Idealer Nährboden: Wie ein Forschungsinkubator funktioniert

Inkubatoren schaffen das richtige Mikroklima für Wachstum © Fotolia/psdesign1

Samen brauchen einen guten Nährboden, damit aus ihnen tragfähige Pflanzen werden können. Für Unternehmensideen gilt dasselbe: Auch sie benötigen das richtige Umfeld, um zur Marktreife zu gelangen. Sogenannte Acceleratoren, Inkubatoren oder ähnliche Initiativen spielen dafür eine große Rolle in der Startup-Welt. Was verbirgt sich hinter den Begriffen und wie läuft es in der Praxis? Ein Vor-Ort-Besuch.

Die Begriffe Akzelerator/Accelerator und Inkubator sind nicht scharf voneinander zu trennen. Ein Inkubator (ursprünglich Brutkasten bzw. Brutschrank) soll in der Wirtschaft Ideen junger Unternehmen ausbrüten, ab der Geschäftsidee bis hin zur Marktreife. Acceleratoren (Beschleuniger) hingegen greifen häufig bereits frisch gestarteten Unternehmen unter die Arme, oft im Rahmen einer Art Boot Camp. Meist handelt es sich um Beratung und Versorgung mit unternehmerischem Wissen und fachlichen Erfahrungen. Dazu kommt häufig noch die Ausstattung mit Büroflächen, technischer Infrastruktur oder am Ende der Förderungsphase auch die Vorstellung des Unternehmens bei potenziellen Investoren. Darüber hinaus sind solche Boot Camps zumeist auf wenige Monate beschränkt, in denen die Unternehmensidee intensiv zu einem marktreifen Produkt oder einer Dienstleistung entwickelt werden soll.

Der Forschungsinkubator von Bayer HealthCare zum Beispiel heißt „CoLaborator“, in Anlehnung an „laborare“ und an das französische und englische „collaboration“ für Zusammenarbeit. Seit Mai 2014 bietet die Bayer-Tochter an ihrem Standort in Berlin-Wedding jungen Firmen mit Bezug zu Chemie- und Biowissenschaften eine umfangreiche Labor- und Büroinfrastruktur an, praktischerweise in unmittelbarer Nähe zu den eigenen Forschungseinrichtungen. Die Startups bleiben unabhängig, können jedoch zusätzlich zur genannten Infrastruktur auch Zugang zum weltweiten Bayer-Netzwerk erhalten. Das schließt beispielsweise auch die Nutzung des CoLaborators am Bayer-Standort Mission Bay, San Francisco, ein. Er wurde bereits 2012 errichtet. Mit seinen beiden Forschungs-Inkubatoren verfolgt Bayer HealthCare das Ziel, junge Life-Science-Unternehmen beim Aufbau ihrer Forschungslabore zu unterstützen und ein Umfeld für Innovationen zu schaffen. Zudem strebt der Konzern an, jungen Unternehmen als erster Ansprechpartner bei der Suche nach möglichen Kooperationspartnern aus der Pharmaindustrie zu dienen.

In einem hochmodern ausgestatteten Gebäude auf dem Firmengelände mit 800 Quadratmetern Grundfläche stehen für die Laborarbeit 420 Quadratmeter zur Verfügung. Junges Unternehmertum und Pharmaexpertise sollen sich ergänzen. Der Konzern setzt dabei keine engen Grenzen. Zu den bevorzugten Forschungsgebieten zählten die Onkologie, die Gynäkologie, die Kardiologie und die Ophthalmologie neben interessanten Drug-Discovery-Technologien.

„Startups zahlen bei uns Miete und erhalten dafür ein eigenes Labor mit 40 m² und 20 m² Bürofläche, alles komplett eingerichtet und möbliert“, sagt Jörg Knäblein, der die Firmen im CoLaborator Berlin betreut. In der Miete ist außerdem die Nutzung von Konferenz- und Aufenthaltsraum mit Küchenzeile, der Tischtennisplatte und des Beachvolleyballfeldes enthalten. Besonders lukrativ für die Gründer ist die technische Infrastruktur, die Bayer auf seinem Weddinger Areal bereitstellt: Autoklav, Kernspinresonanzspektroskopie (NMR), Kühlraum. „Von Backup-Systemen wie Ersatzkühltruhen bis hin zur Werksfeuerwehr bieten wir Startups ein Umfeld, das sie so sonst nicht vorfinden.“, betont „Technology Scout“ Knäblein.

CoLaborator-Mietverträge laufen über drei Jahre. Seit August sind jedoch auch zwei Startups für nur rund 100 Tage im CoLaborator. Die beiden Firmen gehören zu den fünf Digital-Health-Startups aus dem diesjährigen „Grants4Apps Accelerator“. In dieses Programm nimmt Bayer HealthCare Gründer auf, die neuartige Soft- oder Hardware, Technologien oder Verfahren vorweisen können, die zur Verbesserung gesundheitlicher Resultate oder pharmazeutischer Verfahren beitragen.