KMU und Familienunternehmen – im Kern ähnlich, in der Größe verschieden

Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel © Pixabay/hpgruesen

Familienunternehmen – egal welcher Größe – verbinden Eigentum, Verantwortung und Kontrolle. Eine Kombination, die unternehmerische Nachhaltigkeit und das Fortbestehen des Unternehmens vor das Profitstreben setzt. Dies spiegelt sich auch in der langfristigen Orientierung wider: Die größten Familienunternehmen Deutschlands beurteilen die Stabilisierung der EU als eines der wichtigsten Themen, denen sich die zukünftige Bundesregierung widmen sollte.

Dies zeigt die im Sommer 2017 veröffentlichte Studie über Deutschlands größte Familienunternehmen, für die das Institut für Mittelstandsforschung Bonn im Auftrag des BDI und der Deutschen Bank AG Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz befragt hat. Ein großer Teil der befragten Unternehmen ist mittelständisch geprägt. Gleichzeitig sind diese Unternehmen aus europäischer Sicht jedoch keine kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), denn die quantitativen Kriterien der europäischen KMU-Definition erfüllen sie nicht. Der BDI setzt sich für eine Anpassung der Kriterien der europäischen KMU-Definition ein, damit diese innovativen und exportorientierten Unternehmen gemeinsam mit den KMU ebenfalls Berücksichtigung in der europäischen Industrieförderung finden.

Familienunternehmen sind außerdem für den Wirtschaftsstandort Deutschland von besonderer Bedeutung. Wie das Kennzahlen-Update der Studie „Die Größten Familienunternehmen Deutschlands“ zeigt, ist in den vergangenen Jahren ihre Investitionsquote im Verarbeitenden Gewerbe stetig um etwa ein Prozentpunkt gestiegen. Deutschlandweit sind die Unternehmen der südlichsten Bundesländer die Investitionsfreudigsten: In Baden-Württemberg betrug ihre Nettoinvestitionsquote im Jahr 2015 4,9 Prozent. Bayern folgt mit 4,4 Prozent auf dem zweiten Platz.

Familienunternehmen – eine Erfolgsstory, die besonderer europäischer Berücksichtigung bedarf

Die Ergebnisse der Studie diskutierten Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI und Markus Ferber MdEP sowie Markus Pieper MdEP des Parlamentskreis (PKM) Europe Ende November 2017 im Rahmen eines PKM-Frühstücks zusammen mit Vertretern der Wirtschaft in Brüssel. Dies zeigt, dass die besondere Bedeutung von Familienunternehmen über quantitativ messbare Kriterien hinaus geht. Die Einheit von Eigentum bzw. Haftung, Leitung und langfristigem Wirtschaften – aus dem Wunsch heraus, das eigene Unternehmen gut aufgestellt an die nächste Generation zu übertragen – ist es, was Familienunternehmen kennzeichnet. Ein Element, was sie mit vielen KMU gemeinsam haben. Immerhin zählen 97 Prozent der Familienunternehmen in Deutschland zu den KMU.