Ohne Rohstoffe keine Industrie 4.0

BDI-Präsident Ulrich Grillo auf dem 5. BDI-Rohstoffkongress ©BDI/Christian Kruppa

Deutschland soll Leitanbieter und Leitmarkt im Bereich der Digitalisierung und Industrie 4.0 werden. Aber ohne eine gesicherte Rohstoffversorgung, keine Zukunftstechnologien „Made in Germany“. Die deutsche Industrie braucht weiterhin mineralische Rohstoffe. Denn: Ohne Rohstoffe keine Energiewende, keine Elektromobilität, keine schnellen Breitbandnetze, und keine Industrie 4.0.

„Wir stehen heute erneut vor einer industriellen Revolution – der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in ein digitales Zeitalter. Die Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung wird sämtliche Stufen der industriellen Wertschöpfung verändern: von der Logistik über die Produktion bis hin zur Dienstleistung – und das branchenübergreifend.

Die Digitalisierung bietet auf der einen Seite zwar großes Potenzial zur Ressourcenschonung – die Umsetzung gelingt auf der anderen Seite jedoch nicht ohne Rohstoffe. Diese erst machen mit ihren spezifischen Eigenschaften die Produkte und Maschinen effizienter, energiesparender und leistungsfähiger.

Das Industrieland Deutschland muss die digitale Transformation an vorderster Stelle vorantreiben ohne die Fähigkeit zu verlieren, die damit einhergehenden Zukunftstechnologien weiterhin zu entwickeln und zu produzieren. Damit die deutsche Industrie weiter bei Technologien und Innovationen führend bleibt, ist die sichere Versorgung mit Rohstoffen eine essenzielle Voraussetzung. Denn: Ohne gesicherte Rohstoffversorgung keine Zukunftstechnologien „Made in Germany“.

Der wachsende Bedarf an Technologien zur Energiespeicherung führt beispielsweise zu einer deutlichen steigenden Nachfrage nach Lithium. Bis 2035 wird die Nachfrage beinahe das Vierfache dessen betragen wird, was 2013 weltweit produziert wurde. Aufgrund des erwarteten Nachfragebooms treibt die Rohstoff- und Finanzwelt bereits die Frage um: „Ist Lithium das neue Öl?“ Gemeint ist damit nicht nur, dass das Erdöl als Treibstoff in Autos von Lithium-Batterien abgelöst wird. Zugleich impliziert diese Frage, dass Lithium in Zukunft eine ebenso strategische Bedeutung für Industrie und Staaten haben könnte wie bisher der Rohstoff Erdöl.

Betrachtet man unsere Abhängigkeit von Rohstoffimporten sowie von wenigen Abbauländern, ist der Vergleich von Lithium und Erdöl daher gar nicht so abwegig. Allerdings ist aus meiner Sicht die Frage allgemeiner zu formulieren: „Sind Metalle das neue Öl?“ Die frühere Abhängigkeit des Westens von den Öl-Staaten könnte sich, gerade im Zusammenhang mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektromobilität, in Zukunft in Richtung Metalle verschieben. Im Fall von Seltenen Erden hat China nach wie vor eine Monopolstellung. Auch wenn die Lage an den Rohstoffmärkten derzeit im Vergleich zu den Preis-Spitzen vor wenigen Jahren entspannt scheint, dürfen wir uns nicht zurücklehnen.

Denn an der Importabhängigkeit und den Versorgungsrisiken der deutschen Industrie hat sich wenig geändert. Wir beobachten mit Sorge, dass Handelsbeschränkungen und Protektionismus kontinuierlich zugenommen haben. Während die Unternehmen eine Vielzahl an Maßnahmen ergreifen, um die Risiken bei der Rohstoffversorgung zu reduzieren, sind sie bei politisch bedingten Wettbewerbsverzerrungen machtlos. Unser Appell an die Politik lautet daher, sich auch in Zukunft konsequent gegen Handels- und Wettbewerbsverzerrungen bei Rohstoffen einzusetzen. Wenn Deutschland im Dezember dieses Jahres die Präsidentschaft der G20-Staaten übernimmt, sollte der faire Handel von Rohstoffen daher auf jeden Fall in ihrem Arbeitsprogramm stehen. Für die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen, brauchen wir weiterhin mineralische Rohstoffe: Ohne Rohstoffe keine Energiewende, keine Elektromobilität, keine schnellen Breitbandnetze, und keine Industrie 4.0.“