Nachhaltige Wertschöpfungsketten: Herausforderung für die globale Ordnungspolitik

Nachhaltigkeit

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Deutschland ist wie kaum ein anderes Land in die Weltwirtschaft eingebunden. Unser Land profitiert in hohem Maße von globalen Wertschöpfungsketten. Offene Märkte, freier Handel und die globale Produktionsweise bieten nicht nur Chancen für Unternehmen der Industrieländer, sondern auch für die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das gilt aber nur unter einer Bedingung: die globalen Wertschöpfungsketten müssen sowohl profitabel als auch nachhaltig sein.

Um das zu gewährleisten, ist einerseits die Verantwortung der Unternehmen gefragt, die jedoch vor gewaltigen Herausforderungen stehen. Schlechte Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung, Raubbau an der Natur, die Missachtung von Menschenrechten und Korruption können Unternehmen im Ausland in schwierige Konfliktsituationen führen. Einerseits stehen sie gegenüber Mitarbeitern und Eigentümern in der Pflicht, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen. Dabei stehen sie zunehmend Wettbewerbern gegenüber, die oft nicht nur niedrigere Energie- und Personalkosten tragen müssen, sondern an niedrigere gesetzliche Umwelt- und Sozialstandards gebunden sind. Andererseits müssen sie das Leitbild des „Ehrbaren Kaufmanns“ auch auf der internationalen Bühne in die Tat umsetzen, wenn sie ein nachhaltiges Geschäftsmodell verwirklichen wollen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist nur möglich durch ein immer besseres Management globaler Nachhaltigkeitsrisiken, durch Brancheninitiativen und dadurch, als Unternehmen Haltung zu zeigen und Mindeststandards konsequent global umzusetzen.

Andererseits ist auch die Politik gefragt, wenn globale Wertschöpfungsketten zu nachhaltigem Wohlstand führen sollen. Die globalen Rahmenbedingungen müssen ständig an die Bedürfnisse der immer stärker belasteten Umwelt und einer wachsenden Weltbevölkerung angepasst werden. Handelsverträge sind eine Chance für die Politik, Handel und Investitionen nachhaltiger zu gestalten. Durch Brancheninitiativen wie dem Bündnis für nachhaltige Textilien kann die Politik – gemeinsam mit der Wirtschaft – spezifische Probleme besser bewältigen. Auch die weltweite Bekämpfung von Korruption ist möglich, erfordert aber geeintes Vorgehen der Staaten. Bundesregierung und Wirtschaft arbeiten gemeinsam an Konzepten zum weltweiten Schutz von Menschenrechten. Und die UN kann durch ihre Nachhaltigkeitsziele die Richtung für eine nachhaltigere Weltwirtschaft vorgeben.

In allen genannten Politikbereichen bringt sich der BDI aktiv in die Gestaltung der Zukunft ein. Denn wir sind überzeugt davon, dass Globalisierung und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind – wenn Unternehmen die Herausforderungen des nachhaltigen Managements globaler Lieferketten immer besser meistern und wenn es der Politik gelingt, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Im Rahmen einer globalen Ordnungspolitik müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam die Nachhaltigkeit der globalen Lieferketten stärken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sicherstellen.