Natur auf Zeit: Industrie sieht Potenzial

Kiebitz © Adobestock/Katarzyna

Auf Industriestandorten befinden sich häufig große Freiflächen, die ein ideales Refugium für Arten und Biotope sind. Wenn nun diese Flächen wieder industriell genutzt werden sollen, können betriebliche Notwendigkeiten und Artenschutz leicht kollidieren. Bei gegebener Rechtsicherheit für Unternehmen könnte hier das Konzept Natur auf Zeit beide Interessen sichern.

Das Thema Natur auf Zeit ist daher für die deutsche Industrie von großer Bedeutung. Siedeln sich geschützte Arten wie Zauneidechsen oder Kiebitze auf der Freifläche eines Betriebsgeländes an, besteht für Unternehmen das Risiko, die Produktion auf dieser Fläche nicht wieder aufnehmen zu dürfen. Der Schutz der gefährdeten Arten steht über einer vorhandenen Betriebsgenehmigung. Will ein Unternehmen den Betrieb auf einer solchen Fläche dennoch wieder aufnehmen, muss ein Ausgleich und Ersatz für die geschützten Arten meist außerhalb der Betriebsgelände gesucht werden. Das gestaltet sich vielfach schwierig bis unmöglich.  Wenn keine Ausgleichsfläche zur Verfügung steht, muss ein Unternehmen eine rechtlich angreifbare Ausnahme für die Nutzung der Fläche bei der Behörde einholen. Es ist somit mit erheblichem Aufwand verbunden, nicht genutzte Flächen in der Industrie der Natur zur Verfügung zu stellen. Ähnliche Konflikte ergeben sich im Verkehrsbereich.

Natur auf Zeit rechtssicher ausgestalten

Um Potenziale für die Natur auf Betriebsgeländen – etwa bei der naturnahen Gestaltung von Firmengeländen – dennoch zu erschließen, bedarf es einer gesetzlichen Regelung. Das Instrument Natur auf Zeit basiert auf der Möglichkeit, für den Naturschutz wertvolle Ausprägungen von Natur entstehen zu lassen. Dabei können Grundstückseigentümer ihre Flächen temporär der Natur zur Verfügung stellen und sie im Anschluss wieder nutzen. Unter welchen Voraussetzungen die entstandene Natur wieder beseitigt werden darf, ist bisher gesetzlich nicht geregelt.

Großes Potenzial für Natur auf Zeit im Bereich der Industrie

Es besteht aber ein großes Potenzial für die Natur im Bereich der Industrie. Beispiele gibt es insbesondere in der rohstoffabbauenden Industrie und bei den Verkehrsflughäfen sowie im Bereich der Unterhaltung an Verkehrswegen und öffentlichen Einrichtungen. Dennoch hat die Industrie bisher kaum Interesse, Natur auf Zeit entstehen zu lassen. Unternehmen wünschen sich Rechtssicherheit in Form einer gesetzlichen Regelung, um erforderlichenfalls wieder auf die Flächen zugreifen zu können. Der BDI diskutierte daher seit Dezember 2019 in diversen Fachgesprächen mit Vertretern des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit , Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Bundesanstalt für Wasserstraßen und Straßenwesen sowie aus den Bundesländern eine mögliche gesetzliche Regelung, die auch ohne aufwendige Untersuchungen, Kartierungen und Ersatzmaßnahmen „Natur auf Zeit“ entstehen lassen kann. Zu dem nun vorliegenden Entwurf zum Insektenschutzgesetz hat der BDI gemeinsam mit dem BMWi Regelungen entwickelt, nach welchen die Widernutzbarmachung von Natur auf Zeit Flächen für Unternehmen rechtssicher ausgestaltet ist.