umweltverträglichen Auto. Oder besser: der umweltverträglichen und nachhaltigen Mobilität.