Mittelstand: „Wir sind die 99,5 Prozent“

Der Mittelstand ist die zentrale Kraft der deutschen Wirtschaft. © Foto-Rabe/pixabay

Was der Mittelstand ist, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Keine zwei Meinungen gibt es darüber, wie bedeutend der Mittelstand für Deutschland ist. Die besondere Verantwortung für das eigene Unternehmen, die Mitarbeiter und das unternehmerische Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ zeichnen ihn aus.

Mediale Berichterstattung erweckt bisweilen den Eindruck, das Wirtschaftsland Deutschland bestünde nur aus Großunternehmen. Tatsächlich gehören 99,5 Prozent aller deutschen Unternehmen zum Mittelstand. Das ist mehr als in jeder anderen Industrienation. Was ist das überhaupt, „der Mittelstand“? Was macht ihn aus? Was treibt ihn an?

Eindeutige Definition von „Mittelstand“ fehlt

Die Europäische Kommission etwa versteht darunter seit 2005 kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten und einem Umsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro. Diese Definition wird für Vergleiche zwischen Staaten herangezogen und gilt ebenso für EU-Programme, wenn etwa Firmen Unterstützung aus europäischen Fördertöpfen bekommen sollen.

Die Bundesregierung benutzt den Mittelstandsbegriff flexibler und orientieren sich am Institut für Mittelstandsforschung Bonn, das (folgendermaßen definiert): Mittelstand sind alle Unternehmen bis 500 Beschäftigte, deren Umsatz 50 Millionen Euro nicht überschreitet. Die Bilanzsumme ist dabei egal. Insgesamt, so sagt die Statistik, haben mittelständische Unternehmen hierzulande rund 17,2 Millionen Mitarbeiter, damit stellen sie mehr als die Hälfe aller Arbeitsplätze im Land.

Auch qualitative Kriterien spielen eine Rolle

Allerdings: Die reinen Zahlen sagen im Grunde wenig. Etwas anderes charakterisiert mittelständische Firmen: sie sind geprägt von denen, die dort arbeiten. Oft sind die Leiter des Unternehmens auch die Eigentümer. Sie halten mindestens wesentliche Anteile am Geschäft und haften mit Eigentum für getroffene Entscheidungen. Das unterscheidet sie wesentlich von Managern in Großunternehmen. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Firmeneigner bestrebt sind, langfristig ausgerichtete Entscheidungen zu treffen, um so den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Übrigens: Sobald ein Großunternehmen Mehrheitseigner eines Mittelständler wird, gehört es nicht mehr zur Kategorie.

Zu beachten ist auch die Unterscheidung zwischen Mittelstand und Familienunternehmen. Viele Familienunternehmen gehören zwar zum Mittelstand und immerhin 95 Prozent aller mittelständisch geprägten Firmen sind Familienunternehmen, in denen zwei, höchstens drei Familien mindestens die Hälfte der Anteile halten und auch in der Geschäftsführung sitzen – einige davon sind allerdings auch Großkonzerne. Allerdings muss nicht jeder Mittelständler ein Familienbetrieb sein. Es gibt etwa auch Management-Buy-outs, bei denen leitende Mitarbeiter zu Eigentümern werden, indem sie die Mehrheit der Anteile von Firmengründern oder deren Nachfahren übernehmen und die Firma selbst weiterführen. Im Alleingang also und ohne auf die Gründungsfamilie angewiesen zu sein.

Letztendlich eint Mittelständler und Familienunternehmer die besondere Verantwortung für ihr Unternehmen, ihre Mitarbeiter und ihr unternehmerisches Verständnis als „ehrbarer Kaufmann“. Gemeinsam sind sie angewiesen auf politische Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen aktuelle Herausforderungen erfolgreich zu bestehen.