Klimadiplomatie zum Wohle von wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit

Die Weltgemeinschaft trifft sich dieses Jahr in Paris zum finalen Showdown. Ziel ist das Verabschieden von einem globalen Klimaabkommen, das ab 2020 in Kraft treten soll. Für die Politik und die Wirtschaft steht viel auf dem Spiel. Die internationale Klimapolitik birgt die Chance, weltweit die Weichen für eine ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu stellen.

Deutsche Unternehmen liegen im weltweiten Vergleich bei der Entwicklung von Umweltschutztechnologien ganz weit vorn und bieten zahlreiche Lösungen für kosteneffizienten Klimaschutz an. Fest steht aber, dass unser Land allein den Klimawandel nicht aufhalten kann. Deutschland war 2014 lediglich für knapp zweieinhalb Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. China, die USA und Indien waren zusammen für gut 40 Prozent verantwortlich. Dies zeigt: Globale Probleme müssen auch global gelöst werden. Der BDI begleitet als offizieller Beobachter seit Beginn der UN-Klimakonferenzen vor 21 Jahren aktiv die Bemühungen für ein weltweites Klimaschutzabkommen.

Politik und Wirtschaft sind nun aufgefordert, weltweit an einem Strang zu ziehen, um ein neues starkes Abkommen für die Zeit nach 2020 zu verabschieden. Der BDI setzt sich dafür mit seinen internationalen Partnern auf der UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris mit ein.

Um die Treibhausgasemissionen zu verringern ist ein global verbindlicher, umfassender und einheitlicher politischer Rahmen notwendig. Ein solches „Level Playing Field“ sorgt auch dafür, dass international vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für die Unternehmen geschaffen werden. Die deutsche Industrie leistet seit langem einen entscheidenden Anteil zum internationalen Klimaschutz.

Es sind vor allem deutsche Produkte, die heute in vielen Regionen der Welt in Sachen Klimaschutz gefragt sind: von Katalysatoren für Autos bis hin zu Entschwefelungsanlagen von Kraftwerken. Durch ihr enormes Exportpotenzial bergen diese Produkte gleichzeitig auch große wirtschaftliche Chancen.

Die Industrie betrachtet die Auswahl und den Zuschnitt der Klimaschutzmaßnahmen deshalb immer auch unter dem Gesichtspunkt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Denn nur wenn die deutschen- und europäischen Maßnahmen mit denen anderer Weltregionen inhaltlich korrespondieren, kann die deutsche Industrie ihre Konkurrenzfähigkeit sichern und ausbauen, Weltmarkt- und Innovationsführer im Klimaschutz bleiben und Zukunftsmärkte erschließen. Die deutschen und teilweise auch europäischen Umweltstandards für die Hersteller von z.B. Aluminium, Kupfer, Chemikalien, Kunststoffen, Papier, Glas, Stahl und Zement sind hoch und dienen international oft bereits als Vorbild.

In Paris werden sich Ende des Jahres 194 Staaten treffen und miteinander über einen zielgerichteten Textentwurf für den internationalen Klimaschutz verhandeln. Viele Einzeltreffen im Vorhinein brachten bisher nur Minimalkompromisse. Ohne eine Einigung mit China, den USA und Indien auf ein weltweit starkes Abkommen hat die Klimapolitik international schlechte Chancen. Aber nur wenn alle Chancen realisiert werden, können Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammen umgesetzt werden.

Vier zentrale Forderungen müssen aus Sicht des BDI bis Paris erfüllt werden:

  1. Treibhausreduktionsziele:
    Vergleichbare Emissionsreduktionen zwischen Industriestaaten und angemessene Emissionsbegrenzungen von Schwellenländern
  2. Klimafinanzierung:
    Faire Lastenverteilung der zukünftigen Klimaschutzkosten zwischen Industrie- und Entwicklungsländern
  3. Monitoring und Reporting:
    Kontrollsystem für die in Paris beschlossenen Verpflichtungen
  4. Internationaler Kohlenstoffmarkt:
    Passus im angestrebten Pariser-Abkommen, der die Nutzung von Marktmechanismen ermöglicht