Horizont 2020

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Gute Ideen gedeihen nicht von allein. Innovationen brauchen Anreize. Seit den Achtzigern schaffen EU-Rahmenprogramme ein europäisches Ökosystem für Forschung und Innovation. Das aktuelle Programm „Horizont 2020“ ist weltweit das größte öffentlich geförderte Programm dieser Art. Dennoch mangelt es an angemessener Grundfinanzierung, Unternehmensbeteiligung und ausreichendem Risikokapital.

Die Europäische Union hat sich seit ihrer Gründung intensiv mit Forschungspolitik beschäftigt. Seit 1984 wurden die mehrjährigen EU-Rahmenprogramme für Forschung aufgesetzt. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Wissenschaft in Europa und zur Schaffung des Europäischen Forschungsraumes. Mit dem achten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“  wurde erstmals europäische Forschungs- und Innovationspolitik gebündelt in ein Rahmenprogramm überführt, um die ganze Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung abbilden zu können. So entstand ab 2014 mit Horizont 2020 das derzeit größte öffentlich geförderte Forschungs- und Innovationsprogramm der Welt.

Europäisches Ökosystem für Innovationen

Die Rahmenprogramme haben sich während ihrer jeweiligen Laufzeit kontinuierlich weiterentwickelt. Sie stellen zahlreiche Programme und Instrumente zur Innovationsförderung in Europa bereit. Diese Instrumente leisten einen wesentlichen Beitrag für das europäische Innovations-Ökosystem. Der BDI hat sich mit der Expertise seines Arbeitskreises Europäische Forschungs- und Innovationspolitik und in engem Schulterschluss mit Businesseurope in die Verhandlungen von Horizont 2020 und das derzeit noch in Verhandlung befindliche Nachfolgeprogramm Horizon Europe eingebracht.

Deutsche Unternehmen profitieren von Forschungsnetzwerken

Für die deutschen und europäischen Unternehmen gibt es viele Gründe, sich auf die Programme und um die Förderungsmöglichkeiten in Brüssel zu bewerben. Neben den finanziellen Vorteilen sind dies vor allem EU-weite Netzwerkbildung, Exzellenz und Kooperation. In EU-geförderten Projekten arbeiten internationale Teams von Wissenschaftseinrichtungen, internationale sowie kleine und mittlere Unternehmen sowie Startups interdisziplinär zusammen. Die Unternehmen können Technologie-Scouting betreiben und vom technologischen Entwicklungsstand der Partnerunternehmen in anderen Mitgliedsländern lernen. Durch das Exzellenzprinzip wird sichergestellt, dass nur die besten Projekte den Zuschlag bekommen und somit eine hohe Qualität der Projekte gewährleistet bleibt. Die Wissenschaft hat massiv von der EU-Förderung im Zuge der Rahmenprogramme profitiert. So ist der Europäische Forschungsrat inzwischen weltweit anerkannt für seine wissenschaftliche Exzellenz.

Verbesserungsbedarf bei Horizont 2020

Trotz einer grundsätzlich positiven Bestandsaufnahme gibt es noch Verbesserungsbedarf in den folgenden Bereichen:

  • Zu geringe Grundfinanzierung: Horizont 2020 nimmt 6,7 Prozent vom gesamten EU-Budget ein. Der von der Kommission vorgeschlagene Budgetanteil für Horizon Europe von 100 Milliarden Euro für die Laufzeit 2021-2027 würde nur 7,6 Prozent vom gesamten EU-Budget ausmachen. Dies wird der rasch wachsenden Bedeutung von Forschung und Innovation für Europa bei weitem nicht gerecht. 
  • Stagnierende Unternehmensbeteiligung: Die Industriebeteiligung an den Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation sank zuletzt sogar leicht auf derzeit knapp 30 Prozent der Gesamtteilnehmer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Problematisch ist zum Beispiel die hohe Überzeichnung der Programme, d.h. niedrige Quoten für die erfolgreiche Antragsstellung zur Förderung eines Projekts. Je nach Instrument liegen diese zwischen 3,5 und 14 Prozent. Zudem bedeutet eine Antragstellung nach wie vor einen relativ hohen administrativen Aufwand. Das hält viele Unternehmen, insbesondere KMU und mittelständische Firmen, von einer Teilnahme an den Rahmenprogrammen ab. Da nur Unternehmen Forschungsergebnisse in Innovationen und neue Produkte am Markt umwandeln , werden durch eine stagnierende oder schlimmstenfalls sinkende Unternehmensbeteiligung wesentliche Innovationsziele der EU-Rahmenprogramme nicht erreicht. 
  • Nicht ausreichend Risikokapital (VC): Der Markt für Risikokapital beträgt in Europa mit ca. 6,5 Milliarden Euro nur ein Sechstel des Volumens des US-Marktes (ca. 39,4 Milliarden Euro). Dadurch fehlt schnell wachsenden Startups und Unternehmen in Europa besonders in der späteren Skalierungs- bzw. Wachstumsphase das dringend benötigte Kapital. Risikokapitalgeber bringen zudem häufig noch eine besondere Expertise für Wachstumsprozesse mit, die sie an junge Unternehmen weitergeben könnten. Der geplante Europäische Innovationsrat (European Innovation Council, EIC) im Rahmen von Horizon Europe ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber als Instrument zur Förderung hochinnovativer europäischer Startups noch nicht aus.